Aller guten Dinge sind drei?

Die Smartphones Google Pixel 3 und Pixel 3 XL im Test

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Googles Handys sind Garant für exklusive Android-Features sowie häufige Updates über drei Jahre. Wir haben getestet, ob die neue Generation dem High-End-Anspruch gerecht wird.

Googles Pixel-Telefone stehen für teure High-End-Geräte. Einen leichten Stand hatten sie nie, denn ihnen fehlte schlicht das gewisse Etwas, um sich von der Konkurrenz abzusetzen.

Bei Design und Ausstattung ist Google seiner Linie auch in der dritten Generation treu geblieben: Der Fingerabdrucksensor findet sich weiterhin auf der Rückseite, die im oberen Viertel mit Glas überzogen ist. Bei ausgeschaltetem Display sieht man auf den ersten Blick keinen Unterschied zu den bisherigen Pixel-Phones. Sah vor allem der 1,5 cm breite obere und untere Display-Rahmen des Pixel 2 XL altbacken aus, will Google es nun besser machen. Geblieben sind am unteren Rand 10 mm und oben 2 mm – doch hier prangt eine wuchtige Einkerbung (Notch) in der Mitte, die man in dieser Größe eher bei Telefonen des vergangenen Jahres findet. Beim kleinen Modell ist der Rahmen auf 9 Millimeter geschrumpft, auf eine Einkerbung wurde verzichtet. Das kleine Pixel 3 wirkt optisch also nicht so modern wie die Konkurrenz.

Technisch unterscheiden sich die 3er-Pixel nur in der Größe von Gehäuse und Display sowie der Akkukapazität. Die übrige Hard- und Software ist identisch. So hat die kleine Variante ein 5,5-Zoll-Display (OLED, 2160 × 1080 Bildpunkte) und die XL-Version eins mit 6,3 Zoll (OLED, 2960 × 1440 Bildpunkte).

Die maximale Helligkeit des XL beträgt 390 cd/m2, womit sich das von Samsung gefertigte Display zwar unter Sonnenlicht ablesen lässt, aber deutlich hinter der Konkurrenz bleibt. Das kleine Pixel 3 bringt es zwar auf 450 cd/m2, was aber ebenfalls nur Mittelmaß darstellt. Bei beiden sorgt das OLED-typische satte Schwarz für einen enormen Kontrast und einen knackigen Bildeindruck, der von den sehr satten Farben unterstützt wird, die die Pixel 3 zu natürlich anmutenden Fotos und Videos mischen. Wer die Farbsättigung als zu kräftig empfindet, stellt sie im Einstellungsmenü von „maximal“ auf „neutral“ um.

Beim Farbraum liegen beide Modelle etwa gleichauf mit anderen Oberklasse-Telefonen mit OLED-Display und decken den AdobeRGB-Farbraum nahezu vollständig ab. Bei der Betrachtung von den Seiten zeigt das Pixel 3 XL auf grauen und weißen Flächen eine etwas stärkere Winkelabhängigkeit als der Vorgänger und das kleinere Modell. Neigt man es geringfügig, zeigt sich ein leichter Grünstich, aus größeren Winkeln mischt sich etwas Rosa in die Darstellung. Im Alltag nimmt man das aber nur beim Surfen oder textlastigen Apps mit weißem Hintergrund wahr.

Fokus auf Fotos

Google bewirbt die 3er-Pixel als ultimative Foto-Handys: Beide Modelle haben nun zwei Frontkameras mit jeweils 8 Megapixel. Die zweite Kamera ist für weitwinklige Selfies mit einem Sichtfeld von 97 Grad gedacht. Bei der Rückkamera ignoriert Google den Trend zu Dual-Cams und schießt Fotos mit einer einzelnen 12,2-Megapixel-Kamera mit Blende f/1,8 und optischem (OIS) und elektronischem Bildstabilisator (EIS). Google verspricht, dass sich beispielsweise ein Bokeh-Effekt bei Porträts mittels Software genauso gut realisieren lässt wie mit zwei Kameras. Das klappt wie schon bei den vorherigen Modellen tatsächlich gut – und sogar besser als bei manch anderen Geräten mit zwei Kameras.

Einen großen Anteil an der Bildqualität haben mittlerweile die Algorithmen der Kamera-App – etwa der HDR-Modus. Wir haben diverse Fotos der neuen Pixel-Smartphones mit denen anderer Top-Geräte wie dem Note 9, dem iPhone Xs Max und der vorherigen Pixel-Generation verglichen. Hier zeigte sich, dass die neuen Pixel brillante und scharfe Bilder mit einer natürlichen Anmutung aufnehmen. Bei Realmotiven lassen sie sich selbst im direkten Vergleich nicht von denen des Pixel 2 unterscheiden. Unsere Messung zeigen, dass die Kameras der Pixel 3 unter schwachem Umgebungslicht geringfügig weniger rauschen als die der 2er Pixel, sich aber der des Note 9 geschlagen geben müssen. Auch zur Fotoqualität des iPhone ließ sich ein Unterschied erkennen: Das iPhone Xs neigt im Vergleich zu kühleren und stärker aufgehellten Bildern.

Darüber hinaus spendiert Google der Kamera-App neben der Bokeh-Funktion weitere Spielereien. So fertigt die Top-Shot-Funktion Serienbilder und die KI sucht das vermeintlich beste Foto aus. Des Weiteren helfen Algorithmen, den Fokus automatisch auf bewegten Objekten zu halten und den Zoom-Bereich zu erweitern.

