Praxis & Tipps | FAQ

Christian Wölbert

Green IT

Antworten auf die häufigsten Fragen

Korrekt kaufen

Ein neues Gadget muss her. Woran erkenne ich umweltfreundliche Modelle?

Die Umweltfreundlichkeit eines Smartphones, Tablets oder Notebooks lässt sich nicht so einfach messen wie die Rechenleistung oder die Displayhelligkeit. Es gibt aber eine Faustregel: Je länger Sie das Gerät nutzen, desto besser für die Umwelt. Zu einer langen Lebensdauer können ganz unterschiedliche Dinge beitragen, je nachdem, was Ihnen persönlich wichtig ist. Zum Beispiel ein wechselbarer Akku, aufrüstbarer Speicher, ein kratzfestes Gehäuse oder eine lange Versorgung mit Software-Updates. Ein langer Garantiezeitraum ist immer gut.

Wenn Sie ein Gebrauchtgerät kaufen, sorgen Sie ebenfalls für eine lange Nutzungsphase. Beim Kauf von privat haben Sie allerdings kein Rückgaberecht und keine Gewährleistung. Händler geben ein Jahr Gewährleistung, einige wie AfB24 verlängern gegen Aufpreis auf zwei Jahre. Finanziell lohnt sich ein gebrauchtes Notebook allerdings selten, weil Sie oft einen neuen Akku dazukaufen müssen. Gute Erfahrungen haben wir mit gebrauchten Laserdruckern gemacht (c’t 20/12, S. 152).

Falls Sie zwischen Geräteklassen abwägen, zum Beispiel zwischen Notebook und Schreibtischrechner, gilt in der Regel: je leichter, desto umweltfreundlicher.

Logos verstehen

Das ist mir zu kompliziert. Auf welche Umweltsiegel kann ich mich verlassen?

Es gibt Hunderte Drucker mit dem Blauen Engel und Hunderte Monitore mit dem TCO-Logo. Beide Siegel begrenzen Schadstoffeinsatz und Energieverbrauch.

Bei Notebooks, PCs und Tablets helfen Öko-Logos leider kaum weiter, denn die meisten Hersteller ignorieren die vorhandenen Siegel. So gibt es nur ein einziges Samsung-Tablet mit TCO und nur ein paar PCs von Fujitsu mit dem Blauen Engel, obwohl viele weitere Geräte die Kriterien erfüllen könnten. Das weit verbreitete Epeat-Logo wiederum hat sehr lasche Kriterien. Für Smartphones existiert noch nicht einmal ein Logo.

Stromkosten drücken

Lohnt es sich, den Computer in Arbeitspausen vom Netz zu trennen? Oder reicht der Standby-Modus?

Wenn man von 22 Stunden Stand-by-Betrieb täglich ausgeht, kostet jedes Standby-Watt 2 Euro pro Jahr. Fürs sinnvolle Energiesparen müssen Sie also den Leistungsbedarf Ihrer Geräte kennen.

Ein mehrere Jahre alter Desktop-Rechner genehmigt sich im Standby je nach Modell zwischen 2 und 15 Watt, im Ruhezustand oder ausgeschaltet kaum weniger (und im Betrieb inklusive Flachbildschirm gut und gerne 80 Watt). Viele WLAN-Router, Beamer und Laserdrucker ziehen mehr als 10 Watt im Standby-Modus, manche Plasmaschirme sogar 20 Watt. Es lohnt sich also durchaus, wenn Sie energiehungrige Rechner, Fernseher, Router und Ähnliches in Nutzungspausen vom Netz trennen. Mit einer schaltbaren Steckdosenleiste geht das besonders bequem.

Ein aktuelles Notebook verbraucht im Leerlauf aber nur rund 10 Watt und im Standby weniger als ein Watt. Ultrabooks, Smartphones und Tablets sind noch genügsamer, sodass man sich über den Standby-Verbrauch dieser Geräte wenig Gedanken machen muss. Die Leistungsaufnahmen neuer Monitore, Fernseher, PCs und vieler weiterer Produkte veröffentlichen wir in unseren Tests, viele Werte älterer Geräte finden Sie in c’t 4/08 ab Seite 78.

Laut einer Studie des Borderstep-Instituts verbrauchen IT-Geräte in Deutschland 11 Prozent des gesamten Stroms. Bis 2020 steigt der Anteil auf rund 20 Prozent, schätzen die Forscher.

Verkaufen und entsorgen

Was mache ich mit meinen ausgemusterten Geräten?

Wenn das Gerät noch funktioniert, lohnt sich meist ein Verkauf – für die Umwelt, aber auch finanziell. eBay bedeutet mehr Aufwand, aber in der Regel auch einen höheren Erlös als der Verkauf zum Festpreis an Anbieter wie Wirkaufens oder Flip4New. Unternehmen können größere Mengen gebrauchter Rechner von Händlern abholen lassen: Eine gute Übersicht bietet ReUse-Computer.org.

Kaputte Elektronik können Sie auf den Wertstoffhöfen Ihrer Kommune kostenlos abgeben. Außerdem gibt es in immer mehr Städten Wertstofftonnen für Kleingeräte („O-Tonne“, „Orange Box“). Handys sammeln aber auch Netzbetreiber und Umweltschutzorganisationen gerne ein, weil die Rohstoffe ein paar Euro wert sind. Es ist laut ElektroG illegal, Elektronik im Hausmüll zu entsorgen. Grund für die Regel sind die enthaltenen Schadstoffe und der Ressourcenschutz.

Reparieren statt wegwerfen

Mein iPhone hat eine Macke und Apple verlangt über hundert Euro für die Reparatur. Was tun?

Gerade iPhone-Besitzer können Geld sparen und die Umwelt schonen, wenn sie selbst reparieren, denn das Angebot an günstigen Ersatzteilen ist riesig. Ein iPhone-Akku kostet bei eBay gerade mal 15 Euro, ein LCD inklusive Digitizer und Frontglas gibt es für 40 Euro aufwärts. Der Displaywechsel ist nicht einfach, aber durchaus zu Hause machbar. Die einzelnen Schritte erklärt c’t 25/11 ab Seite 176. Der Akkutausch ist ziemlich leicht.

Übersichtliche Reparaturanleitungen für Apple-Geräte, Digitalkameras und Spielkonsolen finden Sie auf www.ifixit.com, Notebook-Handbücher auf www.tim.id.au. Hersteller wie Lenovo, Dell und HP bieten viele Anleitungen aber auch selbst zum Download an.

Durchhalten

Wann ist es ökologisch sinnvoll, ein altes Gerät durch ein neues zu ersetzen?

Der Ersatz eines Notebooks durch ein neues Modell ist unter Umweltgesichtspunkten praktisch nie sinnvoll. Selbst wenn das Neugerät 70 Prozent weniger Strom verbraucht, müsste man es unrealistische 12 Jahre lang nutzen, um eine bessere Ökobilanz zu erreichen, hat das Öko-Institut ausgerechnet. Für Tablets und Smartphones gilt dasselbe Prinzip, denn auch hier kostet die Produktion viel mehr Energie als eine realistische Nutzungsphase. Der Austausch stromhungriger Desktop-PCs lohnt sich eher – konkrete Studien gibt es dazu aber nicht. (cwo)

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