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Wunder-Koffer Travelmate auf Abwegen

Wissen | Hintergrund

Bild: Travelmate

Einen autonom fahrenden Koffer versprach das Start-up Travelmate 2016, liefert aber bis heute nicht. Bei der Crowdfunding-Plattform Indiegogo beißen die Kunden mit Rückforderungen auf Granit.

Ein Koffer, der einem überallhin folgt, solche Ideen brauchen Geld, um vom Reißbrett in die Umsetzung zu gelangen. Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo treiben über eine Art Vorverkauf fehlendes Kapital von Kunden auf.

Wer als sogenannter Backer ein Produkt vorfinanziert, weiß, dass Verzögerungen an der Tagesordnung sind und dass auch Totalausfälle vorkommen. Die Crowdfunding-Plattformen versichern, dass sie faule Kampagnen aus dem Verkehr ziehen und dafür sorgen, dass ihre Backer ihr Geld zurückbekommen. Nur: Genau das klappt nicht im Fall des Wunderkoffers Travelmate.

Mummenschanz, Medien und Moneten

Eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne ist eine Sache des Marketings. Denn das Produkt selbst gibt es ja noch nicht. Das versprochene Gadget muss aus der Masse herausragen und gleichzeitig muss die Kampagne so viel Vertrauen erwecken, dass Backer nicht daran zweifeln, dass sie das Produkt tatsächlich bekommen können. Schöne Bilder sind also wichtig.

So wie beim Travelmate-Koffer. Als die Firma im Herbst 2016 ihre Indiegogo-Kampagne startete, präsentierten sie professionelle Image-Videos eines schicken Koffers mit Motorantrieb, der Reisenden automatisch folgen sollte. Er wiegt sich selbst, hat flugsicherheitstaugliche Akkus, lädt Smartphones und öffnet sich per Fingerabdrucksensor.

Trotzdem brachte die erste Kampagne nur einen Bruchteil der angepeilten 100.000 Dollar zusammen. Erst die Neuauflage schaffte es. Plötzlich wimmelte es vor positiven Meldungen: Der US-Fernsehsender CNN berichtete genauso wie die Today Show bei NBC. Indiegogo erhob das Projekt zum „Staff pick“, was neue Kunden brachte. Einen Schönheitsfehler gab es aber: Kein Journalist hatte den Travelmate bis dato tatsächlich gesehen – sie stützten sich ausschließlich auf Pressemitteilungen und Image-Videos von Travelmate. Der Firma brachten die Berichte viele neue Unterstützer. ...

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c't 10/2018, Seite 168 (ca. 4 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Mummenschanz, Medien und Moneten
  2. Gadget für Millennials
  3. Fantasievolle Ausreden
  4. Kritik wird lauter
  5. Wütende Käufer, desinteressierte Plattform
  6. Fazit
  7. Kampagnen durchleuchten
  8. Faule Kampagnen

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