Praxis & Tipps | FAQ

Jan-Keno Janssen

Virtual Reality: Oculus Rift und Co.

Antworten auf die häufigsten Fragen

Rift kaufen

Wann kommt die Oculus Rift in die Läden?

Darüber schweigt sich der Hersteller Oculus VR noch aus – bislang gibt es keinen offiziellen Termin zum Verkaufsstart der Consumer-Version. „Erhältlich“ ist die Rift-Brille bereits seit Anfang April 2013: Ab diesem Zeitpunkt lieferte Oculus VR die erste Entwickler-Version der Brille aus („DK1, also Developer Kit 1“). Seit Mitte März 2014 kann man das DK1 nicht mehr bestellen, sondern nur noch die verbesserte DK-2-Version. Diese soll im Juli ausgeliefert werden. Während das DK1 noch 300 US-Dollar gekostet hat, nimmt Oculus für die zweite Entwicklerversion 350 Dollar. Deutsche Besteller müssen inklusive Steuern und Versand 481 Dollar (rund 350 Euro) bezahlen. Oculus VR fragt bei der Bestellung übrigens nicht explizit nach, ob man für die Brille tatsächlich Software bauen will. Man muss lediglich abnicken, dass man verstanden hat, dass es sich um ein Entwickler-Gerät handelt.

Software-Angebot

Kann man denn mit der Entwicklerversion überhaupt schon etwas anfangen? Gibt es fertige Software?

Im Internet finden sich Hunderte Programme für die Rift – die meisten davon sind kleinere „Experiences“ wie zum Beispiel Achterbahnfahrten. Außerdem gibt es viele Spiele von Independent-Entwicklern. Große, kommerzielle Titel sind noch rar gesät. Mit Hilfe von Spezialtreibern (zum Beispiel dem kostenlosen Vireio Perception oder dem 30 Euro teuren VorpX) lassen sich beliebige Direct3D-Programme in die virtuelle Realität umsetzen. Das funktioniert gut, führt aber oft zu Übelkeit.

Lieber warten?

Soll ich ein DK1 auf eBay kaufen oder lieber auf das DK2 oder sogar die Consumer-Version warten?

Die zweite Entwicklerversion (DK2) ist der ersten Variante haushoch überlegen: Statt eines LC-Displays mit 1280 × 800 Bildpunkten hat sie ein OLED-Display mit 1920 × 1080 Pixeln. Dank „Low Persistence“ und kurzer Schaltzeiten stören bei schnellen Kopfbewegungen keine Matscheffekte mehr. Außerdem erkennt der DK2-Headtracker außer Kopfdrehung und -neigung auch die Position im Raum. Dafür sind an der Brille Infrarot-LEDs angebracht, die von einer mitgelieferten Kamera erfasst werden. Wie sich das DK2 von der Consumer-Version der Oculus Rift unterscheidet, ist noch unklar – genau wie der offizielle Erscheinungstermin. Genug Geld für eine schnelle Markteinführung besitzt Oculus auf jeden Fall: Die Firma wurde Ende März für rund 2 Milliarden US-Dollar von Facebook gekauft.

Facebook-Zwang?

Ich mag Facebook nicht. Wie stark ist die Rift-Brille mit dem sozialen Netzwerk verbandelt?

Facebook hat Oculus VR komplett geschluckt. Laut Oculus-Gründer Palmer Luckey wird sich Facebook aber nicht einmischen, sondern die Hard- und Software-Entwicklung weiter laufen lassen wie ursprünglich von Oculus geplant. Luckey versprach zudem, dass es keinen Facebook-Login-Zwang bei Oculus-Software geben wird. Ob das wirklich alles so eintritt, muss man abwarten.

Grün im Gesicht

Im Zusammenhang mit Virtual Reality höre ich öfter den Begriff „Simulator-Krankheit“. Ist das wirklich ein Problem?

Leider ja – unserer Meinung nach steckt darin auch der Hauptgrund, warum das Consumer-Modell der Rift noch nicht auf dem Markt ist. Mit der ersten Entwicklerversion, die wir intensiv getestet haben, fühlten sich die meisten Testpersonen nach einigen Minuten sehr schlecht – zumindest bei einigen Spielen. Die Symptome sind mit der Seekrankheit vergleichbar und auch die Ursache ist ähnlich: Sowohl bei der Simulator- als auch bei der Seekrankheit melden Körper und Sinnesorgane widersprüchliche Informationen. Nach einem kurzen Test der zweiten Entwicklerversion auf der CES in Las Vegas gehen wir davon aus, dass die neue Hardwarevariante weniger auf den Magen schlägt: Das schnelle OLED-Display hat weniger Latenz und weniger Nachzieheffekte, außerdem erleichtert das Tracking der Raumposition dem Gehirn, die künstlichen Sinneseindrücke anzunehmen.

Die Heftigkeit der Simulator-Krankheit hat auch viel mit der verwendeten Software zu tun. Ego-Shooter sind besonders problematisch, Spiele wie „Ciess“ bereiteten in unseren Tests hingegen keinerlei Probleme.

Nur Oculus Rift?

Ich höre immer nur von dieser Oculus Rift. Gibt es keine anderen Produkte für Virtual Reality?

Am PC ist die Oculus Rift zurzeit das einzige ernsthafte Virtual-Reality-Gerät. Es sind zwar auch noch andere Videobrillen auf dem Markt (zum Beispiel die HMZ-T-Serie von Sony und der Zeiss Cinemizer), diese bieten aber ein viel kleineres Gesichtsfeld als die Oculus Rift. Auch fehlt dort ein Headtracker, um die Kopfbewegungen des Benutzers in die virtuelle Welt umzusetzen. Zeiss bietet zumindest einen Headtracker als Zubehör an.

Sony hat für seine Spielkonsole PlayStation 4 auf der Entwicklerkonferenz GDC ebenfalls eine Virtual-Reality-Brille mit dem Arbeitstitel „Project Morpheus“ gezeigt – ein fertiges Produkt wird es aber laut Sony in diesem Jahr nicht geben.

Virtual Reality funktioniert auch mit dem Smartphone: Dafür muss man das Telefon in ein Gestell mit zwei Lupenlinsen einspannen, die Headtracker-Funktionen übernehmen hier das Gyroskop und der Beschleunigungssensor des Smartphones. Ein passendes Gestell kann man mit dem 3D-Drucker ausdrucken („OpenDive“, siehe c’t-Link) oder sogar fertig kaufen: Das Durovis-Dive-Gestell aus Kunststoff kostet 57 Euro, das Pappgestell Refugio 3D gibt es als Bausatz schon für 20 Euro. Für Android und iOS sind Dutzende kompatible Virtual-Reality-Apps erhältlich. (jkj)

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