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Lutz Labs

Festplatten für NAS

Antworten auf die häufigsten Fragen

Desktop-Platte im NAS

Ich habe hier noch eine 2-TByte-Desktop-Festplatte. Kann ich die in einem NAS einsetzen?

Im Prinzip ja. Spezielle NAS-Festplatten sind dafür jedoch besser geeignet.

Die meisten Desktop-Festplatten sind nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt. Seagate etwa gibt für viele Modelle eine Laufzeit von maximal 2400 Stunden pro Jahr an, also etwa 10 Stunden pro Arbeitstag. Solche Platten laufen trotzdem im NAS, aber möglicherweise nicht zuverlässig.

Aber es gibt noch weitere Unterschiede: Festplatten für kleine NAS drehen nur mit 5400 Umdrehungen pro Minute. Sie laufen damit ruhiger als schnelle Desktop-Festplatten, haben eine geringere Leistungsaufnahme und erwärmen sich nicht so stark. Meistens geben die Hersteller auch eine längere Garantie auf die NAS-Platten, häufig sind es drei, manchmal auch fünf Jahre. Erste Wahl für den Einsatz im NAS sind die Laufwerke aus der Kompatibilitätsliste des NAS-Herstellers.

Die Firmware unterscheidet sich ebenfalls von der der Desktop-Festplatten. In RAID-Arrays mit Redundanz, also mindestens RAID-Level 1, helfen WDs TLER (Time Limited Error Recovery) und Seagates ERC (Error Recovery Control): Findet eine Festplatte einen angeforderten Sektor nicht, so teilt sie das dem RAID-Controller nach einigen Sekunden mit. Dieser holt sich die Daten dann von der oder den anderen Festplatten im Verbund. Ohne diese Funktion würde der RAID-Controller die Festplatte schnell als defekt markieren und aus dem Verbund löschen, wenn sie die Daten nicht liefern kann.

Umdrehungsgeschwindigkeit

Reichen Platten mit 5400 Umdrehungen pro Minute oder muss es eine schnellere sein?

Die meisten langsam drehenden 3,5-Zoll-Festplatten liefern Datenübertragungsraten von 150 MByte und mehr. Nur wenn das Netzwerk schneller ist, kann es sich lohnen, eine schnellere Platte zu kaufen. Die höhere Geschwindigkeit macht sich jedoch nur beim Kopieren großer Dateien bemerkbar, beim Streamen von Videos spielt die Plattengeschwindigkeit keine Rolle.

NAS, NAS+, Enterprise

Wo ist der Unterschied zwischen einfachen und besseren NAS-Festplatten, und wie unterscheiden sich die Server-Versionen davon?

Einfache NAS-Festplatten wie die WD Red oder die Seagate NAS HDD sind für Gehäuse mit bis zu 8 Festplatten spezifiziert. Bei noch größeren Festplatten-Arrays nehmen die Vibrationen weiter zu, die Festplatten stören sich gegenseitig. Dafür gibt es Festplatten, die diesen unerwünschten Vibrationen mit einer aktiven Kompensierung entgegenwirken. Seagate nennt seine Serie Enterprise NAS, bei WD heißt sie Red Plus. Sie sind für Gehäuse mit bis zu 16 Einschüben geeignet.

Bei Enterprise-Festplatten kommt eine noch aufwendigere Vibrationsbekämpfung zum Einsatz. Zudem liegt die Rate der nicht korrigierbaren Lesefehler bei den teureren Festplatten niedriger: Bei Desktop-Festplatten liegt dieser Wert bei 10–14, bei einigen Server-Festplatten bei 10–16, also nur noch einem Hundertstel. Im Heim-NAS spielt dieser Wert jedoch nur eine geringe Rolle.

Wie viel TByte?

Mein Datenbestand liegt derzeit bei etwa 2 TByte, eine 3 TByte-Festplatte sollte einige Zeit ausreichen. Oder soll ich gleich in die Vollen gehen und zu einer 6-TByte-Platte greifen?

Festplatten leben nicht ewig, sondern verschleißen. Wenn Sie eine hohe Zuverlässigkeit wünschen, tauschen Sie sie gegen Ende der Garantiezeit aus. Dann ist immer noch Zeit, ein größeres Modell zu kaufen.