Hausmannskost der Oberklasse

Beide Pixel 3 haben je einen Frontlautsprecher im oberen und unteren Display-Rand, die eine ordentliche Soundqualität bieten. Eine Klinkenbuchse fehlt. Dafür gehören In-Ear-Kopfhörer mit USB-Typ-C-Anschluss und passablem Klang zum Lieferumfang. Wer eigene Kopfhörer verwenden will, greift zum USB-Klinken-Adapter, der ebenfalls mit im Karton liegt.

Der Snapdragon 845 mit 2,5 und 1,6 GHz Octa-Core-CPU sorgt dafür, dass das Pixel 3 in unseren Benchmarks zusammen mit anderen High-End-Telefonen auf den vorderen Plätzen rangiert. Auffällig war jedoch, dass sich der Snapdragon 845 im Vergleich zu vorherigen Qualcomm-Chips schneller erwärmt und somit früher den CPU-Takt drosselt. Im Alltag haben wir davon aber nicht viel bemerkt: Sämtliche Apps starten flott und die Android-Oberfläche selbst läuft butterweich – kein Ruckeln, kein Haken, keine nervigen Gedenksekunden. Beide Modelle gibt es mit 64 oder 128 GByte. Eine Erweiterung des Speichers per MicroSD-Karte ist nicht möglich.

Selbstverständlich laufen die Google Phones mit dem aktuellen Android 9 alias Pie, das ohne Bloatware-Apps ausgeliefert wird und die kommenden drei Jahre Betriebssystem-Updates erhält. Pixel-3-Telefone werden somit auch in den Genuss von Android 10 und 11 kommen – und zwar zum Veröffentlichungstermin und nicht erst Monate später. Darüber hinaus erhalten die 3er-Pixel bis Oktober 2021 monatliche Sicherheits-Patches.

Funktional unterscheidet sich Android 9 nur in Details vom Betriebssystem der vorherigen Pixel-Generation: Wieder mit an Bord sind die automatische Musikerkennung und die Active-Edge-Funktion, die auf seitliches Zusammendrücken des Smartphones den Google Assistant startet. Neu ist die derzeit noch exklusive „Flip to Shhh“-Funktion, die das Telefon stumm schaltet, solange es mit dem Display nach unten auf den Tisch gelegt wird. Die mit Android Pie eingeführte Gestensteuerung zum schnellen Aufruf der App-Übersicht und der zuletzt genutzten Apps lässt sich anders als bei Pixel-2-Telefonen nicht mehr deaktivieren.

Abgesehen von Funktionen, die spezielle Hardware voraussetzen, wie etwa die Weitwinkel-Selfies, gehen wir davon aus, dass die Neuerungen der Kamera-App und des Betriebssystems mit kommenden Updates auch für ältere Pixel-Phones verfügbar sein werden.

Die Akku-Kapazität von 3430 mAh verhilft dem Pixel 3 XL zu einer langen Laufzeit. Während der Videowiedergabe mit einer Display-Helligkeit von 200 cd/m2 hielt es rund 13 Stunden durch und liegt damit auf dem Niveau des Vorgängers und des iPhone Xs Max, aber leicht hinter dem OnePlus 6 und dem Huawei P20 Pro. Deutlich muss es sich von den 17 Stunden Videolaufzeit des Samsung Note 9 geschlagen geben.

Das kleinere Modell schafft mit seinem ebenfalls fest eingebautem 2915-mAh-Akku etwas über 10 Stunden.

Geladen werden die Google-Phones über USB-Typ-C. Zusätzlich kehrt das drahtlose Laden zurück – wie seinerzeit beim Nexus 5 und Nexus 6 nach dem Qi-Standard. So ist man nicht zwingend auf die als Zubehör erhältliche Ladeschale Pixel Stand angewiesen.

Der Wasserschutzgrad hat sich leicht verändert: Die 3er-Pixel halten eine halbe Stunde in mehr als einen halben Meter tiefem Wasser durch (IP68), beim Vorgänger hieß es noch bis zu einem halben Meter (IP67).

Fazit

Die Pixel-Telefone der dritten Generation haben eine Top-Ausstattung, eine sehr gute Kamera und garantieren für drei Jahre ein aktuelles und unverbasteltes Android-System. Doch revolutionäre Neuerungen finden sich nicht. Wer bereit ist, Abstriche bei der Geschwindigkeit und der Fotoqualität zu machen, kann stattdessen ein Auge auf Android-One-Smartphones anderer Hersteller werfen, die ebenfalls mit „Vanilla“-Android daherkommen. Wer mehr Wert auf leistungsstarke Hardware legt, greift zu High-End-Geräten anderer Hersteller, muss aber länger auf Updates warten.

Die größte Konkurrenz für das Pixel 3 (XL) dürfte mit den Pixel-2-Phones aus eigenem Haus kommen. Sie schießen vergleichbare Fotos, laufen nach einem Jahr immer noch sehr flott, werden noch zwei Jahre mit Updates versorgt und sind deutlich günstiger zu haben. Selbst Besitzer eines Pixel der ersten Generation dürften immer noch so zufrieden sein, dass das drahtlose Laden und der bessere Schutz vor Wasserschäden wohl keine drängenden Argumente für einen Neukauf sind. (spo@ct.de)

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