Geheimtipp China-Handy

Was man beim Schnäppchen-Kauf beachten muss

Test & Kaufberatung | Kaufberatung

Immer mehr unbekannte Hersteller drängen mit günstigen Smartphones auf den deutschen Markt. High-End-Geräte für teilweise extrem wenig Geld locken zum Import aus China. Doch oft ist unklar, was hinter den günstigen Angeboten steckt – und welche Nachteile die Geräte im Vergleich zu den etablierten Marken haben.

Cubot, Elephone, Ulefone, Umi, Timmy … Wer sich bei Amazon durch die Smartphone-Angebote klickt, dem kommen allerhand fantasievoll benannte, aber unbekannte Hersteller unter die Maus. Zwischen den etablierten Marken fallen sie mit vergleichsweise günstigen Preisen auf – bei 60 Euro geht es los. Für deutlich unter 200 Euro sind sogar USB-C-Anschluss, Fingerabdruckscanner, Full-HD-Display und üppige Speicherausstattung drin.

Wer bei High-End-Smartphones richtig sparen will, der sucht direkt in China. 320 Euro kostet etwa ein Xiaomi Mi 5s, dessen Ausstattungsliste es mit Kalibern wie dem Galaxy S7 von Samsung aufnehmen kann. Zwar gibt es diese Spitzenmodelle meistens gar nicht offiziell in Deutschland. Doch bei über 200 Euro Ersparnis gegenüber bekannten Markenmodellen könnte man sich durchaus mit ein paar Nachteilen abfinden. Zahlreiche internationale Händler sind auf den Verkauf von Smartphones von Marken wie Xiaomi, Meizu oder LeEco spezialisiert und machen das Bestellen einfach.

Video: Nachgehakt

Kostenvermeider

Noch vor wenigen Jahren waren billige Smartphones aus China eine echte Zumutung: schlechte Kopien bekannter Markenmodelle und knarzige Plastikklumpen, die einem mit lahmer Performance und Abstürzen die Laune verdarben. Doch die Qualität der China-Ware hat sich deutlich gebessert. Miese Displays mit TN-Panels findet man kaum noch, die Verarbeitung und das Gehäusematerial sind gleichermaßen hochwertig; Android ist meist auf dem gleichen Versionsstand wie bei der Konkurrenz. Das hat zur Folge, dass sich auch die Preise denen der restlichen Marken annähern – zumindest im Einsteigerbereich.

Böse Überraschungen lauern immer seltener, weil alle Hersteller auf ähnliche Bauteile zurückgreifen. Deren Qualität und Zuverlässigkeit steigen mit dem Preis, doch bei den Billig-Smartphones macht es keinen großen Unterschied, ob die Marke aus China kommt oder nicht. Attraktiv werden die China-Geräte durch ihre bessere Ausstattung in ausgewählten Bereichen: hier eine höher aufgelöste Kamera, da mehr Speicher oder dort ein Fingerabdruckscanner. Wer genau hinschaut, findet durchaus Schnäppchen. Wie sich die Geräte in verschiedenen Preisklassen schlagen, haben wir ab Seite 62 getestet.

Wenn die Hersteller nicht bei den Bauteilen sparen, wie können die Geräte trotzdem billiger sein? Zum einen konzentrieren sich die Firmen auf wenige Märkte und betreiben selbst dort nur eingeschränktes Marketing. Bei den Billig-Smartphones ist das Ziel, möglichst sichtbar bei den Schnäppchen der großen Händler aufzutauchen, da die Kunden im unteren Preissegment kaum nach Marken kaufen.

Zum anderen arbeiten diese Hersteller mit möglichst wenig Zwischenstufen bis zum Käufer. Die Smartphone-Entwicklung und -Fertigung findet ohnehin bereits zum großen Teil in China statt. Das Know-how ist vorhanden und so bieten viele OEMs, die zuvor nur Smartphones für andere Firmen hergestellt haben, inzwischen zusätzlich ähnliche Produkte unter eigenen Namen an.

