Klassiker gefühlsecht

FPGA-Computer MiST simuliert Amiga und Atari ST

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Wer öfter mal das eine oder andere Spiel aus seiner Computer-Frühzeit zocken will, der steckt in einem Dilemma: Will man keinen Emulator benutzen, muss man sich mit Mätzchen der alten Hardware herumschlagen. FPGA-Computer wie MiST sind ein praktikabler Kompromiss.

Diejenigen, die mit der Computerei vor dem Wintel-Siegeszug ab 1995 angefangen haben, besitzen meist einen Favoriten aus der 8- oder 16-Bit-Generation. Für viele nimmt dabei der Amiga einen besonderen Platz in der Geschichte ein, nicht zuletzt wegen der damals beeindruckenden Spiele.

Freilich könnte man einen Emulator verwenden, wenn es einen mal wieder in den Fingern kribbelt, etwa eine Ausprägung des Unix/Ubiquitous Amiga Emulator. Er emuliert den Amiga auf nahezu allen Plattformen, angefangen beim PC übers Smartphone bis hin zum Raspi. Aber irgendwie kommt damit kein richtiges Retro-Gefühl auf. Die grafische Umgebung ist zu sauber, Frontends zum Starten von Programmen und merkwürdige Gamepads mit Analog-Sticks entsprechen zwar dem heutigen Stand der Zeit, passen aber nicht so recht zum Amiga.

In den Kellern vieler Leser dürften noch diverse Homecomputer, die zugehörigen Handgelenkquälenden Joysticks nebst Stapeln selbst beschrifteter DD-Disketten (Double Density) ihr Dasein fristen. Ab und zu kramen sie die alten Kisten wieder raus und daddeln eine Runde. Doch spätestens wenn die bessere Hälfte das klobige alte Zeug sieht, landet es nicht selten wieder im Karton.

In die Bresche zwischen Emulation und sperrige Hardware könnte ein Computer mit FPGA-Kern (Field Programmable Gate Array) springen. So ein FPGA ist ein Baustein, dessen Logikelemente sich wie bei einem Experimentierbrett virtuell neu verdrahten lassen. Was der FPGA tut, bestimmt einzig die Einstellung, die sich jederzeit ändern lässt – durch „Aufspielen“ einer Konfigurationsdatei (Core). So lässt sich der vom Amiga und Atari ST verwendete Motorola MC68000 samt der zugehörigen Custom-Chips implementieren. Anders als etwa der x86 emuliert der FPGA die gewählte CPU nicht, sondern bildet diese auf logischer Ebene nach.

FPGA statt x86

Genau das tut zum Beispiel das MiST-Board, das in Retro-Foren einen guten Ruf genießt. Es stammt von Till Harbaum, der unter anderem den Atari-ST-Emulator STonX mitentwickelt hat. Der etwas ulkige Name MiST setzt sich aus aMIga und ST zusammen. Ziel war es, einen moderneren Nachfolger des Bastelprojekts „Mini Amiga“ (Minimig) zu schaffen, der ohne Original-CPU auskommt. Dank des flexiblen FPGA kann sich MiST nicht nur in einen Amiga oder Atari ST, sondern auch in andere Klassiker mit völlig unterschiedlicher Architektur verwandeln (siehe Kasten S. 154). ...

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