Praxis & Tipps | FAQ

Peter Siering

Support-Ende für Windows XP

Antworten auf die häufigsten Fragen

Die Details

Was bedeutet es, dass Microsoft den Support einstellt?

Am 8. April 2014 will Microsoft letztmalig Sicherheits-Updates für Windows XP liefern. Weitere sind allenfalls für den Fall vorgesehen, dass diese Korrekturen ihrerseits eine Fehlerbehebung benötigen.

Danach versiegt die kostenlose Quelle. Wer dennoch Updates benötigt, kann Microsoft dafür bezahlen. Folgende Details sind dazu bekannt: Diese Art Support ist sehr teuer, auf zwei Jahre begrenzt und nur erhältlich, wenn der Kunde einen Plan zur Migration weg von XP vorlegt.

Windows XP gratis?

Wenn Microsoft jeglichen Support einstellt, kann ich XP dann kostenlos kopieren, wird es gar zur Freeware?

Nein, das steht nicht an. Microsoft gibt seine Rechte an dem Betriebssystem nicht auf. Für die Weitergabe gelten die gleichen Bedingungen wie für jede kommerzielle Software: Eine vollständige Übertragung aller Lizenzbestandteile an einen neuen Nutzer ist rechtlich einwandfrei möglich, das Anfertigen von Kopien hingegen nicht.

Aktivierungszwang

Schaltet Microsoft die Server ab, die nach der (Neu-)Installation über die Aktivierung einen dauerhaften Betrieb erlauben?

Microsoft will die Aktivierungsdienste weiter anbieten. Ein offizieller Patch, der diese lästige Pflicht abschaffen würde und der immer wieder in Gerüchten auftaucht, bleibt sehr unwahrscheinlich.

Updates aufbewahren

Wie kann ich die so weit verfügbaren Updates auch für den Fall aufbewahren, dass Microsoft sie nicht mehr zum Download anbietet und ich XP neu installieren muss?

Hierfür bietet sich das von Torsten Wittrock entwickelte WSUS Offline Update an. Es sammelt alle vorhandenen Updates ein und erstellt ein ISO-Image oder bespielt einen USB-Stick. Auf diese Weise können Sie ein frisch installiertes XP sogar mit Updates versorgen, ohne es mit dem Internet verbinden zu müssen.

Ein entsprechendes Medium sollten Sie sich beizeiten zur Seite legen, falls Microsofts Server irgendwann die vom WSUS Offline Update benötigten Daten nicht mehr liefern mag. Wie lang diese Daten bereitstehen werden, konnte Microsoft bis Redaktionsschluss nicht sagen.

Gefahrenlage

Warum nehmen die Gefahren nach dem 8. April zu?

Die Sicherheits-Updates für neuere, weiter unterstützte Windows-Versionen, die monatlich erscheinen, könnten Hinweise auf Lücken auch in Windows XP enthalten. Dort schließt sie niemand mehr. Das heißt, die Anzahl der ausnutzbaren Lücken nimmt zu, die Angriffsfläche wird also immer größer.

Schutzmaßnahmen

Wie kann ich eine XP-Installation schützen?

Der wichtigste Schritt ist es, den Datenaustausch mit dem Internet zu unterbinden: Ziehen Sie den Netzwerkstecker oder verfrachten Sie die Installation in ein eigenes Netz oder in eine virtuelle Maschine, die ohne Netzwerkkarte eingerichtet ist (siehe c‘t 6/14, S. 122 und 128).

Wenn Sie partout Dokumente mit der Welt austauschen müssen, untersuchen Sie diese zunächst gründlich auf einem anderen, aktuellen System, das mit aktueller Sicherheitssoftware ausgestattet ist. Nutzen Sie einen ansonsten leeren USB-Stick für den Datenaustausch.

Umsteigen

Wie kann ich am einfachsten auf ein modernes Windows umsteigen?

Ein Upgrade, bei dem installierte Anwendungen und Daten erhalten bleiben, ist immer nur zu der nächstneueren Windows-Variante vorgesehen. Das heißt, Sie können von Windows XP auf Windows 8.1 nur über ein Upgrade auf Windows Vista, dann auf Windows 7, anschließend auf Windows 8 und schließlich 8.1 umsteigen.

