Editorial: Virenscan abgeschlossen

@ctmagazin | Editorial

Als ich in den Neunzigerjahren meinen ersten neuen PC im Elektronikfachmarkt meines Vertrauens kaufte, verstand der Verkäufer sein Handwerk: Neben dem grauen Towergehäuse konnte er mir auch noch diverses Zubehör schmackhaft machen. Darunter Software in aufwendig gestalteten Pappschachteln wie McAfee VirusScan für Windows 95. Wenn ich mit Disketten von Freunden hantierte oder in diesem Internet surfte, fühlte ich mich damit einigermaßen sicher. Für dieses Gefühl zahlte ich gern ein paar D-Mark. Ein Windows-PC mit Internetverbindung war damals schließlich ein Security-Albtraum: Das Betriebssystem hatte Schädlingen kaum etwas entgegenzusetzen - um den Virenschutz hat man sich selbst gekümmert oder es gab einfach keinen.

Seitdem sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen. Der PC von damals ist längst verschrottet und den Namen McAfee verbindet man inzwischen eher mit absurden Schlagzeilen als mit Antivirensoftware. Wieder stehe ich in einem Fachgeschäft, dieses Mal um das online bestellte Notebook abzuholen. Wieder versucht mir das Verkaufspersonal ein Virenschutzprogramm anzudrehen. Doch dieses Mal lehne ich dankend ab.

Denn in der Zwischenzeit hat sich einiges getan: Einerseits gibt es mittlerweile gute kostenlose, werbefinanzierte Virenjäger und andererseits lässt Microsoft seine Windows-Nutzer schon lange nicht mehr im Regen stehen: Im Jahr 2009 bot das Unternehmen mit den Microsoft Security Essentials (MSE) erstmals einen eigenen Virenwächter an - kostenlos, werbefrei und unaufdringlich. Drei Jahre später wurde das Programm als Windows Defender zum festen Bestandteil des Betriebssystems. Zu diesem Zeitpunkt bot Defender lediglich einen Basisschutz mit mäßigen Erkennungsraten.

Inzwischen sind wir bei Windows 10 angelangt und der Defender hat mächtig aufgeholt: In aktuellen Testreihen der Prüfinstitute AV-Test und AV Comparatives schließt der Defender zu Drittanbieter-Produkten auf (mehr dazu ab Seite 72). Darüber hinaus hat Microsoft diverse Security-Mechanismen wie den Ransomware- und den Exploit-Schutz eingebaut. Nur herumgesprochen hat sich das noch nicht; Virenschutzprogramme im Jahresabo verkaufen sich wie geschnitten Brot. Dabei sind die Zeiten, in denen man die Sicherheit seines Rechners teuer erkaufen musste, längst vorbei.

Ronald Eikenberg Ronald Eikenberg

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