Spielend schön

Der Gaming-PC als ultimative Spielmaschine

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Der PC erlebt eine Renaissance als Spielgerät: Moderne Grafikkarten zeigen fotorealistische Spielszenen, VR-Brillen beamen den Spieler mitten in die 3D-Welt hinein und 4K-Bildschirme lassen die einst sichtbaren Pixel verschwinden.

Warum spielen Sie? Ich habe dafür zwei Antworten parat: Während der S-Bahn-Fahrt, im Zahnarzt-Wartezimmer oder abends auf der Couch will ich mich nur etwas ablenken. Ansprüche an Bildqualität, Effekte und Storyline habe ich da kaum. Ganz anders sieht es aus, wenn ich meinen Gaming-PC anschmeiße und die neuesten Top-Spiele starte. Dann erfreue ich mich an den coolen 3D-Effekten und Beleuchtungstechniken, die Spiele fotorealistisch erscheinen lassen. Der Bildschirm kann nicht groß genug sein, damit ich jedes Detail genießen kann. Kurzum: Ich will erleben, was gerade geht.

Während die gelegentliche Ablenkung notgedrungen den Mobilgeräten vorbehalten bleibt, kommt für das volle Zock-Erlebnis folglich nur der PC in Frage. Wer jetzt auf die Spielkonsolen Xbox One und Playstation 4 verweist, den kann ich nur fragen: Meinen Sie das ernst? Konsolen bekommen nur alle sechs bis zehn Jahre ein Hardware-Update, während die PC-Größen AMD, Nvidia und Intel sowie die Hersteller von Mobilgeräten im Jahresrhythmus an der Innovationsschraube drehen. Die angeblich immer noch aktuellen, aber mittlerweile anderthalb Jahre alten Konsolen haben Probleme, moderne Spiele in Full HD darzustellen. Meist reicht es nur für die mittlere Detailstufe bei 720p. Erinnern Sie sich noch? Das wurde zur Fußball-WM 2006 in Deutschland als „HD-Ready“ angepriesen. Heute kostet ein 22"-Monitor mit Full-HD-Auflösung keine 100 Euro mehr, 4K gibt es ab 300 Euro und 5K steht schon vor der Tür.

Weit verbreitet ist die Mär, dass eine Spielkonsole insgesamt viel billiger sei als ein echter Gaming-PC. Betrachtet man nur die rund 400 Euro für Xbox und Co., mag das stimmen – immerhin geht es beim PC erst ab 600 Euro so richtig los. Doch die nackte Hardware ist nur ein Teilaspekt. Sobald man ohnehin einen PC zum Arbeiten, Mailen oder Internet-Surfen braucht, sollte man dies fairerweise mit in die Kalkulation aufnehmen. Spätestens, wenn man die Kosten der Spiele einberechnet, wird die Konsole schnell teuer. Für Playstation und Xbox kostet das durchschnittliche Spiel bis zu 70 Euro. Für Windows-PCs ist das gleiche Spiel 20 bis 30 Euro günstiger und sieht wesentlich besser aus. Wer pro Monat ein oder zwei Spiele für den PC kauft, könnte sich von der Ersparnis gegenüber der Konsolenversion jedes Jahr eine neue High-End-Grafikkarte kaufen. Selbst wenn man dem PC alle zwei Jahre eine neue Grafikkarte spendiert, hat er über die Lebensdauer der Konsole die Nase vorn.

Effektzauber

Mir persönlich geht es aber gar nicht (nur) ums Geld, sondern vor allem um Spaß und Spielerlebnis. Wenn der Kollege mir vorschwärmt, wie realistisch Lara Crofts Haare dank TressFX im Wind flattern, dann will ich selbst in Laras Welt eintauchen und mich daran erfreuen. Effekte oder Details bei solchen Spielen abzudrehen wäre so, als ob man sich mit einer Zeitmaschine 10 Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Das kommt natürlich nicht in Frage.

