Hörsturz

@ctmagazin | Story

Illustration: Jan Bintakies, Hannover

Dirk Berger öffnete die Tür und ging hinaus auf die Terrasse. Eine Amsel gab ihren Reviergesang zum Besten. Ihre Stimme war laut, aber sie störte ihn nicht, ebenso wenig wie das Schnattern der Enten im nahe gelegenen Park und andere natürliche Geräusche. Das gleichmäßige Rauschen, das von der fernen Autobahn herüberdrang, war dagegen nicht naturgegeben. Aber irgendwie ähnelte es dem Blätterrauschen im Wind. Jedenfalls war es ihm mit den Jahren gelungen, sich das einzubilden. Er hatte weitere Mechanismen entwickelt, um sich vor dem allgegenwärtigen Lärm zu schützen.

***

Noch heute lief ihm ein Schauer über den Rücken, wenn er an die quietschenden Töne dachte, die Kreide auf einer Tafel verursachte. Als Kind hatte er sich in solchen Fällen die Finger in beide Ohren gesteckt. Einmal war er sogar während des Physikunterrichts aus dem Klassenzimmer gerannt. Fortan hatten sich seine Mitschüler einen Spaß daraus gemacht, möglichst laute und schrille Geräusche zu erzeugen, nur um ihn zu provozieren. Doch irgendwann war er auf die Idee gekommen, die Kreide vor Unterrichtsbeginn zu halbieren oder gar zu vierteln. Kurze Stücke quietschten nämlich nicht. Das hatte er durch entsprechende Versuche herausgefunden. ...

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Hörsturz

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c't 13/2018, Seite 190 (ca. 3 redaktionelle Seiten)
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