Praxis & Tipps | FAQ

Axel Kossel

Smartphone-Navigation

Antworten auf die häufigsten Fragen

Handy oder Navi?

Welche Vor- und Nachteile hat das Smartphone gegenüber einem Saugnapf-Navi?

Wenn Sie bereits ein Smartphone besitzen, ist der Preis der größte Vorteil: Sie sparen sich den Gerätekauf. Andernfalls muss die Kombination aus App und Handy nicht teurer sein als ein Navi: Das beginnt in der Einsteigerklasse ab rund 100 Euro, wofür man auch ein Android-Handy mit kostenloser Navi-App bekommt [1].

Ein großer Vorteil der Smartphones ist die Datenverbindung. Darüber können Navi-Apps Online-Verkehrsinformationen laden, um die aktuell schnellste Route zu berechnen. Das funktioniert viel besser als mit den Verkehrsinformationen, die manche Navis über UKW empfangen (TMC). Zwar gibt es auch Saugnapf-Navis mit Mobilfunk-Modem wie das TomTom Go 5100, das kostet aber knapp 300 Euro inklusive Datenflatrate.

Im Unterschied zum Handy hat kaum ein Navi eine Kamera, die etwa bei einem Unfall sehr nützlich ist. Außerdem kann man nur auf dem Handy zwischen verschiedenen Navi-Apps wählen. Bei manchen Handys ist die Sprachausgabe im Auto zwar leise, dafür lassen sie sich per Bluetooth mit einer Freisprecheinrichtung koppeln.

Aber auch die Navis haben Vorteile: Zu ihrer Grundausstattung zählen Gerätehalter und Ladegerät, die man beim Smartphone mit rund 30 Euro extra bezahlt. Ihre einfacheren Displays lassen sich in direktem Sonnenlicht besser ablesen. Und Navis reagieren in der Regel weniger empfindlich auf Hitze im Auto als viele Handys. Diese regeln dann nämlich den Ladestrom herunter, um den Akku zu schonen, sodass ihnen nach zwei bis drei Stunden der Saft ausgeht.

Handy am Steuer

Kann ich das Handy im Auto überhaupt als Navigationsgerät benutzen? Ich darf es doch während der Fahrt gar nicht bedienen.

Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Sie das Handy während der Fahrt so lange benutzen, wie Sie es hierfür nicht in die Hand nehmen (Paragraf 23, Abs. 1a, StVO). Daher gehört eine Halterung zur Grundausstattung für die Smartphone-Navigation. Denn wenn ein lose in der Mittelkonsole liegendes Gerät verrutscht und Sie es zurücklegen, haben Sie es bereits verbotenerweise in die Hand genommen. Das ist nur erlaubt, wenn das Fahrzeug steht und der Motor aus ist.

Daher sollten Sie unbedingt vor dem Losfahren daran denken, das Handy in die Halterung zu stecken. Dann ist auch der richtige Zeitpunkt, um die Navi-App zu starten und das Ziel einzugeben; während der Fahrt lenkt dies zu sehr ab. Selbst einfache Einstellungen wie Tag/Nacht-Modus sind bei manchen Programmen so fummelig, dass man sie nur im Stehen ändern sollte.

App-Wahl

Welche Navi-App soll ich nehmen?

Für gelegentliche Nutzung reichen bereits die Online-Navis, die bei Android und iOS dabei sein. Sie laden aber unterwegs gelegentlich Daten nach, was im Ausland je nach Tarif schnell teuer werden kann. Die Offline-Navigation Nokia Here gibt es für Android, iOS und Windows Phone kostenlos. Damit kann man kompakte Karten hoher Qualität für einzelne Länder und Regionen vorab aufs Handy laden. Außerdem nutzt die App Online-Verkehrsinformationen. Das tut auch die Offline-Navi-App Scout für 11 Euro. Sie nutzt die in Deutschland sehr aktuellen OpenStreetMap-Karten und bindet für weitere 4 Euro von Blitzer.de die Warnungen vor Radarfallen ein.

Nokia Here und Scout lassen wenig Wünsche offen. Die besten Online-Verkehrsinformationen hat unseren Erfahrungen nach allerdings TomTom, das unter iOS 55 bis 70 Euro kostet, wobei man die Verkehrsinfos für 24 Euro im Jahr zusätzlich abonnieren muss. Unter Android hat TomTom hingegen bereits auf ein günstigeres Abo-Modell umgestellt, bei dem man ab 15 Euro im Jahr alle Funktionen nutzen kann.

Platzsuche

Wo soll ich das Smartphone am besten anbringen?

Während Saugnapf-Navis häufig an der Frontscheibe befestigt werden, eignet sich dieser Platz für Smartphones nicht so gut. Denn durch die direkte Sonneneinstrahlung erhitzt sich das Gerät stark. Das kann wie erwähnt zu kurzen Laufzeiten führen. Im schlimmsten Fall bricht sogar die Navigation ab und lässt sich erst wieder starten, wenn das Gerät abgekühlt ist. Daher bringen Sie das Handy am besten über den Lüftungsschlitzen an, um es über die Klimaanlage kühlen zu können.

Das klappt noch besser, wenn Sie eine Halterung direkt am Gitter einer der mittleren Lüftungsdüse befestigen; dort bekommt das Handy auch nicht so viel Sonne ab. Prüfen Sie jedoch vor dem Einbau, ob die Klammern der Halterung nicht zu dick für das Lüftungsgitter sind. Dieses kann sonst Schaden nehmen und Ersatz ist meist teuer. Falls Sie die Halterung auf dem Armaturenbrett anbringen, müssen Sie unbedingt darauf achten, genügend Abstand zum Beifahrer-Airbag zu halten.

Blitzerwarner

Meine Navi-App warnt vor mobilen und stationären Blitzern. Darf ich diese Funktion in Deutschland nutzen?

Die Radarwarn-Funktion ist leider immer noch eine rechtliche Grauzone. Einige Juristen halten sie für illegal, da es in der StVO (Paragraf 23, Abs. 1b) heißt: „Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen …“ Andere argumentieren, das Handy sei gar nicht „dafür bestimmt“, Radarfallen anzuzeigen, dies sei nur eine Zusatzfunktion.

Knackpunkt ist derzeit die schwierige Nachweisbarkeit: Die meisten Juristen sind sich einig, dass eine Durchsuchung des Handys oder gar die Beschlagnahme nicht verhältnismäßig seien. Wer sich also nicht gerade mit piepsender und blinkender App erwischen lässt, muss kein Bußgeld befürchten. Um auf Nummer sicher zu gehen, deaktiviert man die Funktion. (ad@ct.de)

Literatur
  1. [1] Achim Barczok, Daniel Wagner, Günstige Begleiter, Sechs Smartphones unter 120 Euro, c’t 18/15, S. 92

Artikel kostenlos herunterladen

weiterführende Links

Kommentare

Anzeige
Anzeige