Drucken mit Spareffekt

Günstige Druckkosten mit Originaltinte

Test & Kaufberatung | Marktübersicht

Machen Sie sich auch bei jedem Ausdruck Gedanken wegen horrender Tinten- oder Tonerkosten? Die Druckerhersteller bieten mittlerweile verschiedene Lösungen an, um den Preis pro Druckseite ohne garantiegefährdende Alternativtinten zu senken.

Den nagelneuen Multifunktionsdrucker gab es zum Schnäppchenpreis: Er druckt randlose Fotos in guter Qualität, dank WLAN sogar direkt vom Smartphone; die Familie ist begeistert. Doch bald geht die Tinte in den mitgelieferten, nur halb befüllten Starterpatronen zur Neige und der Blick ins Regal des Elektromarkts ernüchtert: Ein Satz Originalpatronen kostet über die Hälfte des Druckerkaufpreises. Das liegt an der Preispolitik der Hersteller, die die Drucker fast zum Selbstkostenpreis verkaufen und an den überteuerten Patronen oder Kartuschen verdienen.

Im Nachbarregal gibt es günstigere Patronen von alternativen Herstellern wie Peach, Pelikan oder KMP. Die Patronen für das aktuelle Modell fehlen jedoch. Meist dauert es über ein Jahr, bis der Patronentyp im Portfolio der Ersatztintenanbieter auftaucht. Deutlich mehr sparen kann man mit China-Billigangeboten. Doch ist das Risiko hoch, dass die Patronen im Drucker nicht funktionieren, bei der Qualität schwächeln oder schnell eintrocknen und den Druckkopf verstopfen – die Herstellergarantie ist dann auf jeden Fall futsch.

Alternativen zum Druckkostensparen bieten aber auch die Druckerhersteller an: Die Optionen reichen von besser befüllten XL-Patronen über Tinten-Abos bis zum patronenlosen Spezialdrucker mit fest eingebauten Tintentanks, die sich mit Originaltinte aus der Flasche sehr günstig wiederbefüllen lassen. Bei den Hersteller-Lösungen bleiben alle Garantieansprüche erhalten und man bekommt hochwertige, an den jeweiligen Drucker angepasste Tinte in gleichbleibender Qualität.

XL-Füllungen

XL-Patronen mit höherer Füllmenge bekommt man mittlerweile für fast alle halbwegs aktuellen Drucker. Sie kosten zwar mehr als die Normalpatronen, halten aber deutlich länger und senken den Seitenpreis fast immer merklich: Je nach Modell sind das meist zwei bis vier Cent oder mehr (etwa 12 Cent statt 17 Cent pro Seite). Bei Fotodruckern liegt der Seitenpreis in der Regel über zehn Cent, bei Bürodruckern – spätestens mit XL-Patronen – meist deutlich darunter.

Um die Seitenpreise auszurechnen, teilt man den Patronenpreis in Cent durch die Reichweitenangabe in ISO-Farbseiten – man findet sie auf den Verpackungen oder auf den Hersteller-Webseiten. Die Reichweite wird nach der Norm ISO/IEC 24711 mit einem Normdokument ermittelt [1]. Das schafft Vergleichbarkeit. Die ISO-Vorlage enthält Text, Geschäftsgrafiken und ein kleines Bild (Gesamtdeckung 10 bis 20 Prozent). Wer randlose Fotos mit 100 Prozent Deckung druckt, bekommt entsprechend weniger Seiten aus der Patrone heraus.

Besonders günstig drucken die InkBenefit-Modelle von Brother [2]. Für die Drucker gibt es nur XL-Patronen mit bis zu 2400 ISO-Seiten Reichweite, die zudem sehr günstig sind und die Tintenkosten auf gut vier Cent pro ISO-Seite drücken. Dafür kosten die Geräte aber rund 100 Euro mehr als vergleichbar ausgestattete Drucker mit höheren Druckkosten.

Tanks statt Patronen

Noch einen Schritt weiter gehen Drucker und Multifunktionsgeräte mit Schlauchsystem und festen Tintentanks, die sich aus Plastikflaschen wiederbefüllen lassen. Der Kaufpreis der Drucker und Multifunktionsgeräte liegt je nach Modell 200 bis 400 Euro über vergleichbaren Geräten mit Patronen. Dafür bekommt man aber Tinte für 6000 bis 11.000 Seiten mitgeliefert – in Patronenform würde die Tinte mit 600 bis 1400 Euro zu Buche schlagen. Auch erhöhen Tanks und Schlauchsystem den Gerätepreis.

Eine Tankfüllung reicht meist für rund 6000 Seiten – ideal für Familien mit Hausaufgaben-ausdruckenden Kindern. Pro Farbe kostet eine Neubefüllung mit Originaltinte zwischen 7 und 22 Euro. Die Tintenkosten pro ISO-Farbseite liegen bei 0,7 bis 1,5 Cent. Viel günstiger druckt man auch mit China-Tinte nicht.

