Praxis & Tipps | FAQ

Jan-Keno Janssen

Aktivitätstracker

Antworten auf die häufigsten Fragen

Echte Motivation

Bringen einen Aktivitätstracker wirklich dazu, sich mehr zu bewegen?

Unsere Erfahrungen im Kollegen- und Bekanntenkreis zeigen ziemlich deutlich: Ja, Aktivitätstracker motivieren. Häufig spielen sie bei Alltagsentscheidungen das Zünglein an der Waage: Nehme ich für zwei Stockwerke wirklich den Aufzug? Gehe ich die 900 Meter zum Mittagessen zu Fuß oder steige ich ins Auto? Entscheidet man sich für die sportliche Variante, bekommt man eine Belohnung in Form von mehr Schritten in der Tagesbilanz oder virtuellen Medaillen. Eine wichtige Rolle spielen außerdem Tagesziele, mit denen so gut wie alle Aktivitätstracker arbeiten. Dieses Ziel hat man auf dem Display täglich vor Augen; und wenn dann abends nur noch wenige Schritte oder Kalorien fehlen, macht man vielleicht doch noch einen Spaziergang um den Block. Außerdem können Aktivitätstracker spannende Einsichten bringen: Zum Beispiel, dass der Fußweg zur übernächsten U-Bahn-Haltestelle nur drei Minuten länger dauert, aber täglich ganze 2000 Schritte mehr bringt.

Mehr als Schrittzähler

Bei Aktivitätstrackern scheint sich ja alles um Schritte zu drehen. Kann man dann nicht auch einfach einen einfachen 10-Euro-Schrittzähler benutzen?

Theoretisch schon. Um aber Ihre tägliche Aktivität über einen längeren Zeitraum im Blick zu halten, müssten Sie täglich Buch führen und die Schrittzahl irgendwo aufschreiben. Aktivitätstracker erledigen das automatisch und präsentieren dazu hübsche Statistiken. Außerdem rechnen alle uns bekannten Tracker die Schrittzahl auf Wunsch automatisch in verbrannte Kalorien um. Das ginge zwar auch manuell, ist aber ziemlich umständlich. Einige Aktivitätstracker, zum Beispiel von Fitbit und Withings, haben zudem einen Höhenmesser eingebaut und können damit erfassen, wie viele Stockwerke man zu Fuß überwunden hat. Außerdem kommen immer häufiger Sensoren für Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung des Blutes zum Einsatz.

Die Technik im Tracker

Wie funktioniert die Messung in Aktivitätstrackern eigentlich technisch?

Zentrales Element in allen uns bekannten Aktivitätstrackern ist ein Beschleunigungssensor (auch Accelerometer genannt). Solche Sensoren sind inzwischen Massenware und extrem günstig herzustellen, unter anderem stecken sie in so gut wie jedem Smartphone. Während die unterschiedlichen Aktivitätstracker ganz ähnliche Hardware nutzen, gibt es deutliche Unterschiede bei den Filter-Algorithmen: So müssen Bewegungen ausgeblendet werden, die nicht vom Körper kommen, also zum Beispiel bei Zug- und Autofahrten. Aus den gefilterten Daten berechnen die Aktivitätstracker Schrittzahl oder Kalorienverbrauch. Auch wenn es theoretisch denkbar wäre: Bislang ist uns noch kein Aktivitätstracker bekannt, der Bewegungsarten (zum Beispiel Fußball, Basketball, Schwimmen, Radfahren) zuverlässig voneinander unterscheiden und dadurch unterschiedlich bewerten kann. Aktivitätstracker mit Stockwerkerkennung arbeiten mit einem digitalen Barometer, sie rechnen also Luftdruckveränderungen in Stockwerke um. Erstaunlicherweise klappt das sehr zuverlässig. Die Herzfrequenz wird mit LEDs und einem Lichtsensor ermittelt: Da Blut Licht stärker absorbiert als das umliegende Gewebe, kann der Sensor anhand des zurückgestrahlten Lichts die Pulsfrequenz ermitteln.

Handy als Tracker

Wenn alle Smartphones einen Beschleunigungssensor eingebaut haben, kann ich dann nicht gleich mein Handy als Aktivitätstracker benutzen?

Können Sie: Apps wie Moves (für Android und iOS) zählen recht genau die Schritte mit und bereiten die Daten hübsch auf. Wenn Sie allerdings Ihre komplette Tagesaktivität erfassen möchten, müssten Sie ihr Smartphone wirklich permanent in der Tasche haben – und das klappt in der Praxis meist nicht. Ein weiteres Problem ist die Privatsphäre: Tracker-Apps erfassen häufig nicht nur die datenschutztechnisch eher problemlosen Beschleunigungssensor-Daten, sondern auch den Standort.

Tracken ohne Cloud

Ich suche einen Aktivitätstracker, bei dem ich meine Daten selbst verwalten kann, statt sie dem Hersteller zur Verfügung zu stellen. Gibt es so etwas?

Uns ist leider kein einziger Aktivitätstracker ohne Cloud-Zwang bekannt. Alle Geräte schicken ihre Daten entweder beim Anschluss an den PC oder beim Verbinden mit einem Mobilgerät an die Herstellerserver. Das ist zwar komfortabel, weil man die aktuellen Statistiken jederzeit per App oder Browser abrufen kann – wir würden uns aber zumindest eine Option wünschen, die Daten nur lokal auf dem Smartphone oder PC zu speichern. Sie müssen den Tracker allerdings nicht zwangsläufig mit Rechner oder Mobilgerät synchronisieren. Bei Geräten mit Display könnten Sie stattdessen abends einfach die angefallenen Daten irgendwo notieren. Aber Obacht: Die meisten Geräte speichern die Daten zwar für mehrere Tage, die Displayanzeige springt aber um Mitternacht auf 0 – danach kommt man nur noch per Synchronisation an die Daten. Lediglich beim Withings Pulse kann man die Daten der letzten zehn Tage direkt am Gerät abrufen.

Daten selbst verarbeiten

Bekomme ich die Daten denn wenigstens vom Herstellerserver runter, wenn ich selber damit herumspielen möchte?

Ja, die meisten Hersteller bieten die angesammelten Körperdaten über ein API an. Das erfordert allerdings Programmierkenntnisse: Einen Praxis-Artikel dazu haben wir in c’t 21/13, Seite 164, veröffentlicht. Wenn Sie die Daten einfach nur in Textform oder als Excel-Tabelle haben möchten, sind Sie bei den meisten Herstellern aufgeschmissen – es sei denn, Sie öffnen Ihr Portemonnaie: Fitbit erlaubt den XLS- oder CSV-Export beispielsweise nur Kunden, die 45 Euro im Jahr für eine Premium-Mitgliedschaft ausgeben. (jkj)

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