New Age

@ctmagazin | Story

Illustration: Albert Hulm, Berlin

Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Internetkonzerne wie NickNack dringen in alle Lebensbereiche vor und versprechen Hilfe und Betreuung. Auch auf meinem Couchtisch blinkt seit Weihnachten so eine pseudointelligente NiNaPod-Lautsprecherbox vor sich hin, ein Geschenk meiner Mutter. Natürlich sage ich in meiner Wohnung nichts, was den Big-Data-Profiteuren von Nutzen wäre. Ich brauche keine digitale Assistenz. Ich bin der alleinige Herr meines Lebens, und ich bin damit zufrieden.

Wenn nur diese Käse-Lieferungen an meinen Kühlschrank nicht wären. Ich mag keinen Käse. Falls die Analyse meiner Armbanduhr – übrigens auch von meiner Mutter – stimmt, habe ich sogar eine Laktoseintoleranz. Trotzdem wird mein Kühlschrank seit einer Woche ständig mit Käse befüllt. Ich kann das Zeug gar nicht so schnell hinausschaffen, wie die nächste Lieferdrohne anschwirrt und neue Packungen in die Verteilerbox außen an der Hauswand stopft. Es ist zum Verrücktwerden: Ich stehe am Fenster, sehe das Ding kommen und kann nichts tun. Nichts. Der Hausverwalter behauptet, was mein Kühlschrank bestellt, sei meine Sache. Mein Kühlschrank! Nein, kein Geschenk meiner Mutter, sondern ein letzter Kauf im „Für uns“-Shop meines früheren Arbeitgebers. Das war vor einem halben Jahr, ich hatte gerade den Aufhebungsvertrag unterschrieben und dachte, wenn ich schon nicht mehr in die Firmenkantine gehen darf, leiste ich mir wenigstens so eine automatische Küche. Ich meine, wozu ist die Abfindung sonst gut, wenn sie einem nicht hilft, den Lebensstandard zu halten? ...

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c't 10/2018, Seite 186 (ca. 4.5 redaktionelle Seiten)
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