Die Daten auf viele kleine Festplatten zu verteilen ist aus unserer Sicht keine gute Idee. Mehrere Festplatten entwickeln nicht nur mehr Lärm und Wärme, sie sind auch in der Anschaffung teurer als wenige große.

SSDs im NAS

Was gewinne ich, wenn ich SSDs statt Festplatten einbaue?

Wenig. Die Leistungsaufnahme ist im Vergleich zu 3,5-Zoll-Festplatten geringer und das Gehäuse wird leiser, da die rotierenden Platten entfallen und nur noch der Gehäuselüfter brummt. Für ein klassisches GBit-Netz lohnen sich SSDs nicht. Wer jedoch bereits ein 10-GBit-Netz betreibt, kann deutlich höhere Durchsatzraten erwarten. Für Backup-Zwecke – erst recht für Langzeit-Backups – sind Festplatten aber besser geeignet.

2,5-Zoll-Festplatten

Das NAS steht im Wohnzimmer und soll möglichst leise sein. Sehr viel Speicherplatz brauche ich nicht. 2,5-Zoll-Platten sind ja leiser als die die großen 3,5-Zoll-Modelle, die Kapazität würde mir reichen. Spricht etwas dagegen, die kleinen Festplatten einzusetzen?

2,5-Zoll-Festplatten eignen sich ebensogut wie 3,5-Zoll-Modelle, wenn der wesentliche Nachteil – die geringere Kapazität – keine Rolle spielt. Sie sind zwar auch etwas langsamer als ihre großen Verwandten, bremsen aber mit rund 100 MByte/s ein GBit-Ethernet-Netzwerk noch nicht aus. Achten Sie bei der Auswahl dennoch auf die Dauerlauf-Freigabe. 2,5-Zoll-Festplatten sind nicht nur leiser, sie haben auch eine geringere Leistungsaufnahme und erwärmen sich daher nicht so stark. Allerdings lassen sie sich meistens nicht direkt in den NAS-Gehäusen befestigen – dazu braucht es dann einen Adapter, der die Anschlüsse an die passende Stelle schiebt und die richtigen Befestigungslöcher aufweist. Wir haben mit dem Icy Dock MB882SP-1S-2B gute Erfahrungen gemacht, dieser ist für rund 20 Euro erhältlich.

SMR-Platte im NAS

Von Seagate gibt es eine günstige 8-TByte-Platte, die auch dauerlaufgeeignet ist. Spricht etwas gegen den Einsatz dieser Festplatte im NAS?

Die Seagate Archive HDD v2 mit 8 TByte ist mit rund 250 Euro zwar recht günstig, Seagate rät jedoch vom Einsatz im NAS ab. Die Festplatte arbeitet mit Shingled Magnetic Recording (SMR) für besonders hohe Kapazität. Die SMR-Technik benötigt für das Überschreiben bereits gefüllter Datenspuren einen Puffer von einigen MByte. Diesen muss die Platte zunächst einlesen – das macht sie beim Schreiben vieler kleiner Dateien langsam.

Problematisch wird es deshalb unter Umständen beim Rebuild eines RAID, wenn sehr lange auf die Platte geschrieben wird. Das dauert sehr viel länger als bei konventionellen Platten mit PMR-Aufzeichnungstechnik.

Beschränktes Arbeitspensum

Einige Festplatten sind nur für eine bestimmte Datenmenge pro Jahr spezifiziert, bei der Seagate Archive HDD sind es etwa 180 TByte/Jahr. Reicht das denn aus?

180 TByte pro Jahr sind immerhin knapp 500 GByte pro Tag – da müssten schon diverse Familienmitglieder tagtäglich mehrere hochaufgelöste Filme schauen, um das Pensum zu schaffen. Die Festplatte wird sicherlich auch keinen Schaden nehmen, falls die angegebene Grenze überschritten wird. Lediglich mit den Garantieansprüchen könnte es schwieriger werden, da die Festplatte das Arbeitspensum speichert und der Hersteller es so noch prüfen kann. (ll@ct.de)

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