Sie können den Prozess, der eine Lizenz für alle unterwegs benutzten Windows-Versionen erfordert, abkürzen: Kostenlos erhältliche Programme wie Easy Transfer von Microsoft oder PC-Mover Express von Laplink übertragen Einstellungen und Daten. Kostenpflichtige Brüder kopieren auch Programminstallationen. Perfekte Resultate können Sie aber bei keinem Verfahren erwarten (siehe c‘t 8/14, S. 168).

Alte Anwendungen

Laufen alte Anwendungen unter neuen Windows-Versionen?

Ansprüche an den Hersteller einer Software, die „nur“ für XP gedacht war, kann man zwar nicht geltend machen, unserer Erfahrung nach laufen aber auch sehr alte Windows-Programme noch unter aktuellen Windows-Versionen. Es gibt allerdings ein paar Einschränkungen: 16-Bit-Windows-Programme (aus der Zeit von Windows 3.1) laufen nicht in 64-Bit-Umgebungen.

Aus diesem Grund lässt sich manches Programm auch nicht in einer 64-Bit-Windows-Umgebung installieren: Es selbst ist zwar schon eine 32-Bit-Anwendung (die problemlos in einer 64-Bit-Umgebung läuft), seine Installationsroutine ist aber noch ein 16-Bit-Programm. Windows enthält für die gängigsten 16-Bit-Installer eine Emulation, aber nicht für alle.

Lässt sich ein Programm nicht unter einer aktuellen Windows-Version installieren, hilft oftmals das Kopieren der Programmdateien aus einer lauffähigen Installation. Fehlende DLLs reklamiert es und man kann sie nach und nach übertragen. Für ganz hartnäckige Fälle empfiehlt sich eine virtuelle Maschine mit dem alten Betriebssystem.

Support von Microsoft

Kann man Microsoft nicht dazu zwingen, weiter Support zu leisten?

Die Rechtslage gibt dafür wenig her: Bei einer Software kann der Käufer erhebliche Gebrauchseinschränkungen als Produktmangel im Rahmen der Gewährleistung reklamieren. Da Windows XP schon seit Jahren nicht mehr verkauft wird, sind die Fristen dafür aber längst abgelaufen.

Und: Vertragspartner für die meisten XP-Nutzer ist nicht Microsoft, sondern der Händler, bei dem sie die XP-Lizenz erworben haben. Gegenüber Microsoft haben sie also keine daraus konstruierbaren Ansprüche.

Auch im Rahmen der Produkthaftung ist kein Anspruch auf fortgesetzten Support abzuleiten: Dafür müsste XP einen groben Fehler enthalten, der erhebliche Schäden verursacht. Lücken in einer Software gehören zum Betriebsrisiko wie ein platter Reifen an einem Fahrzeug.

Treiber für alte Geräte

Ich habe einen alten Scanner, für den ich schon für Windows 7 keine Treiber mehr finde. Muss ich das Gerät wegwerfen, wenn ich auf ein neues Windows umsteige?

Nein. Prüfen Sie zunächst, ob es nicht Treiber für Windows Vista gegeben hat. Die versehen unserer Erfahrung nach oft auch in modernen Windows-Versionen ihren Dienst. Das gleiche gilt bei Treiber für Windows 7 unter 8 und 8.1. Einen Strich durch die Rechnung könnte Ihnen die Architektur machen: ein 32-Bit-Treiber funktioniert in der Regel nicht in einer 64-Bit-Windows-Version.

Sollten Sie partout keinen Treiber auftreiben können, hilft womöglich auch hier eine virtuelle Maschine (VM) mit XP darin. Sie können einzelne USB-Geräte in eine VM mit einem älteren Betriebssystem hineinreichen und dort die bewährten Treiber einsetzen. Für den Datenaustausch sollten Sie die Funktionen der Virtualisierungssoftware verwenden, nicht jedoch reguläre Netzwerkfunktionen (siehe c‘t 6/14, S. 122).

Virenscanner-Schutz

Microsoft liefert doch weiter Updates für seine Security Essentials. Reicht denn ein Virenscanner als Schutz nicht aus?

Ein Virenscanner schließt keine Sicherheitslücken. Die Software merkt es tendenziell auch nicht, wenn eine konkrete Lücke ausgenutzt wird. Sie erkennt bekannte Schadsoftware und versucht verdächtige Vorgänge im PC zu registrieren. (ps)

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