Praxis & Tipps | FAQ

Boi Feddern, Christian Hirsch

SSD-Caching

Antworten auf die häufigsten Fragen

Nutzen von SSD-Caching

Immer wieder höre ich von SSD-Caching. Was ist das und was bringt mir das?

Bei SSD-Caching puffert eine Solid-State Disk jene Festplattendaten, die besonders häufig vom Betriebssystem angefordert werden. Da dafür schon eine vergleichsweise kleine SSD genügt, genießt man die Vorteile von SSD (hohes Tempo) und Festplatte (große Kapazität) sehr günstig. Häufig genutzte Anwendungen starten vom SSD-Magnetplatten-Tandem fast genauso schnell wie von einer dedizierten SSD. Besonders interessant ist SSD-Caching für Notebooks, die nur einen Festplattenschacht besitzen, aber per mSATA oder m.2 SSD-Kärtchen anbinden können. Im PC kann SSD-Caching beim Nachrüsten einer SSD die Neuinstallation oder den Umzug des Betriebssystems ersparen.

SSD-Caching einrichten

Ich möchte gerne SSD-Caching konfigurieren. Wie mache ich das?

Für SSD-Caching brauchen Sie außer einer SSD und einer Festplatte auch eine Software und/oder einen Storage-Adapter, der die Zugriffe zwischen Festplatte und SSD möglichst intelligent verteilt. Intel integriert eine solche Funktion in seine Z-Chipsätze sowie in teurere H- und Q-Varianten ab Serie 6. Um Smart Response Technology (SRT) – wie Intel es nennt – nutzen zu können, müssen außerdem der SATA-Host-Controller des Chipsatzes im sogenannten RAID-Modus laufen und das Betriebssystem auf der magnetischen Platte residieren. Wenn Sie das Betriebssystem zuvor im AHCI-Modus installiert haben, lässt sich der Betriebsmodus im Mainboard-BIOS zwar nachträglich ändern, dies erfordert dann allerdings eine Neuinstallation von Windows oder etwas Gefummel in der Registry (siehe c’t-Link) – sonst startet Windows nicht mehr. Die SSD, die man an einen weiteren SATA-Port klemmt, muss entweder leer oder eine sein, die man zu löschen bereit ist. Und zu guter Letzt setzt SRT auch die Installation des Rapid-Storage-Technology-(RST-)Treiberpakets von Intel in mindestens Version 10.5 voraus (siehe c’t-Link).

Aktivieren lässt sich SSD-Caching über den Rapid Storage Manager in der Rubrik „Beschleunigung“. Dabei stehen zwei Schreibstrategien zur Wahl: Write Through alias „erweitert“ beschreibt SSD und Festplatte immer simultan. Das reduziert zwar das Risiko von Datenverlusten, erzielt aber nicht das volle SSD-Gefühl, weil die SSD beim Schreiben auf die Magnetplatte warten muss. Schneller geht Write Back („maximiert“) zu Werke, weil es die SSD auch als Schreibpuffer nutzt.

Chipsatzunabhängig funktionieren Caching-SSDs mancher SSD-Hersteller, beispielsweise die Crucial Adrenaline oder SanDisk ReadyCache, die sich mit einer beiliegenden Spezial-Software als Festplattenpuffer einbinden lassen. Außerdem lassen sich mithilfe von PCI-Express-Erweiterungskarten wie dem Highpoint RocketHybrid oder der für Server gedachten Adaptec-Baureihe MaxIQ SSD-Caching-Funktionen nachrüsten.

Abgesehen von der teuren Adaptec-Lösung funktioniert das SSD-Caching in den anderen genannten Fällen nur unter Windows 7 oder 8.

SSD für SSD-Caching

Welche SSD nimmt man am besten für SSD-Caching?

Eine SSD muss für SSD-Caching weder besonders schnell noch besonders groß sein. Im Prinzip reicht ein billiges Exemplar aktueller Bauart mit SATA-Schnittstelle und geringer Speicherkapazität. Intels Smart Response Technology setzt eine SSD mit wenigstens 20 GByte voraus – selbst damit lässt sich schon die volle Beschleunigungswirkung erzielen. Allerdings sind sehr kleine SSDs mit MLC-Chips beim Schreiben mitunter sehr langsam, weshalb die Entscheidung für ein größeres Exemplar oft doch besser ist – übrigens auch wegen des günstigeren Preises pro Gigabyte. Wer nacheinander mehrere Spiele startet, die viele Gigabyte Platz auf der Platte belegen, kann und sollte dem SSD-Cache die maximal von Intel erlaubten 64 GByte zuweisen. Für Notebooks und Kleinst-PCs, die keinen Platz für Zweitlaufwerke im 2,5"-Format bieten, empfehlen sich SSD-Platinen mit mSATA- oder m.2-(NGFF-)Schnittstelle, sofern die passenden Steckplätze dafür auf dem Mainboard vorhanden sind.

Dual-Boot mit SSD-Caching

Kann ich auf der von der Solid-State Disk beschleunigten Festplatte zusätzlich ein anderes Betriebssystem installieren und parallel nutzen?

Die Smart Response Technology funktioniert auch mit einer Festplatte, auf der sich mehrere Windows-Installationen befinden. Der aktuelle RST-Treiber 12.5 unterstützt Windows Vista, 7 und 8 (siehe c’t-Link). Windows XP oder andere Betriebssysteme wie zum Beispiel Linux erkennen den Hybrid-Verbund mangels Treiber nicht und es kommt bei Schreibzugriffen auf die Festplatte zu Datenverlusten. In diesen Fällen sollten Sie auf SSD-Caching verzichten.

Um das Multi-Boot-System mehrerer Windows-Versionen bei einer bestehenden Windows-Installation einzurichten, gehen Sie folgendermaßen vor: Deaktivieren Sie zunächst den SSD-Cache in der Oberfläche des RST-Treibers unter „Leistung/Beschleunigung deaktivieren“. Anschließend können Sie die Festplatte umpartitionieren und ein zweites Windows installieren. Nach dem Einrichten spielen Sie dort den RST-Treiber ein und aktivieren den SSD-Cache unter „Leistung/Gerät auswählen“. Wenn alles richtig funktioniert hat, sollte nach dem nächsten Boot-Vorgang im RST-Treiber der ersten Windows-Installation die Festplatten-Beschleunigung bereits aktiv sein.

Backup mit SSD-Caching

Wie kann ich ein Backup von meiner SSD-gepufferten Systemplatte erstellen?

Übliche Imaging-Programme, die per Live-CD oder bootfähigem USB-Stick außerhalb von Windows arbeiten, erkennen den Hybrid-Verbund nicht, sondern stattdessen lediglich eine normale Festplatte sowie eine unformatierte Solid-State Disk. Legt man mit einem solchen Tool, zum Beispiel Acronis True Image, ein Abbild der Festplatte an und spielt es zu einem späteren Zeitpunkt zurück, dann stimmen die gecachten Daten auf der SSD nicht mit denen auf der Festplatte überein.

Um dennoch ein funktionierendes Image der Festplatte anzulegen, haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie schalten vor dem Backup die SSD-Beschleunigung ab und können dann Ihr gewohntes Tool weiterverwenden. Mit Intels Smart Response Technology können Sie auch die in Windows integrierte Backup-Funktion verwenden (Systemsteuerung > System und Sicherheit > Sichern und Wiederherstellen > Systemabbild erstellen). Dieses Abbild können Sie über die Installations-DVD von Windows zurückspielen, müssen dabei aber den sogenannten F6-Treiber von Intel beispielsweise auf einem USB-Stick bereithalten (siehe c’t-Link). (boi/chh)

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