Netzwerkaufbau in Betrieben nur mit Meisterbrief?

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Braucht man in Deutschland eigentlich einen Meisterbrief, um ein Netzwerk für ein Betrieb aufzubauen? Die Handwerkskammer Mannheim behauptet, dass ich einen benötige. Ich habe einen Elektriker-Beruf gelernt und mich zum staatlich geprüften Elektrotechniker weitergebildet, besitze einen Ausbilderschein und studiere Telekomunikationsinformatik. Um den Meisterbrief zu bekommen, soll ich nun Kurse besuchen, die über 5000 Mark kosten. Nicht einmal meine BWL-Scheine vom Studium wollen sie anerkennen.
Nach deutschem Recht dürfen die Handwerkskammern auf den Meisterbrief pochen. In der Vergangenheit schreckten die Kammern auch vor Abmahnungen gegen langjährig bestehende PC-Shops nicht zurück. Diese Praxis ist jedoch stark umstritten und führte wiederholt zu heftigen Protesten von Verbänden und Politikern (siehe c't 9/98, S.16, 5/98, S.16, 3/00, S. 44, 11/00, S. 25, 2/01, S. 53 ). Mittlerweile führen die Kammern den Meisterbrief vor allem gegen Existenzgründer ins Feld, die einen Gewerbebetrieb aufbauen wollen.

In der 1998 verabschiedeten neuen Handwerksordnung hat sich der Staat jedoch auf einen Kompromiss mit den Handwerksvertretern verständigt. Seither sind Reparaturen und Vernetzungen auf der Basis vorgefertigter Bauteile (Komponententausch) grundsätzlich gestattet. Die neue Handwerksordnung lässt den Kammern jedoch erheblichen Interpretationsspielraum. Besonders im Bereich der Vernetzungen gibt es immer wieder Beschwerden von Gewerbetreibenden, die berichten, dass die Kammern nicht bereit sind, von ihrer gewohnten Praxis abzuweichen.

Wer Schwierigkeiten mit einer Handwerkskammer hat, sollte deshalb unverbindlich bei der Aktion Gewerbefreiheit um Rat fragen. Der Zusammenschluss aus Gewerbetreibenden und Handwerksexperten plant auch, einen Musterprozess zu führen, wenn sich der Konflikt mit den Kammern zuspitzt. (em)

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