Entscheidung für Closed Source

Behörden ignorieren Sicherheitsbedenken bei Windows 10

Wissen | Hintergrund

Bund, Länder und Kommunen kaufen Betriebssysteme und Büroanwendungen mehrheitlich bei Microsoft. c’t-Recherchen zeigen, dass Behörden dabei Sicherheitsbedenken ignorieren und bei Nachfragen mauern.

Während die Stadt München von ihrem Open-Source-System LiMux zurück auf Microsoft wechselt, geht Schleswig-Holstein den umgekehrten Weg. Bei den Verhandlungen zur Kieler Jamaika-Koalition setzten die Grünen Ausschreibungsbedingungen durch, nach denen Open-Source-Software „vordringlich“ zum Einsatz kommt, „um Abhängigkeiten von einzelnen Softwareanbietern so weit wie möglich zu reduzieren“. Die Parteien hielten im Koalitionsvertrag fest, dass „offene Schnittstellen, Standards und Software die Verbrauchersouveränität erhöhen“ – und damit auch die IT-Sicherheit. Das langfristiges Ziel sei eine „vollständige Ablösung“.

Schleswig-Holstein will damit ganz bewusst der „enormen Marktmacht weniger Konzerne“ wie Google und Microsoft entgegenwirken, wie der stellvertretende Ministerpräsident und frisch gekürte Parteichef der Grünen Robert Habeck sagt. Dem Lock-in der Konzerne zu entkommen, sei für Politik und Verwaltung eine schwierige Aufgabe. „Wir müssen digital autonomer werden“, fasst Habeck die Aufgabenstellung zusammen.

Spätestens seit den Enthüllungen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden ist bekannt, wie unsicher das Fundament der Informationsgesellschaft ist. Sicherheitslücken, versteckte Hintertüren und Überwachungs- und Tracking-Möglichkeiten untergraben die Autonomie der Nutzer. Transparenz gilt als Grundbedingung, um die Autonomie und damit die Verfügbarkeit von IT-Infrastrukturen abzusichern. Dazu gehört dann auch, dass der Programmcode der Systeme öffentlich ist, um jederzeit geprüft und verbessert werden zu können. Open-Source-Software ist wie jede andere Software nicht fehlerfrei, doch sie lässt jederzeit eine Überprüfung zu.

Windows und sein Office-Paket werden mittlerweile in Deutschlands Behörden als unverzichtbar wahrgenommen. Dennoch gibt es noch zahlreiche Behörden, die parallel auch Office-Software auf Open-Source-Basis einsetzen. Während der Dokumentenaustausch unter Word wenig Ärger bereitet, ist immer wieder von Anwendern zu hören, dass Präsentationen, die nicht mit PowerPoint erstellt wurden, nicht korrekt angezeigt werden können, wenn das Vorführgerät nur PowerPoint kennt. Gerade beim Führungspersonal erzeugt das großen Ärger – und erhöht die Bereitschaft, sich auf Microsoft einzulassen. Problematisch sind die schnellen Update-Zyklen, die es alternativen Anbietern erschweren, zeitnah mit kompatiblen Versionen herauszukommen. ...

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c't 05/2018, Seite 116 (ca. 4 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Geheimnisvolle Rahmenverträge
  2. Zusatzvereinbarungen
  3. Der Bundesclient
  4. Außer Kontrolle
  5. Weiterhin Lücken bei Sicherheitsanforderungen
  6. Blick über die Grenzen
  7. Milliarden Mehrkosten

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