Täuschend echt

Fotorealistische Computergrafik in Film, Kunst und Werbung

Wissen | Hintergrund

Bild: Marek Denko (marekdenko.net)

Immer mehr Filmsequenzen und Produktbilder für Kataloge sowie Webseiten entstehen im 3D-Programm. Die wenigsten Betrachter können zwischen Aufnahme und Rendering unterscheiden – so überzeugend ist Computergrafik mittlerweile. Die Designer und Filmemacher versuchen dabei, nicht zu täuschen – häufig gäbe es ohne diese Visualisierung gar kein Bild.

Bei dem oben gezeigten Bild handelt es sich nicht um ein Foto, sondern um ein vollständig in 3D-Programmen entstandenes „Computer-generated image“ (CGI). Mit der Grafik gewann der tschechische 3D-Künstler Marek Denko im November 2017 den Animago Award in der Kategorie Fotorealismus. CGI hat ein derart hohes Niveau erreicht, dass ein flüchtiger Blick kaum ausreicht, um zu entscheiden, ob man ein Foto oder ein gerendertes Bild sieht.

Denkos Bild mit dem Titel „Her Eventual Hesitation“ entstand in den Programmen 3ds Max, V-Ray und Photoshop (Making of siehe ct.de/y1nn). 3ds Max ist ein Programm für 3D-Modellierung und Animation von Autodesk, das unter anderem für Filmproduktionen und Computerspiele eingesetzt wird. Dort hat Denko den VW-Transporter samt Gepäck, Rost und Dreck minutiös modelliert, anschließend Farben sowie Texturen zugewiesen und letztlich für das richtige Licht gesorgt. Das Render-Plug-in V-Ray hat aus diesen Rohdaten das fertige Bild erzeugt. Mit dieser Software-Kombination visualisieren Agenturen Modelle als fotorealistische Bilder. Auch Film- und Spieleentwickler arbeiten damit.

Fotorealismus in der Kunst

Fotorealismus entstand als Stilrichtung in der Malerei in den späten 60er-Jahren vor allem in den USA als Gegenströmung zur abstrakten Kunst und brach mit dem Tabu, Kunst dürfe die Realität nicht eins zu eins abbilden. Die Fotorealisten mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, sie seien bloße Kopisten und würden auf Basis von Fotos nur Reproduktionen anfertigen. Gleichwohl zog und zieht der Stil ein großes Publikum an. Viele Fotorealisten spezialisieren sich. Chuck Close etwa malt gigantische Porträts, Richard Estes Schaufenster-Fronten, Ralph Goings US-amerikanische Diner, John Salt und Don Eddy Autos.

Die möglichst naturgetreue Wiedergabe von Glanzlichtern und Reflexionen mit Mitteln der Malerei fasziniert die Fotorealisten. Daher spielen Autos und Fenster, Glas und Metall eine große Rolle. Ein aktuelles Beispiel ist das 2017 entstandene Gemälde „Sleepless in Manhattan“ von Don Eddy. Eddy entwickelt und bearbeitet Raw-Fotos und erstellt aufgrund dieser Vorlage Gemälde mit einer Airbrush-Pistole in mehreren Lagen unterschiedlicher Farben. Während man Eddys Bild ansieht, dass es sich um ein Gemälde handelt, ist Denkos Bild von einem Foto nicht zu unterscheiden.

Fotos aus der Zukunft

Bei Werbung und Produktbildern ist sich der Betrachter anders als in der Malerei häufig nicht bewusst, keine Fotos zu sehen. Automobil-, Elektronik- und andere Hersteller veröffentlichen seit Jahren computergenerierte Bilder neben Fotos, ohne auf diesen Unterschied hinzuweisen. Allerdings tun sie das nicht, um zu täuschen. Vielmehr steht häufig schlicht kein Prototyp fürs Foto zur Verfügung, sehr wohl aber ein 3D-Modell in Form von CAD-Daten. So landet der HiFi-Verstärker im Katalog, lange bevor das erste Produkt vom Band gerollt ist. Komplexe Industriemaschinen wie das im Screenshot gezeigte Weber-Gerät zur Herstellung von Endlosprofilen stehen zur Ansicht überhaupt nicht zur Verfügung, sondern werden auf Bestellung gefertigt und sofort ausgeliefert. ...

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c't 07/2018, Seite 136 (ca. 7 redaktionelle Seiten)
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Artikel-Vorschau
  1. Fotorealismus in der Kunst
  2. Fotos aus der Zukunft
  3. High-End-Grafik: digitale Autos
  4. Möbelbilder vom Fließband
  5. Stimmungsvoll eingerichtet
  6. Kostengünstige Filmsets
  7. Die letzte Grenze: der Mensch
  8. Schöne falsche Welt
  9. Eine kurze Geschichte des CGI

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