Der Vertrieb wird ebenfalls aus China organisiert; im Ausland gibt es nur in Ausnahmefällen eigene Büros oder Service. Häufig hilft Amazon, Kosten zu sparen: Der Händlerriese kümmert sich um einen großen Teil der Logistik, wodurch Marken wie Elephone, Ulefone oder Cubot ohne eigene Vertretung in Europa agieren können. Zwar treten die Hersteller mit eigenen Shops im Amazon-Marketplace auf, versendet wird die Ware aber aus dem Lager von Amazon, mit den üblichen kurzen Lieferzeiten. Auch Rücksendungen übernimmt Amazon. Bei Problemen oder im Gewährleistungsfall muss man sich jedoch an den jeweiligen Marketplace-Händler wenden.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Händler, die auf die gleiche Art agieren. So tummeln sich viele Modelle mehrfach und zum gleichen Preis bei Amazon von unterschiedlichen Shops, aber mit identischen Beschreibungen. Auch eBay ist ein beliebter Anlaufpunkt für zahlreiche Versender, die aus Hongkong oder aus dem direkt anschließenden Shenzhen heraus agieren. Dort findet das Gros der Smartphone-Fertigung statt; lange Transportwege vor Ort entfallen.

Steuertricksereien

Auf legalem Wege lassen sich so allerdings nur wenige Euro sparen, selbst wenn alle Beteiligten Kosten drücken und bei den Margen knapsen. Beim unübersichtlichen internationalen Handel versuchen viele Händler daher, sich mit unlauteren Methoden einen Vorteil zu verschaffen.

Beim Versand aus Deutschland oder dem EU-Ausland ist der Händler verpflichtet, die Umsatzsteuer für das jeweilige Empfängerland abzuführen. Ohne den Steueranteil kann der Händler seine Ware aber deutlich billiger anbieten als die Konkurrenz – was Endkunden meist nicht sicher erkennen können. Amazon, eBay & Co. kümmern die Masche wenig, sie sehen sich als Dienstleister.

Auch beim Direktversand aus China wird die Steuer oft umgangen. Eigentlich wird bei allen Importen ab 22 Euro Einfuhrumsatzsteuer fällig, wobei die Versandkosten mitzählen. Hier geben viele Versender zu niedrige Werte an oder deklarieren die Lieferung als Geschenk – in der Hoffnung, dass der Zoll das Paket verschont.

Bei unserem Testkauf beim Importhändler GearBest hat dieser das Paket als „Mobile Phone“ für 19 statt 97 US-Dollar deklariert und zunächst von Hongkong nach England geschickt. Erst von da aus ging es an die eigentliche Adresse, vorbei am deutschen Zoll – all das bei absurd niedrigen Versandkosten von 85 Cent. Inklusive Einfuhrumsatzsteuer wäre das Cubot Note S deutlich teurer gewesen als über Amazon – ebenfalls bei einem Händler aus China.

Man sollte nicht davon ausgehen, dass solche Pakete immer klaglos durchgehen. Nach Einrechnen der Nebenkosten entpuppt sich ein vermeintliche Schnäppchen möglicherweise als teure Angelegenheit. Kein Händler führt die Gesamtsteuer auf; den finalen Preis muss man also selbst ausrechnen.

Ein richtiges Problem hat man, wenn der Zoll das Paket öffnet und auf dem Gerät das CE-Zeichen fehlt. Dann darf die Ware nicht in Deutschland eingeführt werden und wird entweder zurückgeschickt oder vernichtet. In der Regel trägt der Kunde dafür das Risiko und die Kosten.

Preisbrecher Xiaomi, Oppo & Co.

