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FAQ: Schriften und Fonts

Praxis & Tipps | FAQ

Schon beim Namen fängt die Verwirrung an. Heißt es „Font“ oder „Schrift“?
Mit „Schrift“ benennt man einen Satz unterschiedlicher Varianten wie normal (Roman), kursiv (italic), fett (bold) oder fett-kursiv (bold-italic) einer gemeinsamen Form, etwa Garamond oder Futura. Der Schriftname steht dann für die allen Varianten gemeinsame Charakteristik, die Variante für die jeweilige Ausprägung. Im Computerjargon steht „Font“ für die Datei einer Darstellungsvariante: „Times Bold“ wäre also ein Font aus der Schrift „Times“, der die fette Darstellung der Times-Schrift realisiert.
Warum findet man ein und dieselbe Schrift mal unter dem Namen „Jugendstil“ statt „Arnold Böcklin“ oder unter „Bergamo“ oder „Aldine 401“ statt „Bembo“?
Das hat rechtliche Gründe. Die Bembo etwa stammt von Monotype, das identische Schriftaussehen prägt auch die Bergamo von Fontsite oder die Aldine 401 von Bitstream. Da sich aber das Aussehen einer Schrift rechtlich kaum schützen lässt, behelfen sich viele Anbieter und Design-Studios damit, den Namen als Warenzeichen eintragen zu lassen, um so eine Verbreitung durch Konkurrenten zu unterbinden.
Schriften gibt es in vielen Dateiformaten. Welches verdient den Vorzug?
Das hängt vom verwendeten Betriebssystem und der Anwendung ab. Type 1, das älteste, PostScript-eigene Schriftenformat ist in die Jahre gekommen, unter anderem weil es mehrere Dateien pro Font voraussetzt. Moderne, neue Schriften sind kaum noch in PS erhältlich. Je nach Betriebssystem erfolgt die Einbindung von Type-1-Fonts auf unterschiedliche Weise, heute aber selbst unter Linux fast durchgehend ohne Probleme.
Mit Windows kam TrueType auf, das eine leistungsstärkere Optimierung der Zeichendarstellung auf Monitoren oder Druckern mit niedriger Auflösung (Hinting) erlaubt. Anders als Type-1-Schriften lassen sich TrueType-Fonts vom Schriftendesigner gegen das Einbetten in Grafiken oder PDFs schützen.
Das jüngste Format heißt OpenType; es ist plattformunabhängig, eine identische Datei funktioniert also auf Windows-PCs und Macs. Das Format basiert auf der Zeichenbeschreibung nach PostScript- oder TrueType-Manier. OpenType-Schriftarten mit PostScript-Daten tragen die Dateierweiterung .otf; dagegen haben OpenType-Schriftarten, die auf der Grundlage von TrueType-Zeichenbeschreibungen erstellt wurden, die Erweiterung .ttf und zeigen im Windows-Explorer ein Icon mit einem grünen O (Beispiel: Palatino Linotype aus Windows XP). OpenType erlaubt im Vergleich mit Type 1 den größten Zeichenvorrat (Unicode, 65 536 Zeichen) und transportiert sogar typografische Feinheiten wie Ligaturen (zusammengefügte Buchstaben, etwa aus „fi“ oder „fl“). Besondere Varianten wie Kapitälchen oder Expert-Schnitte lassen sich in einer Datei zusammenpacken. Zur Ausgabe auf Papier braucht man keinen PostScript-Drucker, denn das Rastern der Zeichen übernimmt das Betriebssystem.
Ich habe eine komplette Schriften-CD auf meinen Windows-PC kopiert und alle Fonts installiert – nur habe ich das Gefühl, dass seitdem das System länger zum Hochfahren braucht. Täusche ich mich?
Nein, tatsächlich verlangsamen zu viele Schriften den Systemstart, weil jede Font-Datei dabei eingelesen wird. Faustregel: Installieren Sie nicht mehr als etwa 450 Fonts.
