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Boi Feddern

Netzwerkspeicher

Antworten auf die häufigsten Fragen

Prozessor und RAM

Welchen Prozessor und wie viel Arbeitsspeicher sollte ein NAS haben?

In den meisten Fällen reicht für daheim ein Gerät mit ARM- beziehungsweise PowerPC-Prozessor von Marvell oder Freescale. Selbst deren Leistung genügt, um Daten mit nahezu vollem Gigabit-Tempo zu übertragen. NAS-Geräte mit diesen Chips sind nicht nur billig, sondern schlucken auch wenig Strom und arbeiten wegen des geringen Kühlbedarfs oft leise.

Die Taktfrequenz des Chips spielt für die Gesamtgeschwindigkeit des Systems eher eine untergeordnete Rolle. Mindestens 1 GHz sind jedoch ratsam. Wenn das NAS um Zusatzsoftware erweitert werden oder Datenbankanwendungen darauf laufen sollen, zahlt sich bessere RAM-Ausstattung (ab 1 GByte) aus, denn nur in seltenen Fällen lässt sich zusätzlicher Arbeitsspeicher nachrüsten.

Nachteile der schwachen Prozessoren spüren Sie, wenn Sie mit dem NAS extrem große Medienbibliotheken mit wechselnden Inhalten verwalten wollen – oft kommen die Geräte dann mit dem Indizieren nicht mehr hinterher. Auch für anspruchsvolle RAID-Level (5 oder 6) und Festplattenvollverschlüsselung genügt deren Leistung nicht. Die Transferraten brechen dann stark ein. Höhere Rechenleistung liefern NAS mit einer Atom-CPU von Intel. Manches Modell kostet inzwischen weniger als eines mit ARM-Chip und bringt noch Zusatzfunktionen wie Video- und Soundausgabe via HDMI mit. Viele Atom-NAS sind aber lauter und schlucken mehr Strom. In High-End-NAS stecken noch stärkere Prozessoren der Core-i- oder Xeon-Klasse.

Festplatten fürs NAS

Welche Festplatten sind für NAS-Systeme am besten geeignet?

Den besten Kompromiss zwischen Speicherkapazität und kühlem, leisem und stromsparendem Betrieb bieten SATA-Festplatten im 3,5"-Format mit geringer Rotationsgeschwindigkeit um 5400 U/min, die aktuell bis zu 4 TByte fassen.

Für eine theoretisch höhere Zuverlässigkeit müssen Sie mehr Geld ausgeben. Seagate (NAS HDD) und Western Digital (Red-Serie) liefern optimierte NAS-Festplatten, die Eigenschaften einfacher SATA- und besonders zuverlässiger Serverlaufwerke kombinieren: Sie sind für den Dauerbetrieb freigegeben, haben eine längere Garantie und arbeiten sowohl sparsamer als auch leiser als so manche PC-Festplatte. Überdies besitzen sie Firmware-Optimierungen wie Time Limited Error Recovery (TLER), was im RAID von Vorteil ist. Durch vibrationsarmen Betrieb beeinflussen sich mehrere Laufwerke im selben Gehäuse weniger.

Anders als für den harten Servereinsatz geeignete, teurere Enterprise- oder Nearline-Storage-Laufwerke wehren deren NAS-Verwandten die Vibrationen anderer Laufwerke jedoch nicht aktiv ab. Sie sind nicht für permanente Zugriffe ausgelegt und haben vergleichsweise hohe Lesefehlerraten. Die Hersteller empfehlen sie deshalb nur für kleine NAS-Gehäuse mit höchstens fünf Festplatten. Die meisten Enterprise-Laufwerke sind wiederum sehr laut beim Zugriff, brauchen mehr Strom und werden heißer. Dadurch steigt das Risiko von Ausfällen in kleinen, schlecht gekühlten NAS-Gehäusen. Wählen Sie im Zweifelsfall ein Exemplar aus den Kompatibilitätslisten der Hersteller.

Bei einigen jüngeren Chargen von WDs Red-Platten kommt es vor, dass sie die Schreib-/Leseköpfe in kurzen Intervallen parken, um Energie zu sparen. Abhängig von NAS-Konfiguration und -Nutzungsweise kann das unnötig viele Ein- und Ausparkvorgänge provozieren, wie der per SMART auslesbare Load Cycle Counter erkennen lässt. Ein Firmware-Update von WD passt die Einstellungen auf sinnvolle Werte an.

Daten sichern

Wie sichere ich die auf dem NAS gespeicherten Daten gegen Verluste?

Inkrementelle Backups gelingen am einfachsten mit rsync. Dieser Dienst ist auf den meisten NAS bereits vorinstalliert. Als Ziel eignet sich entweder ein zweites NAS des gleichen Herstellers oder eine externe Festplatte mit USB-3.0- oder eSATA-Anschluss, sofern diese genügend Speicherplatz besitzt. Externe Platten sollten allerdings nicht permanent mit dem NAS verbunden sein, sonst besteht das Risiko, dass ein (elektrischer) NAS-Defekt auch dieses Laufwerk mit dahinrafft.

Vor einem Datenverlust durch Brand, Einbruch oder Diebstahl schützt nur ein Backup auf ein anderes NAS, das man an einem anderen Ort aufstellt. Allerdings beschränken bei der Übertragung übers Internet die geringen Upload-Raten hiesiger Internetanschlüsse die Transfergeschwindigkeit, und man muss sich um Verschlüsselung kümmern, damit private Daten nicht im Klartext über die Leitung gehen. rsync kann dazu SSH einspannen, dann leidet die Transfergeschwindigkeit bei NAS-Geräten mit ARM- oder Power-CPUs aber erheblich. Es empfiehlt sich daher, das Erst-Backup im lokalen Netz durchzuführen. Ausführliche Tipps finden Sie in c’t 4/14.

Fernzugriff

Wie greife ich von unterwegs am besten und sichersten auf NAS-Daten zu?

Da einige NAS-Hersteller ihre Firmware stiefmütterlich pflegen, entdecken Experten darin immer wieder Sicherheitslecks. Einige Fälle aus der Vergangenheit zeigen, dass diese dazu genutzt werden können, um Daten zu stehlen, zu manipulieren oder zu kompromittieren.

Falls Sie Ihr NAS trotz aller Risiken mit dem Internet verbinden wollen, sorgen Sie dafür, dass möglichst wenige Dienste erreichbar sind. Leiten Sie diese dann über untypische Ports nach außen – für einen Mail-Server etwa Port 41993 anstelle von Port 993 für IMAP über SSL –, um das Einbruchsrisiko zu mindern. Verzichten Sie zum Fernzugriff auch auf die vom Hersteller angebotenen Cloud- oder Remote-Access-Dienste. Diese sind zwar mitunter einfacher zu konfigurieren, aber nicht vertrauenswürdig. Am sichersten kommunizieren Sie mit dem NAS über einen verschlüsselten VPN-Tunnel. Tipps zur Einrichtung von VPN haben wir unter dem c’t-Link zusammengefasst. (boi)

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