Scharf, aber schmierig

VR-Brille Pimax 4K im Test

Test & Kaufberatung | Test

Der chinesische Hersteller Pimax bietet ein Virtual-Reality-Headset mit einer dreifach höheren Auflösung an als die Konkurrenz – zum halben Preis. Wo ist der Haken?

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Die chinesische Virtual-Reality-Brille Pimax 4K bietet pro Auge eine Auflösung von 1920 × 2160 Pixel; wogegen die aktuellen Top-Geräte Oculus Rift und HTC Vive lediglich 1080 × 1200 zeigen – also insgesamt weniger als ein Drittel der Bildpunkte. Obendrein kostet die Pimax-Brille, inklusive integrierter Kopfhörer, nur 350 Euro, für Rift und Vive muss man deutlich mehr auf den Tisch legen.

Kein Wunder also, dass uns mehrere Leser auf die augenscheinliche Super-Brille aufmerksam gemacht haben. Bereits vor einigen Wochen wollten wir das Headset testen, nur leider bekamen wir das erste Testgerät nicht zum Laufen, was entweder an der Hardware oder an der Treiber-Software lag. Mit einem zweiten Testgerät (und Treiberversion 1.2.53) versuchten wir abermals unser Glück. Schon der Weg zum Treiber ist steinig: Dieser liegt nämlich nicht auf der Hersteller-Website, sondern beim tendenziell anrüchigen Filehoster Mega. Der Treiber-Installer grüßt zuerst komplett in Mandarin, lässt sich aber auf Englisch umstellen.

Wie die Pimax-Brille funktioniert, deutet ein Treiber-Popup an: Da heißt es nämlich, dass gerade eine „Rift“ installiert wird. Tatsächlich wurde unser erstes, defektes Test-Headset vom offiziellen Oculus–Treiber als Rift erkannt – man könnte also durchaus auf die Idee kommen, dass Pimax womöglich Reverse-Engineering betreibt.

Befriedigender Senf

Der Pimax-Launcher erkennt, ob Oculus-Home-Software auf dem System installiert ist. Wenn ja, bindet er alle Oculus-Titel in die eigene Oberfläche ein. Im Test ließen sich auch alle Titel starten – in der Praxis funktionierten aber nur diejenigen, die sich mit Maus, Tastatur oder Gamepad steuern lassen; Hand-Controller bietet Pimax nicht. Obendrein kann man auch Vive- beziehungsweise OpenVR-Titel über die Steam-Oberfläche starten. Auch hier funktionierten nur diejenigen Programme, die ohne Hand-Controller auskommen.

Als dritte Software-Quelle bietet der Launcher „eigene“ Titel an: Unter dem „Pimax“-Reiter verbergen sich primär alte, für die zweite Rift-Entwicklerversion DK2 entwickelte kostenlose Demos – allerdings unter abgewandelten Namen. Das hübsche „Neos: The Universe“ heißt bei Pimax beispielsweise „Satisfied Sumeru in mustard“.

Das Pimax-Headset verzichtet auf jegliches Positions-Tracking – obwohl das bei PC-VR-Brillen seit der DK2 zum Standard gehört. Die 4K-Brille registriert lediglich Drehung und Neigung des Kopfes. Das Mittendrin-Gefühl bleibt dabei auf der Strecke. Bei Elite Dangerous kann man sich beispielsweise nach vorne beugen, um Cockpit-Instrumente besser zu erkennen – mit Pimax klebt man an einer Position fest.

Das größte Problem ist allerdings das Display: Statt auf ein schnelles OLED setzt Pimax auf ein träges LC-Display. Und das merkt man deutlich: Jede Kopfbewegung hinterlässt Schlieren. Da nützt es auch nichts, dass der hochauflösende Bildschirm tatsächlich (bei ruhigen Bildern) für eine schärfere Darstellung sorgt. Anders als bei Rift und Vive ist tatsächlich fast keine Pixelstruktur mehr zu erkennen – obwohl die Pimax intern nicht mit einem nativen 4K-Signal arbeitet, sondern hochskaliert.

Das scharfe Bild bringt auch deshalb nicht viel, weil das Headset in allen anderen Belangen deutlich schlechter abschneidet als die Konkurrenz. Noch schlimmer als die schlierigen Bewegungen wiegen das fehlende Positionstracking und der Mangel an Bewegungscontrollern. Wer ordentliches VR will, ist mit einer gebrauchten DK2 besser bedient. (jkj@ct.de)

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