Taschentester

Test & Kaufberatung | Kurztest

Kompakte Testgeräte, die LAN-Ports tiefgehend elektrisch und logisch prüfen, können sich bisher nur Firmen leisten. Pockethernet soll auch für Nebenbei-Admins erschwinglich sein.

Mit LAN-Testern können Admins Netzwerkproblemen auf Layer 1 (elektrische, optische oder Funkübertragung) bis Layer 3 (Daten auf der IP-Schicht) auf den Grund gehen. Ähnlich wie Digitalmultimeter für Elektroniker laufen solche Tester autonom per Akku und haben einen farbigen Touchscreen zur Bedienung. Aber sie sind mit Preisen ab 1000 Euro nur etwas für größere Unternehmen.

Das per Crowdfunding entwickelte Pockethernet will mit seinem Preis von 200 Euro auch Admins in kleinen Firmen ansprechen. Es prüft nur elektrisches Ethernet mit 10, 100 und 1000 MBit/s und verzichtet auf einen eigenen Touchscreen. Als Ersatz dient ein Smartphone, mit dem das Gerät per Bluetooth Low Energy (BLE) Kontakt aufnimmt. Die zugehörige App gibt es für iOS (ab iPhone 4S/iPod Touch v5) und Android (ab 4.3).

Wie die großen Brüder testet Pockethernet, ob ein Port aktiv ist, also ein Ethernet-Signal anliegt. Dabei kann es auch checken, ob Energie per Power-over-Ethernet bereitsteht, ein Switch auf Managementanfragen antwortet (CDP, LLDP), ein DHCP-Server Adressen ausgibt, interne Hosts erreichbar sind und ein Router eine Internetverbindung bereitstellt. Für die letzten beiden Funktionen kann man drei Ping-Ziele vorgeben. Größtes Manko, das uns bis hierher auffiel: IPv6 versteht das Gerät aktuell nicht.

Falls die Tests auf höheren Ebenen fehlschlagen, überprüft man mit dem mitgelieferten Wiremap/Loopback-Adapter, ob die Verkabelung in Ordnung ist. Pockethernet erkennt Unterbrechungen und Kurzschlüsse zwischen Adern. Es kann dabei dank kalibrierbarer Laufzeitmessung (TDR) sogar die ungefähre Entfernung der Fehlerstelle vom Anschlusspunkt ermitteln. Der Hersteller spezifiziert die Genauigkeit mit ±2 m oder 5 Prozent, je nachdem, was größer ist. In unseren Versuchen mit bis zu 90 m Kabelstrecke lag das Gerät nie mehr als zwei Meter daneben.

Im Loopback-Modus lässt sich testen, wie hoch die Bitfehlerrate (BER) auf der Leitung ist. Das reicht für eine grundlegende Analyse, aber natürlich nicht für Abnahmemessungen an Installationen strukturierter Verkabelung, wo weitere elektrische Parameter (Dämpfung, NEXT, FEXT, etc.) dokumentiert werden müssen.

Beim Auffinden von Ports am Switch hilft die Blinker-Funktion. Außerdem legt Pockethernet bei Bedarf Töne einstellbarer Frequenz auf ein wählbares Aderpaar, die man mit einer separat zu beschaffenden Probe am anderen Ende identifiziert.

Die Testergebnisse lassen sich als PDF-Reports speichern, auf Wunsch mit einem Foto von der Smartphone-Kamera. Der per USB aufladbare Akku liefert laut Hersteller Energie für rund 8 Stunden. Unsere kurzen Tests stellten für ihn kein Problem dar; Pockethernet legte sich bei Nichtbenutzung nach einigen Minuten schlafen. Die Status-LED – eine fürs Gerät, vier für die Aderpaare – leuchteten sehr hell; als Notfall-Taschenlampe kann das Gerät auch dienen.

Unterm Strich bekommt man einen nützlichen Tester mit gutem Funktionsumfang und eingängiger Bedienung über das gewohnte Smartphone. Nur eine Statusanzeige zu IPv6 im LAN wünschen wir uns noch. Die kommt laut Hersteller bald per Firmware-Update. (ea@ct.de)

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