Editorial: Dumm gelaufen

@ctmagazin | Editorial

Same Procedure ... Wikileaks veröffentlicht unter dem Schlagwort "Vault 7" Informationen über die Arbeitsweise der CIA und die Welt ist in Aufruhr. Die einen sind empört: "Das dürfen die doch nicht machen!" Die anderen noch empörter: "So können wir nicht arbeiten!" Der Rest ist einfach nur schadenfroh. Dabei ist eigentlich gar nichts Überraschendes passiert, egal, wie man es dreht und wendet. Und alle drei Fraktionen sind im Unrecht.

Erstens: Ja, es wird spioniert. Ach nee - das zweitälteste Gewerbe der Welt ist tatsächlich nicht ausgestorben. Und wir wissen jetzt, dass die CIA im Neuland angekommen ist. Big Deal. Früher haben sie Schlösser geknackt, um irgendwo einzubrechen, um dann Dokumente zu fotografieren. Abgehört haben sie mit Richtmikrofonen oder Wanzen.

Das hat ihnen auch niemand verboten. Natürlich nicht. Wie kann man also überrascht sein, dass die Spione von heute auch Methoden von heute verwenden? Telefone und Server hacken ist kein Skandal, sondern deren Kernaufgabe. Lauschende Fernseher sind eine logische Folge, über die sich niemand wundern darf, der seine Bude mit vernetzter Elektronik mit Mikrofon und Kamera zupflastert. Sorgen sollte man sich erst machen, wenn die Geheimdienste nicht in der Lage wären, solche Quellen anzuzapfen. Denn dann könnte man die Läden auch gleich zumachen. Wer den Nachrichtendiensten untersagen möchte, so zu arbeiten, der glaubt vielleicht auch, dass der nächste Weltrekord über 100 Meter sackhüpfenderweise aufgestellt wird.

Zweitens und drittens: Ja, die verwendeten Hacks sind jetzt aus Pandoras Büchse entfleucht. Das ist verdammt ärgerlich, weil sich jeder Depp aus diesem Fundus an Einbruchswerkzeugen bedienen kann. Aber überraschen darf das auch nicht, erst recht nicht die Datenschützer: Sie predigen ja schließlich - völlig zu Recht! - selbst: Was gespeichert wird, wird auch geleakt und missbraucht.

Es ist also wirklich nichts passiert, was einen Aufschrei wert wäre. Spione sollen spionieren, und dabei waren sie noch nie ernsthaft an Gesetze gebunden. Die einzige Sorge, die mich umtreibt: Glaubt irgendjemand, dass Hans-Georg Maaßen und Thomas de Maizière dieser Versuchung widerstehen können?

Ingo T. Storm Ingo T. Storm

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