Praxis & Tipps | Praxis

Christian Wölbert

Gebrauchte IT kaufen und verkaufen

Antworten auf die häufigsten Fragen

Vom Händler

Welche Rechte habe ich beim Kauf gebrauchter Hardware vom Händler?

Der Händler darf beim Verkauf gebrauchter Ware die Gewährleistung von 24 auf 12 Monate reduzieren. Das muss er Ihnen in der Artikelbeschreibung mitteilen. Innerhalb der Frist muss er Mängel kostenlos beheben.

Was ein Mangel ist, hängt vom Gerätetyp und den Abmachungen beim Kauf ab. Bei gebrauchten Smartphones sind Kratzer und ein schlapper Akku keine Mängel – es sei denn, die Artikelbeschreibung versprach Kratzerfreiheit und einen neuen Akku. Streiten Sie sich mit dem Verkäufer darüber, muss innerhalb der ersten sechs Monate der Verkäufer beweisen, dass kein Mangel vorliegt. Danach müssen Sie beweisen, dass ein Mangel vorliegt, was oft nur mit einem teuren Gerichtsverfahren gelingt.

Kaufen Sie das gebrauchte Gerät bei einem Online-Händler, haben Sie neben der Gewährleistung auch ein Widerrufsrecht. Innerhalb von 14 Tagen können Sie es ohne Angabe von Gründen zurückschicken.

Von privat

Welche Rechte habe ich beim Kauf von privat?

Wenn der Verkäufer nicht als Unternehmer handelt, kann er die Gewährleistung ausschließen. Das muss aus der Artikelbeschreibung hervorgehen. Sie als Käufer haben dann im Fall eines Defektes einfach Pech gehabt. Es sei denn, der Verkäufer hat Sie absichtlich getäuscht, also zum Beispiel einen ihm bekannten Defekt verschwiegen.

Weitere Nachteile beim Kauf von privat: Das Versandrisiko tragen Sie als Käufer selbst. Der Verkäufer ist nur verpflichtet, die Ware gut verpackt einem seriösen Paketdienst zu geben. Außerdem haben Sie kein Widerrufsrecht.

Viele Privatverkäufer weisen darauf hin, dass die Herstellergarantie noch einige Monate läuft. Das ist nicht dasselbe wie die Gewährleistung, sondern ein freiwilliges Angebot des Herstellers. Im Schadensfall müssen Sie sich dann an den Hersteller wenden.

Gewährleistung ausschließen

Welche Formulierung muss ich als privater Verkäufer verwenden, um die Gewährleistung auszuschließen?

Der Gesetzgeber hat dafür keine Zauberformel erfunden. Wichtig ist, dass Sie den Käufer vor dem Vertragsschluss deutlich darauf hinweisen. In Ihrer Artikelbeschreibung sollte zum Beispiel stehen: „Die Ware wird unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung verkauft.“ Daran, dass die Beschreibung nach bestem Wissen korrekt sein muss, ändert das nichts.

Kompliziert wird es, wenn Sie öfters Dinge verkaufen und dabei die Gewährleistung ausschließen. Dann müssen Sie die BGB-Regeln für Allgemeine Geschäftsbedingungen beachten (c’t 12/11, Seite 156).

Software-Lizenzen

Ein Händler bietet mir ein „gebrauchtes“ Windows 7 Pro für schlappe 30 Euro an. Ist da was faul?

Zu einer einwandfreien Windows-7-Lizenz gehören mindestens der Aufkleber mit dem Schlüssel und die Setup-DVD. Diese beiden Teile müssen seit der Erstauslieferung zusammengehören und dürfen nicht im Nachhinein kombiniert worden sein. Das sollte man sich als Firmenkunde ausdrücklich vom Händler bestätigen lassen, falls man einen Vertrag mit Microsoft hat, der Microsoft zu Lizenzprüfungen berechtigt. Falls Ihnen nur ein Key ohne Installationsmedium oder nur mit einer selbst gebrannten DVD angeboten wird, handelt es sich nicht um ein rechtlich einwandfreies Windows-Exemplar. Bei anderer Software hängt es oft von weiteren Fragen ab, ob ein Käufer mit dem gebraucht erworbenen Exemplar tatsächlich etwas anfangen kann (siehe Seite 92). Grundsätzlich ist es riskant, gebrauchte Software aus unbekannten Quellen zu kaufen.

Endgültig löschen

Wie lösche ich meine Daten vor dem Verkauf richtig?

