Praxis & Tipps | FAQ

Nico Jurran

HDMI

Antworten auf die häufigsten Fragen

Ethernet-Kanal

Im Angebot eines großen Versandhändlers habe ich neben HDMI-Kabeln auch etwas teurere Exemplare „mit Ethernet“ gefunden. Lohnt es sich, diese einzusetzen?

Der HDMI Ethernet Channel (HEC) wurde in der HDMI-Version 1.4 spezifiziert, einschließlich der angesprochenen Kabel. Deren Stecker haben wie die gewöhnlichen Exemplare 19 Pins; lediglich die für HEC genutzten Adernpaare sind wie bei einem Ethernetkabel verdrillt (Twisted Pair), um besser gegen äußere Störeinflüsse geschützt zu sein. Es ist folglich unschädlich, HDMI-Kabel mit HEC an Geräten zu nutzen, die den Ethernet-Kanal nicht einsetzen.

Andererseits lohnt es sich aber nicht, beim Kauf auf Kabel mit Ethernet-Kanal zu achten. Nach unserer Kenntnis ist seit der Spezifizierung 2009 bis heute kein Gerät auf den Markt gekommen, das dieses Feature nutzt. Auch ist aktuell keines mit HEC angekündigt.

Buchsenproblem bei der PS4

Ich habe gelesen, dass Käufer der Playstation 4 Probleme mit deren HDMI-Buchse hatten. In einem Forumsbeitrag hieß es, die Konsole benötige ein spezielles HDMI-Kabel – mit männlichem statt weiblichem Stecker.

Diese Aussage ist falsch, an der Playstation 4 lässt sich eine gewöhnliche HDMI-Strippe benutzen. Einmal abgesehen von Verlängerungskabeln gibt es auch generell nur HDMI-Kabel mit männlichen Steckern. Die von einigen Nutzern beschriebenen Probleme mit dem HDMI-Anschluss der PS4 scheinen auf einen Fertigungsfehler bei einigen wenigen Geräten zurückzuführen zu sein. Bei den betroffenen Exemplaren ragt eine kleine Metallnase in die Buchse hinein und verhindert so, dass sich das Kabel hineinstecken lässt. Versucht man es dennoch mit Gewalt, wird der HDMI-Stecker und eventuell auch die Buchse beschädigt. Bei Problemen raten wir daher dringend, einmal einen prüfenden Blick auf die Buchse zu werfen.

HDMI-Hieroglyphen

Die HDMI-Buchsen meines Fernsehers sind mit „ARC“, „MHL“ und „STB“ beschriftet. Leider kann ich mit diesen Begriffen überhaupt nichts anfangen.

„ARC“ steht für „Audio Return Channel“. Über diese Buchse gibt Ihr Fernseher den Ton eines über seinen eingebauten TV-Empfänger (Tuner) empfangenen Programms aus. Der über die HDMI-Buchse ausgegebene Ton lässt sich mit einem A/V-Verstärker beziehungsweise einer Soundbar hörbar machen – wenn dieses Gerät ebenfalls die ARC-Funktion unterstützt. Einige TV-Geräte reichen hierüber auch die Audiosignale weiter, die sie selbst von einem Zuspieler – etwa einem Blu-ray-Spieler – über einen anderen A/V-Eingang eingespeist bekommen; dies ist jedoch nicht bei allen TV-Modellen der Fall.

An mit „MHL“ (Mobile High-Definition Link) gekennzeichneten Buchsen lassen sich Smartphone oder Tablet anschließen, das seinerseits diese Übertragungstechnik unterstützt. Nötig ist dafür ein Adapterkabel, das einen HDMI-Stecker auf der einen Seite und einen Micro-USB-Port (je nach Hersteller mit 5 oder 11 Pins) an der anderen Seite hat.

„STB“ steht für „Set-Top Box“ – und meint letztlich jede Art von Zuspieler, darunter etwa HD-Medienplayer, Blu-ray-Player oder Digital-TV-Receiver. Über diese Buchse(n) lassen sich digitale Video- und Audioformate einspeisen; allerdings gibt Ihr Fernseher darüber höchstwahrscheinlich keine Audiosignale aus. Da es den Audiorückkanal nur an der Buchse mit der Aufschrift „ARC“ gibt, sollten Sie A/V-Verstärker beziehungsweise Soundbar auf jeden Fall dort anschließen. Besitzen Sie ein solches Gerät nicht, können Sie diese Buchse – wie auch die mit der Kennzeichnung „MHL“ – nutzen, um darüber einen gewöhnlichen A/V-Zuspieler anzuschließen.

HDCP-Kopierschutz

Ich würde gerne einen HDMI-Recorder kaufen, bin mir aber nicht sicher, ob sich der für die gewünschten Zwecke einsetzen lässt. So würde ich zum einen gerne Szenen von meinen Spielkonsolen (Sony Playstation 3 und 4) festhalten und zum anderen kurze Szenen aus Blu-ray-Filmen grabben.

Alle auf dem Markt erhältlichen HDMI-Recorder beachten den HDCP-Kopierschutz (High-bandwidth Digital Content Protection) und erlauben nur Aufzeichnungen von Quellen, die den HDMI-Datenstrom ungeschützt ausgeben. Dazu gehören Nintendos Spielkonsole Wii U sowie Microsofts Xbox 360 und Xbox One – jedenfalls bei Spielen. Sonys Playstation 3 gibt über HDMI nur kopiergeschützte Videosignale aus, lässt sich aber mit den meisten Recordern über ihren „AV Multi Out“ genannten Ausgang verbinden. Darüber überträgt die Konsole Videos bis zur Auflösung 1080p, allerdings analog – und nur mit Stereoton. Liegt dem HDMI-Recorder kein PS3-Anschlusskabel bei, muss man mit rund 20 Euro für ein Adapterkabel rechnen. Bei der Playstation 4 sind Aufnahmen wegen dauerhaft aktiviertem HDMI-Kopierschutz generell nicht möglich, einen analogen Videoausgang hat die Konsole nicht. Sony hat ein Firmware-Update angekündigt, das HDCP bei Spielen abschaltet. Wann dieses verfügbar sein wird, ist aber unklar.

HDMI-Recorder lassen sich auch an digitalen Spiegelreflexkameras mit HDMI-Ausgang nutzen, um eine Einschränkung zu umgehen, die fast alle in Deutschland erhältlichen Fotokameras mit Videofunktion haben: Sie filmen in der Regel höchstens 29:59 Minuten am Stück, da bei Überschreiten dieser Grenze höhere Einfuhrzölle fällig würden. Praktisch alle Unterhaltungselektronikgeräte, die kommerzielle Videos wieder- oder weitergeben, setzen hingegen HDCP ein – darunter DVD- und Blu-ray-Player, HDTV-Receiver (meist auch beim Free-TV-Empfang) sowie Audio/Video-Receiver. Sie können daher nicht einfach einen Blu-ray-Player an einen HDMI-Recorder anschließen und Szenen aus Filmen grabben – egal, wie kurz diese sind. Zwar tauchen immer mal wieder (vor allem außerhalb Europas) Geräte auf, die das HDCP-Bit aus dem Datenstrom herausfiltern, Hollywood unterbindet solche Angebote aber meistens schnell. (nij)

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