Vorneweg

Fedora 27 bringt endlich Active-Directory-Support

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Die neue Ausgabe der Linux-Distribution glänzt mit einem neuen Gnome-Desktop, der Ansätze zu einer Wayland-tauglichen Remote-Desktop-Lösung mitbringt. Fedora unterstützt jetzt auch zwei gängige Techniken, um die bislang Patente rankten.

Das Fedora-Projekt hat Version 27 seiner Distributionsfamilie veröffentlicht. Ihr Aushängeschild ist und bleibt die Fedora Workstation, bei der sich auch die sichtbarste Neuerung findet: eine neue Gnome-Version mit einer grundrenovierten Systemsteuerung und einer verbesserten Desktop-Suche. Die Laufwerksverwaltung kann jetzt auch die Größe von Partitionen ändern; beim ebenfalls auf Gnome 3.26 aufbauenden Ubuntu Desktop 17.10 beherrscht die Software das nicht.

Fedora liefert auch das jüngst vorgestellte Multimedia-Processing-Framework Pipewire mit. Laut seinem Entwickler soll es mittelfristig Audio-Server wie PulseAudio und JACK beerben, zugleich aber auch Anwendungen bei der Video-Ausgabe unterstützen. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, denn bislang kommt Pipewire nur für einen neuen Ansatz zur Fernsteuerung des Gnome-Desktops zum Einsatz. Im Unterschied zur bisherigen Remote-Desktop-Funktion soll sie auch funktionieren, wenn Gnome auf dem fernzusteuernden Rechner im Wayland-Modus läuft. Das Ganze ist aber noch hochexperimentell, standardmäßig inaktiv und funktionierte bei einem Kurzversuch nicht.

Active Directory

Das Fedora beiliegende Samba eignet sich nun zum Aufsetzen eines Active Directory (AD). Ähnlich wie bei Suse Linux Enterprise oder Red Hat Enterprise Linux blieb der AD-Server-Support bei Fedora bislang außen vor, weil er eine Samba-eigene Kerberos-Implementierung nutzte. Damit ist mit Samba 4.7 jetzt Schluss, denn das kann AD-Dienste auch mithilfe von MIT Kerberos realisieren, das die erwähnten Distributionen bevorzugen. Mittelfristig dürften daher auch die anderen den AD-Support in Samba anknipsen.

Fedora versucht, die Lebensdauer und Performance von SSDs zu steigern, indem es den Discard-Support nun selbst bei Partitionen aktiviert, die bei der Installation verschlüsselt wurden. Der OpenSSH-Client unterstützt indes SSH-1 nicht mehr, das schon länger als veraltet gilt.

Unterbau

Ein kaum verändertes Linux 4.13 dient als Kernel. Das kürzlich erschienene Linux 4.14 soll in den nächsten Wochen folgen: Im Unterschied zu anderen Mainstream-Distributionen macht der Kernel bei der Systemaktualisierung von Fedora immer mal wieder größere Versionssprünge.

Die 3D-Treiber stammen von Mesa 17.2 und beherrschen erstmals die Textur-Kompression mit S3TC. Bislang mussten Fedora-Anwender den Support für diese von vielen Spielen benötigte Technik manuell nachinstallieren, weil sie bis vor Kurzem durch Patente geschützt war. Auch die Wiedergabe von per AAC (Advanced Audio Coding) komprimierten Audio-Dateien ist einfacher geworden: Fedora hat Support für gängige AAC-Formatvarianten integriert, nachdem der Patentschutz für einige bei AAC verwendetete Techniken jüngst abgelaufen ist. Den Support für andere gängige Audio- und Video-Codecs muss man bei Fedora aber nach wie vor anderswoher nachinstallieren, was mehr Know-how erfordert als bei Ubuntu. Das Gleiche gilt für die proprietären Grafiktreiber von Nvidia, die dem aus Open-Source-Software bestehenden Fedora wie eh und je fehlen.

