Editorial: Die Digitalisierung der Schule ist eine Großbaustelle

@ctmagazin | Editorial

In der aktuellen Diskussion um ein Handyverbot im Klassenzimmer (siehe c't 21/2018, S. 70) hat jeder sofort eine feste Meinung. Schade! Denn darüber, was da genau an den Schulen passiert - mit den von Schülern mitgebrachten oder in der Schule vorhandenen Geräten -, müsste viel mehr nachgedacht, diskutiert und geforscht werden.

Dass Schüler ihr eigenes Smartphone im Geografieunterricht zur Recherche über Bodenschätze nutzen, ist doch wohl besser, als eine veraltete Karte zu betrachten? Klar - aber ist es fair, wenn Marie dazu das neueste iPhone aus der Tasche zieht und Paul das abgelegte Handy vom großen Bruder? Muss nicht die Schule einen Klassensatz geeigneter Tablets vorhalten, ohne WhatsApp darauf, das eben doch spannender ist als die Rohstoffe Zentralafrikas? Klar - aber was, wenn das Schul-WLAN gar nicht stabil genug ist für deren Einsatz?

Medienbildung und informatische Grundbildung für alle kann nur gelingen, wenn viele Voraussetzungen erfüllt sind. Es braucht sinnvolle Unterrichtskonzepte und der IT gegenüber aufgeschlossene, gut geschulte Lehrer. Es braucht aber auch eine sichere Schul-Cloud, ein leistungsfähiges WLAN und Systembetreuer, die beides auf dem aktuellen Stand halten.

Das alles endlich ernsthaft anzugehen wäre ein gewaltiger Kraftakt. Dass er gelingen kann, wenn es politisch wirklich gewollt ist, zeigt das Beispiel Großbritannien: "Computing at School", kurz CAS, heißt ein im Herbst 2013 gestartetes Projekt, das allen britischen Schülern Zugang zu einer zeitgemäßen IT-Ausbildung verschaffen soll.

Und hierzulande? Was ist eigentlich aus den fünf Milliarden Euro für den "Digitalpakt" mit den Schulen geworden, die die damalige Bildungsministerin Johanna Wanka im Sommer 2017 versprach? Die rund 40.000 Schulen in Deutschland sollten von diesem Geld mit digitalen Endgeräten, WLAN und Schul-Cloud ausgestattet werden. Es gab ein halbes Jahr lang vollmundige Versprechungen und anschließend ... nichts. Darüber muss gesprochen werden - die Frage der Handys im Unterricht ist da vergleichsweise fast schon nebensächlich.

Dorothee Wiegand Dorothee Wiegand

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