Das alles erklärt allerdings nicht die Preise, die in China populäre Marken wie Xiaomi, Oppo, LeEco oder Meizu aufrufen. Für High-End- und Mittelklasse-Geräte muss man extrem wenig Geld auf den Tisch legen. Ein gut ausgestattetes Xiaomi Redmi Note 3 gibt es direkt aus China ab 130 Euro, in Deutschland kosten Geräte mit vergleichbarer Ausstattung locker das Doppelte. Nur 220 Euro kostet das LeEco LeMax 2 mit Qualcomm Snapdragon 820 – dieser Prozessor steckt auch in vielen herkömmlichen High-End-Smartphones. Für 320 Euro erhält man die topaktuelle Hardware des Mi 5s, ebenfalls von Xiaomi.

Grund ist der ruinöse Kampf um Marktanteile auf dem Heimatmarkt. An den Geräten verdient man laut Xiaomis Vizepräsident Hugo Barra nichts. Ziel sei es vielmehr, Nutzer ins eigene Ökosystem zu holen und damit langfristig Geld zu verdienen. Entsprechend wird in Inhalte investiert und in anderen Branchen gewildert, um die Marke weiter auszubauen. Die attraktivsten Modelle kommen im Ausland regulär gar nicht auf den Markt, obwohl sie durchaus aufwendig präsentiert und auf Englisch beworben werden. Das erspart dem Hersteller Anpassungen der Software, Varianten für verschiedene LTE-Frequenzbereiche, kostspielige Zertifizierungen, aufwendige Logistik und den Support in anderen Sprachen.

Kommen vergleichbare Modelle nach Deutschland, dann für mindestens 100 Euro mehr. So kostet das High-End-Gerät OnePlus 3T der Oppo-Tochter OnePlus in Europa aktuell 440 Euro.

Zu finden sind die China-Smartphones mittlerweile bei zahlreichen Händlern im Netz. Anbieter wie cect-shop.com, tradingshenzhen.com oder honorbuy.com haben sich ganz auf diesen Markt spezialisiert und bieten einen recht umfangreichen Service. Die Bestellung läuft meist ähnlich glatt wie bei hiesigen Online-Shops.

Problemfall Software

Da China einerseits die meisten Google-Dienste blockt und andererseits Google in China keine Käufe über den Play Store zulässt, fehlen die Google-Apps, der Play Store und die Play-Dienste auf Geräten für den chinesischen Markt fast immer. Stattdessen gibt es zahlreiche rein chinesische Apps, die mal mehr, mal weniger vertrauenerweckend sind und sich nur mit Sprachkenntnissen verwenden lassen. Für den Alltag ist das kaum sinnvoll, daher muss man hier entweder selber nachrüsten oder beim Import-Händler eine angepasste Version kaufen.

Nicht erst seit der Entdeckung von Trojanern, Hintertüren und Werbeprogrammen auf vielen chinesischen Geräten ist eine gewisse Skepsis bei den vorinstallierten Android-Images angebracht. Denn gerade die Geräte direkt aus China kommen mit allerhand Zusatzsoftware, die sich umfangreiche Rechte einräumen und teils obskure, teils nur chinesisch gehaltene Nutzungsbedingungen anzeigen. Ein angepasstes ROM vom Händler ist nicht unbedingt eine Garantie für saubere Software: Einige unseriöse Händler verdienen sich mit unerwünschter Werbung ein Zubrot.

Doch auch einige der von uns in Deutschland gekauften Geräte kommen mit fragwürdigen Zusätzen. Wenn der Browser die Kontaktliste einlesen will, bevor er startet, schrillen zu Recht die Alarmglocken. Immerhin, schwer auffällig benahm sich in unserem Test kein Gerät. Doch echte Schad- und Spionagefunktionen sind nur durch aufwendige Analyse und Langzeit-Beobachtung zu enttarnen. Für viele Lücken ist nicht einmal böse Absicht verantwortlich, sondern pure Nachlässigkeit. ...

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c't 02/2017, Seite 58 (ca. 4 redaktionelle Seiten)
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