Mit einem Freeware-Tool habe ich meinen Text in ein PDF-Dokument umgewandelt. Doch in der Anzeige im Acrobat Reader sind manche Teile des Dokuments in einer falschen Schrift dargestellt, obwohl es in der Textverarbeitung korrekt aussieht.
Beim Erzeugen eines PDF-Dokumentes werden die verwendeten Zeichenbeschreibungen (oder der komplette Font) in die PDF-Datei eingebettet. Doch bei vielen Schriften ist diese PDF-Einbindung nicht erlaubt; das führt zu bösen Überraschungen, wenn statt der erwarteten Schrift einen Ersatzfont wie die Courier erscheint. Eine solche Blockade ließe sich höchstens mit mehr oder weniger illegalen Tools beheben. Die Weitergabe von Dokumenten mit unerlaubt eingebetteten Schriften ist nicht zulässig.
Bevor man aufwendige Sachen gestaltet, lohnt es sich, testweise ein PDF-Dokument zu erzeugen, um zu prüfen, ob der PDF-Export mit Schrifteinbindung funktioniert.
Im konkreten Falle bleibt nur, eine andere Schrift auszusuchen, die der bislang verwendeten möglichst ähnelt (Aussehen, Anmutung, Laufweite etc.) und sich in das PDF einbinden lässt.
In einem für ein Grafikprojekt benötigten Font fehlen die Umlaute. Gibt es eine Methode, sie nachträglich einzubauen?
Für den Notfall kopieren Sie mit einem Font-Editor zunächst die Basis-Zeichen a,o,u sowie A,O und U auf die Positionen der Umlaute (äöü, ÄÖÜ). Dann kopieren Sie den i-Punkt, verkleinern und duplizieren ihn und setzen ihn auf die normalen Buchstaben. Prüfen Sie, ob man den Unterschied zwischen normaler und Umlaut-Variante gut wahrnehmen kann; ansonsten verändern Sie den Abstand zwischen Basiszeichen und den Pünktchen.
Die Fonts der großen Schriftenanbieter kann ich mir nicht leisten. Gibt es kostenlose Fonts?
Zunächst gibt es viele Anbieter, die namhafte und hochwertige Schriften für relativ kleines Geld bereitstellen, etwa Bitstream oder Softmaker. Gratis-Schriften findet man an vielen Stellen im Internet, die sich mittels einer Suche nach den Stichworten „font“, „ttf“ oder „otf“ aufspüren lassen. Doch viele dieser Gratis-Schriften eignen sich kaum dazu, längere Texte damit zu setzen, denn sie sind nicht sorgfältig ausgeglichen (Kerning, die Laufweite der Buchstaben wirkt nicht harmonisch), die Zeichenbelegung ist nicht vollständig (fehlende Umlaute, ß, Euro-Symbol) oder die Darstellung auf dem Monitor sieht unschön aus (Hinting) – was die Lesbarkeit drastisch einschränkt. Für kurze Überschriften oder grafische Arbeiten (Plakate, Collagen) reichen viele Gratis-Schriften aber aus.
Der AMP Fontviewer zeigt installierte wie nicht installierte Schriften an und erlaubt die temporäre oder dauerhafte Installation eines Fonts.
Ich würde gerne schnell sehen, ob ein Font deutsche Umlaute („äöü ÄÖÜ“), das Eszet („ß“) und das Eurozeichen („e“) enthält. Die Systemschriftenanzeige verrät darüber nichts.
Tools wie der AMP-Fontviewer (siehe Soft-Link) zeigen das Aussehen eines wählbaren Mustertextes in der jeweiligen Schrift. Darüber hinaus listen sie die aktuell installierten Fonts übersichtlich auf.
Für ein oft verwendetes Formular setze ich vier verschiedene Symbol-Fonts ein, was die Nutzung nicht gerade erleichtert. Darf ich mit einem Font-Editor die für mich relevanten Zeichen einfach zusammenbauen und zu einem neuen Font kombinieren?
