Praxis & Tipps | FAQ

Christof Windeck

Leise Computer

Antworten auf die häufigsten Fragen

Wie einkaufen?

Worauf muss ich achten, wenn ich einen wirklich leisen PC kaufen will?

Nach unserer Erfahrung rauschen oft auch solche Rechner laut, die als leise beworben wurden. Idealerweise sollten Sie den PC deshalb „probehören“, und zwar in ruhiger Umgebung. Menschliche Ohren funktionieren nämlich nicht wie Messgeräte, sondern passen sich an die Situation an: In einem sehr leisen Raum stört schon das kleinste Geräusch, das man in anderer Umgebung kaum wahrnehmen würde.

Am stärksten nervt Krach, den man ständig hört – also das Rauschen der Lüfter; seltene Spitzen sind erträglicher. Bei PC und Notebook ist die Lautheit im Leerlauf wichtig, denn moderne Computer stehen nur selten unter hoher Last. Daher sollte der Rechner möglichst sparsam sein, denn dann erzeugt er wenig Abwärme und die Lüfter haben wenig zu tun. Vom Mainboard gut geregelte Lüfter rotieren außerdem bei geringer Last so langsam wie möglich.

Manchmal muss es aber ein Rechner sein, der auch unter Last leise bleibt – etwa, wenn der PC stundenlang HD-Videos transkodiert. Andere werden besonders laut, wenn die GPU ackert – und immer mehr Software spannt auch die Grafik ein. Auch diesen Fall können Sie im Laden testen: Volllast für CPU-Kerne und Grafikprozessor simulieren unter Windows spezielle Testprogramme, auf die der c’t-Link unten verweist. Der Lasttest muss mindestens 10, besser 20 Minuten laufen.

Wenn Sie vor dem Kauf nicht probehören können, müssen Sie sich auf Testberichte verlassen. Das jeweilige Urteil gilt aber ausschließlich für ganz genau die vorgestellte Konfiguration.

Leiser Eigenbau

Im Handel finde ich keinen Computer, der mir gefällt. Wie baue ich einen leisen Rechner selbst?

Bei den PC-Bauvorschlägen, die wir in c’t veröffentlichen, achten wir üblicherweise auf möglichst geringes Betriebsgeräusch. Weil es so viele Fehlerquellen gibt, dauern die Feinarbeiten im c’t-Labor aber typischerweise mehrere Wochen, wobei wir immer wieder einzelne Komponenten austauschen: In manchen Gehäusen hört man beispielsweise auch weich aufgehängte Festplatten deutlich, die man in anderen kaum wahrnimmt. Und wenn sich die Abwärme ungünstig staut, dann drehen die Lüfter eigentlich leiser Komponenten schneller als nötig. Außerdem muss der Lüfter auf dem CPU-Kühler mit der Regelcharakteristik des Mainboards harmonieren. Tückisch sind auch Boards, die im Zusammenspiel mit bestimmten Netzteilen zirpende Geräusche verursachen.

Krach messen

Welche Richtwerte und Messgrößen gelten für leise Rechner?

Im c’t-Labor bewerten wir Komplettrechner in verschiedenen Lastsituationen anhand der Mittelwerte von Schallmessungen, die mit vier Mikrofonen gleichzeitig aus jeweils 50 Zentimeter Abstand vom PC-Gehäuse erfolgen. Wir gehen also näher ran, als es die Norm für Geräuschmessungen verlangt (1 Meter), um auch Notebooks und Kompakt-PCs auf dem Schreibtisch gerecht zu werden. Die Messungen finden in einer gleichmäßig temperierten, schallarmen Messkabine statt. Statt der oft genannten dBA-Werte verwenden wir die Sone-Skala, die einfache Vergleiche erlaubt: doppelter Wert gleich doppelte Lautheit. Ganz grob geschätzt kommen bei einem PC mit einer Herstellerangabe von 30 dBA aus 1 Meter nach unserer Messmethode ungefähr 0,5 Sone heraus – aber es gibt auch Überraschungen.

Für die Gesamtnote bewerten wir vor allem den Krach im Leerlauf ohne CPU-Last. Abwertungen gibt es, wenn eine Lastmessung um mehr als zwei Notenstufen davon abweicht, etwa unter voller Grafiklast. Dabei geht die Front-Messung doppelt ein. Kollegen und Leser, die unsere Bauvorschläge umsetzen, bestätigen unsere Skala immer wieder.

Selbst messen

Für mein Smartphone gibt es eine App, die den Schalldruckpegel anzeigt. Kann ich damit PC-Lärm bewerten?

Nur unter günstigen Umständen und mit etwas Erfahrung. In den zahllosen Android-Geräten stecken so viele verschiedene Mikrofone und Vorverstärker, dass Sie sich auf die Apps nicht verlassen sollten. Der Noise Emission Analyzer für iPhones hingegen arbeitet recht genau (siehe c’t 11/12, S. 26).

Schalldruck sinkt mit wachsender Entfernung, weshalb es auf den genauen Abstand zwischen Mikrofon und PC-Gehäuse ankommt. Ein PC emittiert Schall außerdem nicht gleichmäßig in alle Richtungen: Messen Sie wie wir aus verschiedenen Positionen. Vor allem kommt es auf den genauen Standort des Rechners an, weil Laminat, Teppich, Tischplatte und Wand den Schall reflektieren, aber auch schlucken können. Auch die beste App wird daher höchstens als „Schätzeisen“ Hilfestellung leisten. (ciw)

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