Stift mit Schick

Android-Smartphone Samsung Galaxy Note 7 mit Stifteingabe

Test & Kaufberatung | Test

Bisher glänzte das Galaxy Note eher durch die namensgebende Möglichkeit, Notizen per Stift festzuhalten als durch schickes Design. Nun hat Samsung das Note erstmals sogar eleganter gemacht als die beliebtere S-Serie.

Den Marktstart des Galaxy Note 7 hat Samsung gründlich versemmelt: 2,5 Millionen Exemplare mussten aufgrund brandgefährlicher Akkus zurückgerufen werden, über 100 Geräte sind angeblich in Flammen aufgegangen. Die Ursache sind wohl fehlerhafte Akkus des konzerneigenen Produzenten SDI. Nun muss Samsung komplett auf den chinesischen Hersteller ATL ausweichen, bisher Lieferant von etwa einem Drittel der Akkus. Wer sein Note 7 schon hat, sollte es nicht mehr benutzen und unter der Telefonnummer 0 61 96/9 34 02 62 ein Austauschgerät anfordern. In den Läden wird das Note 7 wohl frühestens Ende September wieder erhältlich sein, dann aber fehlerfrei.

Und das Warten lohnt sich. Waren die Note bisher eher etwas pummligere Varianten des Galaxy S, ist das Note 7 sogar dem eleganten S7 Edge ein Design-Schritt voraus: Wie bei diesem ist das Display am linken und rechten Rand nach hinten gebogen, aber erstmalig hat Samsung auch die Rückseite ebenso stark abgerundet. Dadurch wirkt das Note 7 ausbalancierter, weniger spitz als das S7 Edge. Obwohl es minimal dicker und zwei Millimeter breiter und höher ist, liegt es besser in der Hand. Der sowieso schmale Rand scheint in der Rundung zu verschwinden. Im Vergleich zum Vorgänger Note 4 – das Note 5 kam nie nach Deutschland – ist das Note 7 trotz gleicher Display-Größe fünf Millimeter schmaler und etwas dünner.

Stiftmäßig

Wie gehabt gibt es drei Möglichkeiten, den Stift zu nutzen: Erstens in Notiz- und Zeichen-Apps wie Samsungs vorinstalliertem Notes, zweitens in einem speziellen Textfeld, das jede App mit digitalisierter Handschrift füttert, drittens per Spezialmenü, das beim Herausziehen des Stifts aufploppt. Darüber lassen sich etwa Screenshots aufnehmen und beschriften.

Durch die Biegung des Displays ist die ebene Schreibfläche etwa 5 Millimeter schmaler als beim Note 4. Die Stift-Apps kommen mit dem Rand unterschiedlich gut klar. Erstaunlicherweise patzt ausgerechnet Samsungs eigene Notiz-App: Auf dem Rand kann man nicht schreiben, und auf den ersten Zentimetern daneben erscheint der Strich knapp neben der Stiftspitze. Beides machen Evernote oder OneNote besser.

Samsungs neue Notes-App fasst die Funktionen der Vorgänger-App S Note und der Zeichen-App Scrapbook zusammen; Notizen können nun aus Handschrift-Abschnitten, Zeichnungen, getippten Textblöcken und Audioaufzeichnungen bestehen. Doch nicht alles läuft perfekt. Tippt man beispielsweise auf das kleine Minus-Zeichen neben einem dieser Notiz-Elemente, um es vermeintlich einzuklappen, löscht man es unwiderruflich.

Vor allem fehlt der Samsung-App die Synchronisation der Notizen zu Evernote. Das mindert beispielsweise den Nutzen eines seit dem Note 4 vorhandenen Killer-Feature: Zieht man bei ausgeschaltetem Gerät den Stift, öffnet sich eine einfache Notiz-App im strom- und aufmerksamkeitssparenden Schwarzweiß-Modus. Darauf schreibt man und schiebt den Stift zurück, was das Note wieder ausschaltet. Bisher landen diese Schnellnotizen auf Wunsch direkt bei Evernote – nun weist nach dem nächsten Einschalten des Geräts nur ein Icon darauf hin, dass man sich mal um eine neue Notiz kümmern müsste. Die neue App sichert Notizen zwar in der Samsung-Cloud, doch vom PC aus kommt man nicht ans Backup.