Sofern Sie die Fonts, aus denen Sie die relevanten Zeichen entnehmen wollen, rechtmäßig nutzen dürfen und die zusammengebaute „Schrift“ nicht weitergeben, spricht höchstens dagegen, dass viele Schriftenanbieter solche Manipulationen in ihren lizenzrechtlichen Vorgaben nicht erlauben.
Um ein gedrucktes, vorhandenes Titelblatt digital nachzubauen, suche ich die damals verwendete Schrift. Gibt es so etwas wie eine „Suchmaschine“ für Fonts?
Scannen Sie eine Zeile Text möglichst sauber ein (im Notfall reicht vielleicht eine scharfe Digitalfotografie) und laden Sie dieses Bild zum Server auf http://new.myfonts.com/WhatTheFont/ hoch. Die dort laufende Applikation schlägt nach einer Art OCR die der Suchmaschine bekannten Schriften vor, die dem hochgeladenen Bild am ehesten entsprechen.
Kann ich eigene Zeichen – als TIF-Grafik vorhanden – in einen Font einbauen?
Kein Problem, dazu gibt es Font-Editoren (etwa Font Creator für 79 US-Dollar oder TypeTool von FontLab für 99 US-Dollar), die Grafiken vektorisieren und die Zeichenumrisse in eine Fontdatei einbauen. Damit daraus eine brauchbare Schrift wird, ist aber mehr nötig: Die Zeichen müssen aufeinander abgestimmt werden (Größe, Laufweite, Weißraum), sie müssen auch in geringer Auflösung gut lesbar sein (Hinting) und einen gut lesbaren Zeichenfluss herbeiführen (Pair-Kerning). All dies ist mühevolle Arbeit, die für viele Amateur-Schriften nicht geleistet wird.
Für ein neues Projekt suche ich passende Schriften. Aber in den zig Tausenden, die ich im Netz gesehen habe, war nichts, was mir geeignet erscheint. Wie sucht – und findet – man am besten?
Das geht am einfachsten mit System. Zunächst muss klar sein, für welches Zielmedium die Schrift gedacht ist, also für eine kurze Internet- oder Computer-Präsentation, für eine Firmenbroschüre, für Visitenkarten oder ein Buch; wenn sich die gewählte Schrift etwa nicht in ein PDF einbinden lässt, kommt sie für die Firmenbroschüre nicht in Frage.
Ohne Serifen sehen Schriften moderner und zeitloser aus, sind aber nach Ansicht vieler Fachleute nicht so gut lesbar wie die Serifenschriften. Auch bei den Serifenlosen kann man systematisch differenzieren: Der Kontrast der Optima unterscheidet sich vom Erscheinungsbild der Helvetica (die kaum Variationen der Strichstärke aufweist); die Strichstärke der Franklin Gothic, die sich gut für Überschriften eignet, lässt Texte massiger wirken als bei der konstruiert-gezirkelt wirkenden, schlank und leicht anmutenden Futura.
Zur Darstellung: Was auf dem Papier, in hoher Auflösung gedruckt, noch ganz gut aussieht, macht auf Bildschirm oder Display in relativ niedriger Auflösung vielleicht nicht mehr viel her. Obendrein geht es um die Textmenge, die mit der gewählten Schrift gesetzt werden soll: Knallige Überschriften vertragen schon mal etwas Exotisches, aber schon ein längerer Absatz sollte zuerst gut lesbar sein, erst dann gut aussehen. Die Lesbarkeit wiederum wird von technischen Feinheiten beeinflusst, die zum Teil schon von der Gestaltung der Zeichenform abhängen, zum Teil von der Optimierung für die Ausgabe mit niedriger Auflösung auf Bildschirm oder älterem (Laser-)Drucker (Hinting), zum Teil von der Zurichtung, dem harmonischen Zeichenlauf in der Zeile oder vom Kerning, womit das Zusammenspiel mehrerer Buchstaben (z. B. To, Te) korrigiert wird. Auch die Laufweite – wie breit also eine Schrift läuft, wie viel Text man in einer Zeile unterbringen kann – oder die Versalhöhe, also die Höhe der Buchstaben in der Zeile, spielt eine Rolle. Meist sind die eher traditionell aussehenden Schriften besser für längere Texte geeignet als abgedrehte Typen. Ausprobieren kann man das einerseits mit dem eigenen Namen, eine Buchstaben-Kombination, die man häufig sieht, andererseits mit dem für diesen Zweck häufig verwendeten Wort „Hamburgefonts“ als Vergleichsphrase oder einem längeren Blindtext (z. B. „Lorem ipsum“, siehe Soft-Link).
