Selbst gemachter Elektroschrott

@ctmagazin | Editorial

Die E-Schrott-Halde wächst und wächst: Weltweit waren es 2016 laut UN über 44 Millionen Tonnen, wozu wir Deutschen kräftig beitrugen. Darüber hört man viel Gejammer, doch es ändert sich nix. Wer die Umwelt schonen will, braucht aber keine schärferen Gesetze, Verbote oder Standards, sondern kann sofort selbst damit anfangen.

Diskussionen um geplante Obsoleszenz, eingebauten Verschleiß oder schlechte Reparierbarkeit gehen am Problem vorbei: Es werden zu viele neue Produkte gekauft, schlichtweg weil wir das alle wollen. Letztlich gibt es drei Gründe, weshalb man beim Shoppen den Umweltschutz hintanstellt: Es ist einem egal, man ist zu dumm, um es zu verstehen, oder man tut es trotzdem und schämt sich ein bisschen.

An dieser Haltung werden Gesetze wenig ändern. Die EU mag zwar für etwas mehr Recycling sorgen, für weniger Schadstoffe oder sparsameren Betrieb. Der Müllberg schrumpft dadurch nicht, er wird nur grün tapeziert. An das eigentliche Problem, die steigenden Verkaufszahlen, will die EU nicht heran - ganz im Gegenteil: Verbraucher sollen mehr Geld ausgeben und die Wirtschaft ankurbeln. Viele EU-Mitglieder haben finanzielle Probleme und massenhaft Arbeitslose, irgendwer muss die Schuldenberge abtragen. Wachstum ist Trumpf.

Alternativen zum Neukauf gibt es häufig: Schlichtweg verzichten, das alte Gerät aufrüsten oder reparieren, ein gebrauchtes Produkt kaufen und dessen Lebensdauer somit verlängern. Angeblich fehlende Reparaturmöglichkeiten, etwa wegen eingeklebter Smartphone-Akkus, sind oft nur Ausreden: Zählen Sie in der nächsten Großstadt mal die Handy-Repair-Shops, die solche Akkus für 30 Euro tauschen.

Ein Blick auf die zunehmende Nutzungsdauer von Desktop-PCs zeigt: Sind die Produkte erst einmal gereift und schnell genug für den Alltag, dann werden sie zwar langweiliger, aber auch länger benutzt. Doch Smartphones entwickeln sich einerseits noch schnell weiter und sind andererseits Trendprodukte. Bei Fernsehern stimulieren fein dosierte Innovatiönchen den Kaufanreiz: HD Ready, Full HD, 4K, HDR-10, HDR+, Dolby Vision, 8K. Um den Absatz anzukurbeln, werden Milliarden investiert, die nächsten Renner werden wohl Smart Home, digitale Assistenten, E-Mobilität.

Falls Sie wirklich die Natur schützen wollen, müssen Sie selbst handeln: länger nutzen, reparieren (lassen), aufrüsten, gebraucht kaufen (siehe S. 66). Dabei sparen Sie auch noch Geld! Das wiederum gibt man dann aber besser nicht für ein größeres SUV oder eine Flugreise mit zwei Tonnen Abgasemissionen aus, sondern für leckere Lebensmittel vom Biohof mit glücklichen Hühnern.

Christof Windeck Christof Windeck

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