Die ersten Tintentank-Drucker brachte Epson auf den deutschen Markt; Anfang 2017 folgte Canon mit Festtank-Fotodruckern [3]. Die bisherigen Modelle waren trotz des hohen Preises eher kärglich ausgestattet. Zur diesjährigen IFA präsentierte Epson aber eine ganze Serie von Tintentankdruckern mit zeitgemäßer Touchscreen-Bedienung und bequemer befüllbaren Tanks. Auch Modelle für A3-Druck und Fotodruck mit Foto- und Pigmentschwarz sind darunter.

Brother hat mit der Serie InkBenefit Plus ebenfalls Tintentankdrucker, verkauft die Modelle DCP-T300, T500W und T700W bislang nur in Polen und Russland. Per Internet-Handel bekommt man sie aber auch anderswo in Europa. Die Geräte sind mit 200 bis 300 Euro vergleichsweise günstig, dafür kostet die Tinte etwas mehr; der Preis pro ISO-Farbseite liegt bei 1,5 Cent.

Tinte im Abo

HP hat keine Tintentank-Drucker im Angebot und geht stattdessen einen anderen Weg: ein „Instant Ink“ genanntes Tinten-Abo [4]. Bei Instant Ink bezahlt man keine Tintenpatronen, sondern Druckseiten. Für drei Euro im Monat gibt es 50 Seiten, für zehn Euro 300 Seiten (siehe Tabelle). Das Angebot ist interessanter, als es zunächst klingt: Die Seiten werden unabhängig vom Tintenverbrauch gezählt; es ist also egal, ob man Briefe oder A4-Fotos mit hundert Prozent Farbdeckung druckt. Die Tintenkosten pro Seite sind beim Drei-Euro-Abo mit 6 Cent für ein ISO-Dokument von einem Bürodrucker normal, für einen Fotodruck extrem günstig.

Nicht verwendete Seitenkontingente werden bis zum Monatsmaximum auf den Folgemonat übertragen – bei 50 Seiten hat man also maximal 100 Seiten, monatelang Seiten ansparen geht nicht. Druckt man mehr, zahlt man abhängig vom Abo einen Euro pro 15 bis 25 Seiten. Auch das ist günstiger, als mit einer selbst gekauften Originalpatrone zu drucken.

Das Abo startet mit speziellen XL-Patronen, die man zugeschickt bekommt und statt den selbst gekauften Patronen einsetzt. Der Drucker übermittelt die Anzahl der gedruckten Seiten an einen HP-Server – nicht deren Inhalt – und sorgt automatisch für den Versand einer Ersatzpatrone, bevor die alte leer ist. Das funktioniert nur mit (W)LAN-Modellen, die Zugang zum Internet haben. Um einen Tintenvorrat braucht man sich damit kaum noch zu kümmern. Setzt man – falls wegen eines ungewohnten Großdruckauftrags HPs Nachschublieferung doch zu spät kommt – eine selbstgekaufte Patrone ein, pausiert das Abo. Auch Epson hat mit „ReadyInk“ seit Oktober einen automatischen Tintenbestellservice, allerdings ohne Abo. Man bezahlt hier die gelieferten Patronen oder – bei EcoTank-Druckern – die Tintenflaschen.

Schere im Kopf

Die verschiedenen Tintensparoptionen der Druckerhersteller helfen nicht nur den Kunden, ihr Druckbudget im Auge zu behalten. Je mehr günstige Tinte im Tank oder der Patrone ist, desto mehr wird gedruckt, weil die Sparschere im Kopf seltener zum Einsatz kommt. Das liegt auch im Interesse der Hersteller.

Die Tintentankdrucker lohnen sich nur für Nutzer, die pro Monat 200 oder mehr Seiten drucken oder öfters im Jahr Großaufträge wie Vereinszeitungen oder Rundschreiben zu Papier bringen. Wer maximal 100 Seiten pro Monat druckt, der fährt mit einem normalen Drucker und XL-Patronen besser.

Interessant ist das Instant-Ink-Abo besonders für Familiendrucker, auf denen häufig auch Fotos und großflächige Grafik (Google-Maps-Karten, Einladungen) angefertigt werden – man zahlt nur Druckseiten, nicht den tatsächlichen Tintenverbrauch. Passend dazu hat HP mit den Envy-Photo-Modellen wieder preisgünstige Heimdrucker und Multifunktionsgeräte im Programm, die für den Fotodruck optimiert sind. Einen Test der neuen HP-Fotodrucker lesen Sie in einem der folgenden Hefte. (rop@ct.de)

Literatur
  1. [1] Johannes Schuster, Leerauftrag, Neue Norm zur Reichweitenmessung bei Tintendruckern, c’t 7/07, S. 238
  2. [2] Rudolf Opitz, Druck ohne Preisdruck, Brother-Multifunktionsgerät mit günstigen Großraum-Tintenpatronen, c’t 10/16, S. 68
  3. [3] Rudolf Opitz, Flaschenkinder, Billiger drucken mit festen Tintentanks, c’t 13/17, S. 108
  4. [4] Rudolf Opitz, Eric Tierling, Tinte im Abo, HPs Tintenservice Instant Ink, c’t 4/15, S. 132

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