Auch wenn die Stift-Funktionen alle ihren Reiz und Nutzen haben, leidet die Übersichtlichkeit. Beispielsweise geht das Spezialmenü auch auf, wenn man den Stift bei gestarteter Notiz-App zieht. Kommt dann noch das Edge-Menü ins Spiel, das auf Fingerwisch mäßig nützliche Informationen in der Display-Rundung anzeigt, wirds noch wüster. Endgültig verloren ist man, wenn zusätzlich das vorinstallierte Microsoft OneNote seine Badges einblendet und der Facebook Messenger seine Chat-Köpfe übers Display verteilt.

Immerhin lassen sich die Stiftfunktionen und das Edge-Menü umfangreich konfigurieren und größtenteils abschalten. Auch funktionieren alle anderen Stift-Apps wie Squid und das bisherige S Note mit Evernote-Synchronisierung. Unveränderlich ist lediglich, dass sich die neue Samsung-App um die Schnellnotizen bei ausgeschaltetem Gerät kümmert.

Kamera und Gehäuse

Die Kamera entspricht der im Galaxy S7/S7 Edge und gehört zur absoluten Spitzengruppe; die Farben kommen knackiger als auf dem iPhone 7. Wischt man in der Kamera-App nach rechts und schaltet in den Pro-Modus, nimmt sie zusätzlich Raws im DNG-Format auf. Die GPS-Position schreibt die App seltsamerweise nur ins JPG, nicht ins DNG. Der Rückschritt von den 16 MP des Note 4 zu nun 12 MP reduziert das Rauschen des Sensors, ohne relevant Auflösung zu kosten.

Den Iris-Scanner bewirbt Samsung besonders stolz; er entsperrt das Gerät nach einem tiefen Blick in die Augen des Nutzers. Das geht leidlich zuverlässig, ist aber umständlich: Gerät einschalten, nach oben wischen, richtig positionieren, warten. Viel schneller: am Home-Knopf einschalten und gleichzeitig per Fingerabdruck entsperren.

Bei ausgeschaltetem Gerät zeigt das Display in einem von 14 einstellbaren Ziffernblättern die Uhrzeit und wahlweise zusätzlich die nächsten Termine. Das kostet etwa ein Prozent Akkuladung pro Stunde; in der Tasche oder umgedreht auf dem Tisch bleibt das Display aus. Die Anzeige wandert nachts auf Wunsch automatisch auf den Display-Rand.

Die Geräterückseite lässt sich nicht mehr abnehmen, der Akku ist nicht wechselbar. Dafür ist das Gehäuse wasserdicht, laut Samsung nur in klarem Wasser, nicht in Salzwasser. Bei Feuchtigkeit und mit nassen Fingern funktioniert das Touchdisplay, unter Wasser reagiert es nicht. Die Kamera-App lässt sich so einstellen, dass sie bei zweifachem Drücken der Home-Taste anspringt und mit der Lautstärketaste auslöst.

Die kombinierte Schublade für Nano-SIM und MicroSD liegt oben am Gerät, unten sind Kopfhörerbuchse, Stifteinschub, Lautsprecher (ganz okay, Mono) und USB-C-Buchse untergebracht. Letztere erleichtert das Einstecken des Ladekabels, transportiert Strom und Daten (USB 2.0), jedoch kein Videosignal. USB-Speicher funktionieren; Adapter auf USB und Micro-USB liegen bei.

Fazit

Das Note ist erwartungsgemäß Samsungs leistungsfähigstes Stift-Smartphone, aber überraschenderweise auch schicker und handlicher als die aktuellen Galaxy S7. Hat man sich allerdings als Note-Langzeitfan darüber gefreut, dass die App S Note beim Note 3 oder 4 endlich mal nützlich wurde, geht der Frust mit der neuen App wieder von vorne los. Wer mit seinen Notizen ernsthaft etwas anfangen möchte, ist wieder auf fremde Apps angewiesen.

Doch hat man sich da einmal durchgefuchst, hält man eines der feinsten Smartphones in der Hand. Selbst dem ebenfalls abgerundeten Galaxy S7 Edge gegenüber – bis auf den Stift hat es praktisch die gleichen Innereien und ist über 200 Euro billiger – hat es das elegantere Design voraus. Lediglich mehr Mut bei der Kamera hätte man sich gewünscht; hier hat das iPhone 7 Plus mit dem Zweifach-Zoom (siehe Seite 16) doch die Nase vorn und kostet auch nur noch 50 Euro mehr, mit allerdings halb so großem Speicher. Nun muss Samsung nur noch die Brandgefahr in den Griff bekommen. (jow@ct.de)

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