Aber nicht nur die Spielfiguren profitieren von den modernen Effekten. So erzeugt Ambient Occlusion eine herrlich düstere Stadtszene mit Schatten, die dazu einladen, sich darin auf die Lauer zu legen. Soft Shadows sorgen für weiche Schattenkanten und den gewissen Nervenkitzel, beim Versuch sich an einen cleveren (KI-)Gegner anzuschleichen. Während bei einem unaufmerksamen Trunkenbold der Halbschatten noch Tarnung spendet, wird der alarmierte Elitekämpfer auch auf eine schemenhafte Bewegung hin Alarm auslösen oder gleich das Feuer eröffnen.

Wehren könnte man sich mit einer Blendgranate. Die blendet alle Mitspieler für ein paar Sekunden. Dank HDR-Technik (High Dynamic Range) heißt das aber nicht weißer Bildschirm, sondern realistisch überstrahlte Objekte; Schemen bleiben erkennbar. HDR begeistert aber auch in Waldszenen, wenn die Sonne zwischen den Bäumen durchblinzelt – solche Strahlen nennt man übrigens God Rays, falls Sie das in irgendeinem Grafik-Optionsmenü mal finden.

Besonderen Spaß bereitet es mir, mit einem der Rallye-Boliden aus Dirt durch die schillernden Pfützen zu heizen. Die Partikelsimulation sorgt dafür, dass der Dreck genau auf der Windschutzscheibe des Gegners landet. Hoffentlich lässt der sich von den teiltransparenten Texturen in seiner Sicht ein paar Zehntel ablenken. Gerade bei Rennspielen bin ich mit einem High-End-PC im Vorteil, denn der spuckt Bildraten von bis zu 144 fps auf geeignete Bildschirme aus. Dadurch lässt sich der Rennwagen geschmeidig steuern und das schnelle Reagieren auf Hindernisse fällt leichter. Überdies bleibt das Bild auch beim schnellen Hin- und Herschauen scharf. Wer schon mal ein Rennspiel mit einer dermaßen hohen Bildrate gespielt hat, will nicht wieder zu den üblichen 60 fps zurück. Spielkonsolen packen übrigens meist nur schwammige 30 fps.

Wenn Sie grafisch wirklich mal umgehauen werden wollen, sollten Sie einen Blick auf das Edel-Rollenspiel Dragon Age Inquisition werfen. Es kombiniert alle modernen 3D-Effekte mit einer realistisch beleuchteten Umgebung und hoch aufgelösten Texturen. Als Fundament dient die Frostbite-3-Engine – genau, die gleiche wie bei Battlefield 4. Damit Felsbrocken und Geröll auf dem Boden plastisch wirken, kommt Tessellation zum Einsatz. Diese Technik erhöht den geometrischen Detailgrad und rundet scharfe Kanten ab. Die erste halbe Stunde in Dragon Age Inquisition hatte bei mir denselben Effekt wie damals bei Unreal (1998), dessen Grafik die Kinnladen einer ganzen Spieler-Generation runterklappen ließ.

Abseits der Grafik

Ich höre einige schon bellen: „Grafik ist nicht alles“ – da haben Sie vollkommen recht. Und es ist wichtig zu sagen: Der PC spielt nicht nur hier seine Vorteile gegenüber den Spielkonsolen aus. Denn viele PC-Spiele lassen sich, im Unterschied zu den quasi unveränderbaren Konsolentiteln, durch kostenlose Mods erweitern. Für Left for Dead, Starcraft II und Counter-Strike schwirren zahllose Modifikationen, Maps und Grafik-Packs durchs Netz. Um diese entstehen wiederum eigene Communities, in denen man sich austauschen und Spielpartner finden kann. Ergo: Wer 40 oder 50 Euro für ein solches PC-Spiel investiert, hat auch nach dem ersten Durchspielen noch Dutzende Stunden Spielspaß vor sich. Allein mein Skyrim-Stundenzähler liegt schon im dreistelligen Bereich. Zum Vergleich: Auf Spielkonsolen bekommt man – wenn überhaupt – nur ein paar ausgewählte Modifikationen vorgesetzt und muss sogar für das Nutzen des Mehrspieler-Modus auf Playstation 4 und Xbox One monatlich blechen. Nein, danke! ...

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