Mainboard mit „Dehumidifier“

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Im BIOS-Setup meines Mainboards der Marke Asrock finde ich Optionen für einen „Dehumidifier“ – bedeutet das „Entfeuchter“? Ich habe mir das Board angesehen, finde aber keinen. Wozu wäre so etwas überhaupt gut?

Ja, Asrock meint tatsächlich Entfeuchter. Zusätzliche Bauteile braucht das Board dafür nicht, es nutzt lediglich eine spezielle Weck-Funktion.

Diese verhilft den Boards unter Umständen tatsächlich zu höherer Lebensdauer, da elektronische Baugruppen keine Feuchtigkeit vertragen. Gängige PC-Hardware ist zum Betrieb bei Temperaturen zwischen 5 und 35 °C bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 10 und 95 Prozent ausgelegt – jedoch darf der Wasserdampf nicht kondensieren. Vereinfacht gesagt gilt: Je wärmer die Luft, desto mehr Wasser kann sie aufnehmen. Kühlt sie ab, hält sie immer weniger Wasser und gibt es ab (Taupunkt) – so beschlagen Oberflächen, die kühler als die Luft sind. An Metallen kristallisieren Salze aus, wodurch es zur schädlichen Oxydation kommt. In tropischen Ländern und nahe am Meer kommt das häufig vor, bei Kälte auch hierzulande – etwa in ungeheizten Kellerräumen, in die warme, wasserhaltige Luft hinabsinkt. In Wohnräumen hierzulande ist die Funktion kaum jemals sinnvoll.

Im laufenden PC-Betrieb ist Luftfeuchtigkeit selten problematisch, weil die Abwärme der Komponenten die Luft im Gehäuse erwärmt, sodass sie Wasser aufnimmt. Die Ventilatoren blasen diese Luft raus, sodass die Luftfeuchtigkeit nicht im Gehäuse kondensieren kann. Wenn der PC ausgeschaltet wird oder die Komponenten in den Energiesparmodus beziehungsweise Standby wechseln (Soft-off, ACPI S5), produzieren sie keine Abwärme mehr. Dann kann Luftfeuchtigkeit kondensieren.

Die „Dehumidifier“-Funktion von Asrock mindert dieses Risiko ganz einfach: Sie weckt den PC aus den Modi ACPI S4 oder S5 im Abstand von einigen Stunden für jeweils wenige Minuten auf und heizt. Dazu arbeiten lediglich die CPU und der Lüfter; das Betriebssystem startet nicht. Je nach BIOS-Setup sind Intervall, Betriebsdauer und Lüfterdrehzahlen einstellbar.

Auch andere Mainboard-Hersteller werben mit Schutzmaßnahmen gegen Kondenswasser. In manchen „Ultra Durable“-Mainboards verwendet Gigabyte beispielsweise ein dichter gewobenes Fasergewebe für das Platinenmaterial, welches weniger Feuchtigkeit eindringen lässt. Auch die Drosselspulen (Ferrite Chokes) in den Spannungswandlerschaltungen sollen besser gegen Korrosion geschützt sein als bei anderen Boards – genau wie ATX-Blenden aus Edelstahl, die Asus manchen Mainboards beilegt.

Aber auch zu geringe Luftfeuchtigkeit ist kritisch, weil dann das Risiko für elektrostatische Entladungen (ESD) wächst – diese können ebenfalls Bauteile schädigen. Server-Räume in Rechenzentren werden daher meistens nicht bloß gekühlt. Dort regelt eine Klimaanlage sowohl Temperatur als auch Luftfeuchte. (ciw)

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