Von hoher Bedeutung ist das Erscheinungsbild einer Schrift, die „Anmutung“, denn sie transportiert das Image, mit dem der Leser den Autoren des gedruckten Textes verbindet. So kann man einer Schrift verschiedene Eigenschaften zu- oder absprechen, etwa elegant, seriös, modern, fett, leicht, kontraststark, altbacken, traditionell, beschwingt oder eher düster.
Manche Fonts, die an das Erscheinungsbild einer alten Schreibmaschine erinnern, zeigen – praktisch etwa beim Setzen von Tabellen oder beim Ausdrucken von Programm-Listings – bei allen Buchstaben eine identische Zeichenbreite. Bei der Letter Gothic oder der Monospaced beanspruchen schmale Zeichen wie „i“ oder „n“ den gleichen Platz in der Zeile wie die breiten Buchstaben, etwa „m“ oder „w“. Doch nicht alles, was „Typewriter“ (Schreibmaschine) heißt, hat Zeichen einheitlicher Breite.
Auffallendstes Merkmal einer Schrift sind die kleinen Füßchen an den Senkrechten, Serifen genannt – oder ihre Abwesenheit. Serifen-Schriften wie die Garamond oder die Times geben dem Auge des Betrachters beim Lesen mehr Halt in der Zeile. Schriften ohne sie, Serifenlose genannt, wirken – wie die Myriad, mit der die c't gesetzt wird – oft moderner und zeitloser.
Eine Schrift mit deutlich abwechselnder Strichstärke – wie die Bodoni – zeigt einen kräftigeren Kontrast als eine Schrift mit gleich starken Linien, wie etwa die Helvetica. Wird die Strichstärke zu groß, wirkt die Schrift dunkel – wie die Compacta – oder massig wie die Franklin Gothic; während die Bodoni sich für seriöse Zwecke eignet, empfiehlt sich die Franklin Gothic eher für Kapitelüberschriften oder zupackende Angelegenheiten wie das Logo für ein Bauunternehmen.
Eine Suchfunktion nach verschiedenen Aspekten bietet unter anderem die Adobe-Webseite (siehe Soft-Link), wo man etwa nach einer eleganten oder dekorativen Schrift, nach einer für Architektur-Zwecke oder einer gleichlaufenden (Monospaced, z. B. für Tabellen) suchen kann.
Falsche Schrift für falschen Zweck: Das Aussehen eines Schriftzuges wirkt sich auf das transportierte Image aus. Daher wird ein Bankhaus eher nicht zur flippigen „Splash“ greifen (unten), das Plakat für die Abi-Party kaum in der Times Heavy gesetzt …
Will man Teile seines Dokumentes in jeweils unterschiedlichen Schriften setzen, sollte man die Kombination sorgfältig ausprobieren. Grundsätzlich empfiehlt es sich, nicht mehr als zwei unterschiedliche Schriften zu verwenden, die sich obendrein deutlich unterscheiden sollten (zum Beispiel Garamond und Frutiger). Mit den jeweiligen Varianten (fett, kursiv …) lohnt es sich, sparsam umzugehen – ein Schriftenkatalog ist nur in den seltensten Fällen erwünschtes Resultat. (uh [1])
www.ct.de/1106190 [2]

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