Bevor Sie Ihren Rechner oder Ihr Smartphone verkaufen, sollten Sie an die Daten denken, die noch auf dem Gerät schlummern. Diese sind nach dem Löschen keineswegs weg, auch nicht nach dem Formatieren. Die meisten Betriebssysteme markieren sie dabei lediglich als verzichtbar. Um endgültig zu löschen, müssen Sie anders vorgehen.

Steckt in Ihrem Rechner eine normale Festplatte, booten Sie von der Windows-DVD und drücken bei der Sprachauswahl Umschalt+F10. Dann laden Sie in der Eingabeaufforderung mit diskpart das Partitionierungsprogramm. list disk zeigt alle installierten Festplatten an, mit select disk 0 wählen Sie die erste Platte aus. clean all überschreibt sie komplett mit Nullen. Das kann je nach Kapazität einige Stunden dauern. Ein Durchgang reicht.

Auch SSDs können Sie überschreiben. Besser ist aber der ATA-Befehl „Secure Erase“. Diesen könnten Sie unter anderem mit den Tools der SSD-Hersteller oder mit einer bootfähigen Linux-DVD auslösePn (siehe c’t-Link unten).

Bei Android-Smartphones besteht die einfachste Methode darin, den Bereich mit persönlichen Daten (/data) zu verschlüsseln, und zwar mit der Funktion „Gerät verschlüsseln“ unter Einstellungen/Sicherheit. Danach setzen Sie das Handy in den Werkszustand zurück. Das Betriebssystem tilgt den Schlüssel und macht Ihre Daten dadurch unlesbar. Einige Android-Geräte bieten keine Verschlüsselung. Falls sich der Verkauf überhaupt noch lohnt, müssen Sie ihre Daten löschen und den Speicher anschließend mit einer App wie „Secure Wipe“, „Shredroid“ oder „iShredder 3“ überschreiben – diese sind aber nicht mit allen Geräten kompatibel.

SD-Karten müssen Sie separat verschlüsseln oder überschreiben oder einfach vor dem Verkauf aus dem Gerät nehmen. Der Speicher von iPhones und iPads ist standardmäßig verschlüsselt, hier reicht also das Zurücksetzen.

Verkaufskanäle

Wo bekomme ich am meisten Geld für meine alte Hardware?

Unseren Stichproben zufolge bringt der Verkauf über eBay meist nur ein paar Euro mehr als der Verkauf an einen Profi-Ankäufer wie Rebuy, Flip4New, zoxs oder Wirkaufens. Mit kostenlosen Kleinanzeigen und Einträgen in Online-Foren kann man oft etwas mehr verdienen. Aber das kann im Einzelfall anders sein. Bei wertvollen Geräten lohnt es sich daher, vor dem Verkauf zumindest grob zu vergleichen.

Dazu können Sie bei eBay unter „Erweiterte Suche“ nach beendeten Angeboten suchen und die Höchstgebote mit den Ankaufpreisen von Profi-Ankäufern vergleichen. Falls es um ein Handy geht, können Sie auf handyverkauf.net die Ankaufpreise von acht Anbietern auf einen Schlag ermitteln.

Vom eBay-Höchstgebot müssen Sie dann noch die Provision (in der Regel 10 Prozent) abziehen. Auch die PayPal-Gebühr (1,9 Prozent plus 35 Cent) sollten Sie substrahieren, da viele eBay-Nutzer mit PayPal zahlen möchten. Bei den Ankäufern müssen Sie nichts abziehen, denn diese übernehmen in der Regel auch die Versandkosten. Es kann aber sein, dass der Anbieter den Zustand schlechter einschätzt als Sie – und Ihnen deshalb nach Erhalt des Gerätes weniger zahlen will.

Bleibt die Frage nach dem Aufwand: eBay-Auktionen machen mehr Arbeit als der Verkauf an einen Ankäufer.

Restwert

Ich habe keine Ahnung, wie viel meine alten Geräte noch wert sind. Gibt es da eine Faustregel?

Generell erzielen Apple-Notebooks auf dem Gebrauchtmarkt sehr hohe Preise. Zum Beispiel bekommt man für ein drei Jahre altes MacBook Pro noch rund 40 Prozent vom ursprünglichen Kaufpreis (siehe Grafik). Aber natürlich kann sich auch der Verkauf eines Handys, das nur noch 40 Euro wert ist, lohnen: Das Ausfüllen des Online-Formulars eines Ankäufers dauert nur fünf Minuten. (cwo@ct.de)

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