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Wie Windows Startprobleme selber löst

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Manche Bootprobleme kuriert Windows selbst. Deshalb reicht bei einem gescheiterten Startvorgang oft ein neuer Versuch aus. Die dahintersteckenden Mechanismen lassen sich aber auch anders einsetzen.

Eine Windows-Installation kann viele Bootprobleme selbst reparieren – wobei das streng genommen so nicht stimmt, denn in Wirklichkeit erledigt das eine Art parallel installiertes Mini-Betriebssystem, welches üblicherweise gut versteckt in einer Recovery-Partition liegt. Es trägt den Namen „Windows RE“, wobei die beiden Buchstaben für „Recovery Environment“ stehen, also Wiederherstellungsumgebung. Der Trick dahinter: Der Windows-Bootloader zählt misslungene Startversuche. Scheitert das Hochfahren, merkt er sich das, versucht aber trotzdem wieder Windows zu starten, denn es könnte ja ein einfacher Stromausfall gewesen sein, bei dem gar nichts beschädigt wurde. Doch wenn der nächste Startversuch ebenfalls scheitert, startet der Bootloader statt der eigentlichen Windows-Installation eben Windows RE.

Darunter laufen wiederum automatisiert diverse Routinen ab, die nach gängigen Problemen suchen, beispielsweise des Laufwerks, des Dateisystems, des Bootmanagers, der Registry, der Systemdateien und einigem mehr. Wenn möglich, versucht RE identifizierte Probleme sofort und kommentarlos zu lösen, indem es beispielsweise den Bootloader restauriert oder das bei einem gescheiterten Upgrade-Versuch den vorherigen Zustand wiederherstellt – und erstaunlich oft gelingt das. Falls Sie wissen wollen, ob so eine automatische Reparatur bei Ihrer Windows-Installation schon mal stattgefunden hat: Nur dann finden Sie ein Protokoll in der Textdatei c:\windows\system32\logfiles\srt\srttrail.txt – sonst gibt es nicht mal den Ordner „srt“. In der Datei steht, ob schon mal automatisch beispielsweise per Chkdsk, Systemwiederherstellung oder Bootmanager-Reparatur etwas gerichtet wurde. Bei der weiteren Interpretation hilft ein deutschsprachiger Artikel in Microsofts Technet (siehe ct.de/y2ap).

Windows RE löst viele Probleme auf Knopfdruck, ohne dass man sie dafür im Detail analysieren muss. Das Nachfolgende beschreibt RE am Beispiel von Windows 10 in Version 1709 („Fall Creators Update“), die Fähigkeiten sind aber im Wesentlichen bei allen aktuellen Windows-Versionen identisch – die Handgriffe hingegen nur oft, aber nicht immer. Wie sie für Windows 7 aussehen, haben wir vor einigen Jahren bereits beschrieben, Sie finden den Artikel mittlerweile komplett online [1].

Der Unterbau

Technisch gesehen ist Windows RE eine erweiterte Version von Windows PE („Preinstallation Environment“). Das ist jenes Mini-Betriebssystem, das auch von Windows-Installationsmedien startet und unter dem das Setup-Program die eigentliche Installation erledigt. PE und RE unterscheiden sich im Wesentlichen nur dadurch, das bei PE das Windows-Setup-Programm und bei RE die Wiederherstellungsumgebung automatisch startet. Auch unser c’t-Notfall-Windows basiert übrigens auf Windows PE [2].

Von normalen Windows-Installationen unterscheiden sich RE und PE vor allem dadurch, dass es keine Shell gibt, also (mangels Explorer) weder Desktop noch Startmenü noch Dateimanager. Daher kommt es mit wenig Arbeitsspeicher aus, 512 MByte RAM reichen. Eine Netzwerkverbindung wird normalerweise nicht hergestellt. Um den Einsatz als Produktivsystem zu verhindern, starten RE und PE zudem nach 72 Stunden Dauerbetrieb zwangsweise neu. ...

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c't 05/2018, Seite 74 (ca. 5 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Der Unterbau
  2. Erstkontakt
  3. Problembehandlung
  4. Eingabeaufforderung
  5. Abkürzung zur Firmware
  6. Starteinstellungen
  7. Abgesicherter Modus
  8. Wiederherstellungslaufwerk

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