Praxis & Tipps | FAQ

Peter König

Blender

Antworten auf die häufigsten Fragen

3D für alles

Was kann man mit Blender machen?

Blender ist ein universelles 3D-Paket, mit dem man 3D-Modelle konstruieren, modellieren und animieren kann. Die Open-Source-Software setzt 3D-Objekte in künstliches Licht, simuliert Physik, rendert Grafiken und Videos bis hin zu ganzen Animationsfilmen (siehe c’t-Link). Nebenbei kann man mit Blender Videos schneiden, simulierte 3D-Objekte in Realfilm-Sequenzen montieren, Spiele programmieren und Vorlagen für 3D-Drucke aufbereiten.

Stilfrage

Wie viel Einfluss hat man auf den Stil der Darstellung auf Bildern und in Filmen, die Blender rendert?

Von Haus aus stehen drei Renderer zur Wahl: Blender Game ist für die 3D-Echtzeitgrafik von Spielen und interaktiv begehbaren Szenen gedacht. Der Cycles-Renderer erzeugt fotorealistische Abbildungen, rechnet dafür aber länger. Die dritte Alternative, schlicht „Blender Render“ genannt, bindet in der aktuellen Programmversion 2.67 zusätzlich den Freestyle-Renderer ein, der anhand der 3D-Geometrie Striche berechnet, die nach Cartoons, Freihandskizzen oder Planzeichnungen aussehen können.

Die drei internen Renderer können eine breite Palette von Stilen und Stimmungen erzeugen. Wer dabei trotzdem an Grenzen stößt, kann seine Blender-Modelle von externen Engines wie Kerkythea, LuxRender oder YafaRay darstellen lassen (siehe c’t-Link).

Eigenwilliges Layout

Wenn ich eine Blender-Datei öffne, die ich aus dem Netz heruntergeladen habe, gerät die Bedienoberfläche völlig durcheinander – Werkzeugleisten und Ansichtsfenster sitzen an komischen Stellen oder fehlen ganz.

Die Bedienoberfläche von Blender ist sehr flexibel – das kann verwirren. Die Ausklappliste im Menü stellt bereits neun verschiedene Layouts für spezielle Anwendungsfälle zur Wahl. Zusätzlich kann der Anwender jederzeit Felder, Fenster und Menüs ein- und ausblenden oder nach eigenen Wünschen umsortieren. Sichert man eine Blender-Datei, wird der aktuelle Zustand der Bedienoberfläche mitgespeichert und beim Öffnen wieder reproduziert – auch auf einem anderen Rechner.

Das hat den Vorteil, dass man beispielsweise 3D-Modelle in das reduzierte Layout eines reinen 3D-Betrachters packen kann, wenn man sie jemandem zur Ansicht zukommen lassen will. Allerdings funktionieren alle Mausoperationen und Tastaturkürzel natürlich weiter, sodass man sein 3D-Modell noch über die Objekteigenschaften gegen unbeabsichtigte Bearbeitung sperren muss. Wer fremde Blender-Dateien öffnet, muss sich unter Umständen erst mal in der veränderten Bedienoberfläche orientieren. Die Alternative: Man legt selbst eine neue Blender-Datei mit gewohntem GUI-Layout an und bindet die fremde über File/Append als Bibliothek ein. Aus dieser kann man dann gezielt einzelne Objekte, Materialien, Lichtquellen oder Einstellungen herausziehen und in die eigene Blender-Datei kopieren.

Teile und verschiebe

Blender importiert Objekte aus diversen 3D-Dateiformaten wie OBJ oder STL. Allerdings interpretiert die Software die gesamte Geometrie darin als ein zusammenhängendes Objekt, selbst wenn es sich um lauter voneinander getrennte Formen handelt. An die will ich aber einzeln herankommen, um sie neu anzuordnen.

Dazu müssen Sie das importierte monolithische Objekt unterteilen. Wählen Sie zunächst per Rechtsklick das Gesamtobjekt aus, wechseln in den Edit-Modus und heben die Auswahl auf. Klicken Sie dann mit der rechten Maustaste einen einzigen Kontrollpunkt in einer der Formen an, die Sie vom Rest isolieren wollen. Über Strg+L (oder Select/Linked im Menü) erweitern Sie die Auswahl auf alle Kontrollpunkte, die über Kanten und Flächen mit dem zuerst gewählten Punkt verbunden sind. Jetzt sollte die komplette Form ausgewählt sein. Falls ja, drücken Sie die Taste P und wählen Sie aus dem aufklappenden Kontextmenü die Option Selection, was die ausgewählte Form in ein eigenes Objekt packt. Alternativ können Sie auch in der Menüleiste unter der 3D-Ansicht auf Mesh/Vertices/Seperate/Selection klicken.

Boolescher Salat

Wenn ich zwei Objekte mit booleschen Modifikatoren kombinieren will, passieren oft seltsame Dinge: Statt zwei Formen zu einer zu verschmelzen, lässt Blender von einer nur ein paar lose Polygone übrig.

Wahrscheinlich sind irgendwo in der Oberfläche eines Objekts die Normalen verdreht. Eine Normale ist ein Vektor, der senkrecht auf einer Fläche steht und nach außen zeigt – daran kann die 3D-Software erkennen, wo sich die Innenseite und wo sich die Außenseite eines Objekts befindet. Wenn man in 3D modelliert, erzeugt man oft unbeabsichtigt Polygonnetze, bei denen die Normalen von benachbarten Flächen in die entgegengesetzten Richtungen zeigen, was den booleschen Modifikator in die Irre führt. In so einem Fall wählen Sie das verdächtige Objekt aus, schalten in den Edit-Modus um und klicken in der Menüleiste unter der 3D-Ansicht auf „Mesh/Normals/Recalculate Outside“, das wirkt oft Wunder. Alternativ können Sie auch einfach Strg+N drücken.

Auf Wunsch zeigt Blender die Normalen für Flächen in der 3D-Ansicht grafisch an: Blenden Sie über die Taste N das Feld für numerische Eingaben ein und scrollen Sie so weit nach unten, dass der Abschnitt „Mesh Display“ erscheint. Dort klicken Sie auf das rechte Würfelsymbol mit der orangenfarbenen Fläche. Im Feld daneben können Sie noch die Länge der Linien verstellen, welche die Flächennormalen visualisieren. (pek)

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weiterführende Links

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