Praxis & Tipps | FAQ

Mirko Dölle

Gutscheine als Weihnachtsgeschenk

Antworten auf die häufigsten Fragen

Gut- oder Schlechtschein?

Welche Gutscheine kann ich bedenkenlos kaufen und verschenken, wo ist Vorsicht geboten?

Für Betrügereien geradezu prädestiniert sind alle Gutscheine, deren Barcode oder Magnetstreifen beim Verkauf an der Kasse eingelesen wird. Wie in c’t 8/15 auf Seite 74 detailliert beschrieben, können Gauner die Gutscheine bereits am Verkaufsständer so präparieren, dass das Guthaben auf deren Konto landet und der Gutschein wertlos ist.

Ist der Barcode des Gutscheins direkt auf den Papp-Aufhänger gedruckt, wie etwa bei Gutscheinen von Media Markt und Saturn, müssen Sie unbedingt die Kartennummer mit dem Barcode auf dem Aufhänger vergleichen, um nicht einem Kartentausch aufzusitzen. Barcode-Aufkleber auf der Gutscheinkarte oder dem Aufhänger sind ein Indiz für eine Fälschung, also Finger weg.

Einen Schutz vor Ausspähung bieten nur Karten, die mit einer freizurubbelnden PIN versehen sind – und deren Eingabe sowohl online als auch an der Kasse Pflicht ist. Bei Karten von MediaMarkt, Apple iTunes und Google Play Store ist das zum Beispiel der Fall, bei Karten von Saturn, Obi und vielen anderen Händlern hingegen nicht, dort kann man an der Kasse auch ohne PIN bezahlen. Wie der Anbieter die PIN handhabt, ist den Karten nicht anzusehen.

Problematisch sind auch Karten mit Magnetstreifen, etwa von Ikea, da dieser sich mit dem Datensatz einer anderen Karte überschreiben lässt. Damit läuft auch die Abfrage der Rubbel-PIN an der Kasse ins Leere, da Sie die PIN der fremden Karte bräuchten. Ohne einen Kartenleser haben Sie keine Möglichkeit, derart manipulierte Gutscheine zu erkennen. Ältere Gutscheine und solche aus Warenrückgaben sind sogar fortlaufend nummeriert, sodass Gauner verbrauchte Gutscheinkarten mit neuen Kartennummern versehen und dann abkassieren könnten. Leichter kann man es Betrügern kaum machen.

Bargeld zu schenken mag profan sein, es gibt hier aber kein Missbrauchsrisiko.

Sicher verkaufen

Ich habe einen Gutschein geschenkt bekommen, den ich weiterverkaufen möchte. Worauf muss ich achten?

Veröffentlichen Sie keinesfalls Bilder, auf denen der Barcode, die Kartennummer oder die PIN des Gutscheins zu sehen ist. Das gilt auch für Kassenbons, auf denen Teile der Kartennummer mit dem Guthaben zu erkennen sind. Auch dürfen Sie die Kartennummer und Belege erst an Kaufinteressenten herausgeben, wenn sie bezahlt haben – denn besitzt man die Kartennummer oder kann sie erraten, lassen sich viele Gutscheine aufgrund fehlender Sicherheitsmechanismen mit einem herkömmlichen Drucker kopieren. Dem Kassenpersonal fallen solche Fälschungen, selbst wenn sie dilettantisch gemacht sind, nicht auf – das haben unsere Testkäufe bewiesen.

Billig ankaufen

Ich habe in den Kleinanzeigen Gutscheine aus Geschenken und Rückgaben gefunden, die oft unter Wert angeboten werden. Da ich demnächst eine größere Anschaffung plane, bei der ich die Gutscheine aufbrauchen könnte – worauf sollte ich beim Kauf achten?

Sie müssen darauf vertrauen, dass der Verkäufer ehrlich ist und das Guthaben nicht kurz nach dem Verkauf abräumt – die dafür notwendige Kartennummer kennt er ja. Außerdem darf er die Kartennummer sonst niemandem mitgeteilt und nirgends veröffentlicht haben, das gilt auch für Fotos von Gutscheinen und von Kassenbons. Um den Kauf abzuwickeln, sollten Sie sich mit dem Verkäufer in einer Filiale des Unternehmens treffen, das den Gutschein ausgegeben hat, und sich dort das aktuelle Guthaben bestätigen lassen. Optimal ist es, wenn Sie der Kartenbesitzer beim Einkauf begleitet, mit dem Gutschein für Sie bezahlt und Sie ihm dann das Bargeld geben.

Alles nur geklaut?

Als ich meinen Gutschein einlösen wollte, wurde mir vorgeworfen, er sei gestohlen. Es sei deshalb auch kein Guthaben vorhanden. Das kann ich aber kaum glauben: Der Schenker beteuert, er habe den Gutschein regulär an einer Tankstelle gekauft und bezahlt. Wie komme ich an das Geld?

Vermutlich wurde der Gutschein vor dem Verkauf lediglich nicht aktiviert – je nach Kassensystem muss dies an einem gesonderten Terminal erfolgen. Ein beim Verkauf nicht aktivierter Gutschein ist nicht von einem gestohlenen zu unterscheiden, so kommt es zum Tatvorwurf. Um ihn nachträglich zu aktivieren, müssen Sie den Gutschein und die Kaufquittung, aus dem die Gutscheinnummer hervorgeht, bei der ursprünglichen Verkaufsstelle vorlegen. Haben Sie keine Quittung, können Sie nicht beweisen, dass der Gutschein verkauft wurde – und bleiben auf dem Schaden sitzen.

Abgeräumt

An der Kasse teilte man mir mit, dass das Guthaben meines Gutscheins bereits verbraucht sei. Ich habe den Gutschein aber nie aus der Hand gegeben, keine Fotos veröffentlicht und ihn nie zuvor verwendet. Das Guthaben kann doch eigentlich gar nicht weg sein; wie bekomme ich es zurück?

Gutscheine von Toom Baumarkt, Ikea und etlichen anderen Anbietern besitzen mitunter keinerlei Sicherheitsmerkmale und sind dazu noch fortlaufend nummeriert. Ein Betrüger kann deshalb durch das Ausspähen einer einzigen Kartennummer die Nummern der nachfolgenden Gutscheine erraten und für Fälschungen einsetzen. Sie können also selbst dann Opfer eines Gutscheinbetrugs werden, wenn Sie alles richtig gemacht haben.

Wenn Sie Glück haben, ersetzt Ihnen der Händler den Schaden aus einem Gutscheinbetrug kulanterweise – oder auch nicht, wie im Fall von Josef S., von dessen Ikea-Gutschein über 2200 Euro verschwanden (c’t 16/15, Seite 68). In den Gutscheinbedingungen ist fast immer ein Schadensersatz ausgeschlossen, selbst wenn die Karte gestohlen oder verloren wird. Eine Kartensperrung ist nur selten möglich. Im Zweifel müssen Sie als Kunde klagen und vor Gericht beweisen, dass der Händler für den Verlust des Guthabens verantwortlich ist. Für Kunden sind Gutscheine im Zweifel also ein schlechtes Geschäft. (mid@ct.de)

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