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Editorial: Brandgefährlich

@ctmagazin | Editorial

In Deutschland darf kein Gerät ohne CE-Kennzeichen in Verkehr gebracht, vulgo verkauft werden. Die Vorschriften sind da ganz streng, die Sicherheit des Verbrauchers steht an erster Stelle. Schließlich soll er nicht durch mangelhafte Produkte einem Brand oder Stromschlag zum Opfer fallen.

Was aber heißt eigentlich CE? Nein, nicht "China Export", auch nicht "Checked Evaluation" oder "Conformity Expected". CE steht kurz für "Europäische Gemeinschaft". Und das Zeichen ist Garant dafür, dass das Produkt allen einschlägigen Vorschriften genügt.

Sicherlich, werden Sie nun denken, wacht die Europäische Union streng darüber, dass mit der Kennzeichnung kein Schindluder getrieben wird. Jedes Unternehmen muss die Produkte daher aufwendig prüfen lassen^H^H^H^H - nein, Unsinn; es lebe der schlanke Staat! Nur wenige Produkte müssen noch ordentlich geprüft werden, etwa Funkgeräte oder Rundfunkempfänger. Bei den meisten Produktkategorien erklärt der Hersteller oder Importeur einfach selbst, dass seine Produkte in Ordnung seien. Und schon kann er das Zeichen draufkleben. Nachprüfungen gibt es keine.

Hersteller und Importeure können es also locker angehen, die eine oder andere Prüfung vielleicht ein bisschen nachlässig oder gar nicht vornehmen, und schon dürfen sie verkaufen, was das Zeug hält.

Unverschämterweise ignoriert die Technik die Selbsterklärungen gerne mal: Viele LED-Leuchten und -Panels beispielsweise strahlen vorschriftswidrig dermaßen starke Störsignale über das ganze Funkspektrum ab, dass das Institut für Rundfunktechnik bereits den Rundfunkempfang in Gefahr sieht und Alarm schlägt. Das Problem wird abstruserweise dadurch gelöst, dass man der Bundesnetzagentur gestattet, bei derlei Störungen untätig zu bleiben.

Das Prinzip der Selbsterklärung hat derart viele Vorteile, dass man sich fragt, warum man das nicht anderswo auch so macht. Fahrschüler könnten doch problemlos selbst erklären, dass sie Auto fahren können, Abiturienten den für sie passenden Schnitt selbst schätzen und bei Fahrgästen von öffentlichen Verkehrsmitteln könnte eine Selbsterklärung, den korrekten Fahrpreis entrichtet zu haben, die teure Aufstellung und Wartung von Fahrkartenautomaten vollkommen überflüssig machen. So könnten wir alle von einer Vereinfachung profitieren, nicht nur die Hersteller und Importeure.

Urs Mansmann Urs Mansmann


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