Das im Spätsommer vorgestellte Java 9 liegt bei, ist aber nicht Standard-Java, weil es als Technical Preview gilt. Auch an anderer Stelle ist die Distribution auf einem aktuellen Stand und bringt etwa LibreOffice 5.4 und Firefox 57 mit. KDE-Fans müssen sich beim Fedora „KDE Spin“ allerdings noch mit Plasma 5.10 als Bedienoberfläche begnügen. Die in der Endphase der Fedora-27-Entwicklung erschienene Version 5.11 dürfte bald über die Systemaktualisierung folgen, wie es bei Fedora normal ist. Ähnlich verhält es sich bei der Distributionsvariante mit Cinnamon: Über Updates erhält diese bereits Version 3.6 des Desktops, die in Linux Mint erst in Kürze mit 18.3 einfließt.

32-Bit-UEFI hochhelfen

Fedora ist die erste Mainstream-Distribution, bei der die x86-64-Images auch per UEFI auf Systemen booten, die trotz eines 64-Bit-Prozessors eine 32-Bit-UEFI-Firmware einsetzen. In diese Klasse fallen vor allem einige Tablets und HDMI-Stick-PCs aus den letzten Jahren, die Intels Bay- oder Cherry-Trail-Prozessoren mit einem 32-Bit-Windows kombinieren.

Dank einiger Verbesserungen am Support für die auch als Aarch64 bekannte 64-Bit-ARM-Architektur soll sich Fedora jetzt besser für Single-Board-Computer wie Raspberry Pi 3, Dragonboard 410c und Pine64 eignen.

Fazit

Das neue Fedora bringt wieder viele Neuerungen, aber weniger als bei Fedora gewohnt. Der S3TC- und AAC-Support beseitigt einige Eigenarten, durch die es Fedora seinen Nutzern bislang schwerer machte als etwa Ubuntu. Einige Marotten hat Fedora aber nach wie vor. Für Linux-Neulinge eignet sich die Distribution daher nicht besonders. Vielmehr richtet sie sich an technisch interessierte und etwas versiertere Anwender, die eine gut vorkonfigurierte und abgestimmte Distribution mit umfangreicher und topaktueller Ausstattung suchen. (thl@ct.de)

Hauptneuerung lässt auf sich warten

Die wohl bedeutendste Änderung von Fedora 27 fehlt noch: die Server Edition der Distributionsfamilie. Diese will das Projekt Anfang 2018 nachreichen. Sie entsteht mithilfe der neuen Bauweise aus „Modulen“, die RPM-Pakete zu größeren Funktionsblöcken bündeln. Dabei steckt etwa das Basissystem in einem Modul, der ganze Python-Stack in einem anderen und der Apache Webserver in einem weiteren. Diese Module will das Fedora-Projekt unabhängig vom normalen Release-Zyklus seiner Distribution pflegen. Außerdem sollen sich die Module kombinieren lassen, wie der Nutzer es gerade braucht.

Ziel des Ganzen: mehr Flexibilität. Anwender sollen beispielsweise früher auf einen neuen Python-Stack wechseln können, wenn sie diesen auf einem Server oder in einem Container-Image unbedingt benötigen. Ein Modul mit einer neuen Python-Generation kann das Fedora-Projekt nämlich freigeben, sobald diese erschienen ist. Bislang erhalten Anwender ein neues Major-Release manchmal erst Monate später im Rahmen einer neuen Fedora-Version. Dabei bekommen sie zugleich auch ein neues Basissystem oder einen neuen Webserver, obwohl sie das vielleicht gar nicht wollen.

Red Hat, die treibende Kraft hinter Fedora, steckt viel Energie in diesen Ansatz, der tiefer greift als der Modul-Ansatz von Suse Enterprise Linux. Vieles deutet darauf hin, dass die nächste Generation von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) die Modulbauweise von Fedora übernehmen wird.

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Kapitel
  1. Active Directory
  2. Unterbau
  3. 32-Bit-UEFI hochhelfen
  4. Fazit
  5. Hauptneuerung lässt auf sich warten
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