FAQ: Unified Extensible Firmware Interface

Praxis & Tipps | FAQ

Welche Vorteile bringt UEFI dem Nutzer? Sollte ich als PC-Bastler UEFI verwenden?
Der wichtigste Grund für UEFI ist bisher, dass die Windows-Systempartition damit auf einer Festplatte oder einem RAID mit mehr als 2,2 TByte Kapazität liegen kann. Ausschließlich die UEFI-Installation eines 64-Bit-Windows findet seine Systempartition auf einer Festplatte mit GUID-Partitionstabelle (GPT) – und mit Master Boot Record (MBR) ist bei 232 Sektoren à 512 Byte Schluss. Zwar gibt es Behelfslösungen, um Windows auch auf MBR-Festplatten mit 3 TByte oder mehr zu zwingen, doch von solchen Krücken raten wir dringend ab. Als reine Datenlager lassen sich GPT-Festplatten auch mit (32-Bit-)Windows seit Vista im BIOS-Modus nutzen.
Theoretisch bringt UEFI weitere Vorteile, doch diese sind vor allem für Firmware-Programmierer attraktiv. Intel und Microsoft behaupten, per UEFI ließe sich die Boot-Dauer verkürzen, aber das hängt vor allem vom Geschick der Firmware-Programmierer ab und gilt längst nicht für jedes Mainboard. Einige Boards bieten dank UEFI bunte, mausbedienbare „BIOS“-Setups. Diese sind aber selten wesentlich verständlicher aufgebaut als Text-Menüs. UEFI hat auch Nachteile: Die parallele Installation mehrerer Betriebssysteme ist beispielsweise komplizierter und System Encryption mit TrueCrypt funktioniert bisher nicht. Beim Kauf neuer PCs oder Mainboards, die man später aufrüsten will, ist es aber ratsam, auf UEFI-taugliche Firmware zu achten.
Kann ich Linux und Windows auf dieselbe Platte im UEFI-Modus installieren?
Das hängt von der jeweiligen Linux-Distribution ab. Im c’t-Labor hat es mit Ubuntu 11.10 und Fedora 16 geklappt. Die Bootloader der verschiedenen Betriebssysteme liegen dann auf der EFI System Partition (ESP). Beim Setup schreiben die Installationsroutinen der Betriebssysteme Verweise auf ihre Bootloader in den batteriegepufferten „NVRAM“-Speicher der UEFI-Firmware. Die Auswahl des jeweils gewünschten Betriebssystems erfolgt beim PC-Start über ein Menü, welches die Mainboard-Firmware einblendet. Beim Ausbau der Pufferbatterie oder nach Umsetzen des „Clear-CMOS“-Jumpers verschwinden die Bootloader-Verweise. Die Setup-DVD von Windows 7 kann – im UEFI-Modus gestartet – diese Panne in Bezug auf Windows reparieren, mit Linux-Distributionen liegen uns noch keine Erfahrungen vor.
Kann ich 32-Bit-Windows auf einem Mainboard mit UEFI installieren?
Ja: Alle uns bisher bekannten Mainboards, Desktop-PCs und Notebooks mit UEFI-Firmware laden beim Systemstart zumindest optional ein sogenanntes Compatibility Support Module (CSM) und sind dann BIOS-kompatibel. Sie können allerdings kein 32-Bit-Windows auf dieselbe Festplatte packen wie ein im UEFI-Modus installiertes 64-Bit-Windows, weil Letzteres verlangt, dass die Systempartition auf einem GPT-Datenträger liegt, was Ersteres nicht unterstützt.
Ich habe wie in c’t 13/11 (S. 135) beschrieben den Inhalt der 64-Bit-Windows-7-DVD auf einen USB-Stick gepackt, um davon booten zu können. Das klappt nur im BIOS-Modus – wie geht es mit UEFI?
Auf Ihrem Stick finden Sie im Unterverzeichnis \efi\microsoft\boot zwar (U)EFI-Bootloader, doch stammen die von der DVD und können ausschließlich optische Laufwerke booten. Außerdem fehlt der zum UEFI-Start nötige Bootloader für den jeweiligen CPU-Typ (hier: x64), der im Unterverzeichnis \efi\boot liegen muss – die Bootloader für DVDs kommen dank eines Tricks ohne aus.
Falls Sie Zugriff auf einen PC mit einer x64-Version von Windows 7 haben, brauchen Sie den fehlenden Bootloader nur auf den Stick zu kopieren und umzubenennen: Suchen Sie auf der Systempartition unter Windows\Boot\Efi nach der Datei bootmgfw.efi. Diese kopieren Sie auf den Stick in den Ordner \efi\boot und bennen sie um in bootx64.efi – fertig. UEFI-Firmware unterscheidet dabei nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben.
Die Datei bootmgfw.efi lässt sich auch aus einer x64-Windows-7-DVD extrahieren: Sie steckt im Unterverzeichnis \sources im Archiv Install.wim, das sich beispielsweise mit dem kostenlosen (Ent-)Packprogramm 7-Zip öffnen lässt. Die gesuchte Datei liegt dann im Unterverzeichnis „1“, also unter \sources\install.wim\1\Windows\Boot\EFI\.
Bei UEFI-Rechnern wählt man das Betriebssystem per Firmware-Menü.
Um das Windows-Setup vom USB-Stick im UEFI-Modus zu starten, müssen Sie üblicherweise explizit den UEFI-Boot-Modus über das Boot-Select-Menü der Firmware wählen, weil sonst der BIOS-kompatible Bootloader startet. Ob der UEFI-Start geklappt hat, erfahren Sie so: Richten Sie zuerst die Systempartition ein, klicken Sie dann aber nicht auf „Weiter“, sondern öffnen Sie mit der Tastenkombination Umschalt+F10 eine Eingabeaufforderung. Darin tippen Sie den Befehl diskpart ein. Zeigt der anschließende Befehl list disk ein Sternchensymbol in der Spalte „GPT“, hat das Setup der Platte mit der Systempartition eine GUID-Partitionstabelle verpasst und das Setup-Programm läuft höchstwahrscheinlich im UEFI-Modus.
Angeblich gibt es UEFI-taugliche Mainboards schon seit Jahren. Wie bekommt man heraus, ob das eigene dazugehört?
Erste Anlaufstelle wäre der Mainboard- oder PC-Hersteller beziehungsweise Handbuch oder Datenblatt. Ist dort keine Auskunft zu finden, lohnt ein Blick ins BIOS-Setup (eigentlich ja nun Firmware-Setup): Findet sich dort eine Option für den Start im UEFI-Modus, ist das ein gutes Zeichen – falls nicht Bugs den erfolgreichen UEFI-Start verhindern.
Es gibt auch Firmwares, die UEFI-Bootmedien vollautomatisch erkennen, also ohne jegliche manuelle Eingriffsmöglichkeit. Hier können Sie etwa mit einer Windows-7-Setup-DVD ausprobieren, ob der UEFI-Start gelingt. (ciw)

Anzeige