PC-Beruhigung mit Antischall

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Mittlerweile bieten Hersteller wie Sennheiser, Bose oder Philips Kopfhörer mit aktiver Lärmdämpfung an. Diese Gegen- oder Antischall-Technik müsste sich doch auch zur Geräuschminderung beim PC einsetzen lassen: Eine Soundkarte ist doch fast immer vorhanden, sodass Software die per Mikrofon aufgenommenen Schallsignale invertieren und über die vorhandenen Lautsprecher ausgeben könnte. Kennen Sie eine solche Lösung?
Leider nicht: Niederfrequenter PC-Lärm lässt sich zwar recht gut mit Antischall-Kopfhöhrern bekämpfen, aber wohl nicht nach dem von Ihnen vorgeschlagenen Prinzip.

Die auch unter den Namen Active Noise Reduction (ANR) oder -Cancellation (ANC) bekannte Gegenschall-Technik funktioniert nur dann mit hörbarem Effekt, wenn sich das Störgeräusch und das invertierte Gegensignal am Empfangsort exakt überlagern - Krach und Antikrach müssen sich also im menschlichen Ohr mit gleicher Amplitude und Phasenlage treffen. Mit gewöhnlichen Lautsprechern lässt sich das kaum erreichen, denn hier schwankt der Abstand zwischen Schall- und Antischallquelle einerseits und den Ohren andererseits. Ein Sonderfall ist möglicherweise der Einsatz in einem Automobil mit zahlreichen (Surround-)Lautsprechern; die nordamerikanische Honda-Automobilmarke Acura verspricht durch ANC eine Lärm-Minderung um 10 dB. Selbst die ursprünglich wohl für Flugzeugpiloten entwickelten ANC-Kopfhörersysteme dämpfen nur monotone und niederfrequente Störgeräuschen wirklich stark - jaulende Computer-Ventilatoren „übertönen“ sie viel schlechter.

Über die Freifeld-Kompensation von Ventilatorenkrach haben sich Forscher von der Brigham-Young-Universität aus Utah Gedanken gemacht (www.physics.byu.edu/research/acoustics/research.aspx) und die Lösung von Scott D. Sommerfeldt zeigt, dass der Aufwand beträchtlich ist: Zur Dämpfung des Krachs eines einzigen 60-Millimeter-Ventilators erzeugen vier rundherum angeordnete 20-mm-Lautsprecher Gegenschall. Diese Anordnung bewirkt praktisch etwa 14 dB Minderung bei der Rotorflügelfrequenz von 600 Hz, das theoretische Dämpfungsmaximum soll dabei ungefähr 30 dB betragen. Professor Krahé von der Bergischen Uni Wuppertal setzt für eine Freifeld-Dämpfung beliebiger Schallquellen 16 Lautsprecher und 16 Mikrofonpaare in konzentrischer Anordnung ein (www.dasp.uni-wuppertal.de/cebit02).

Mit PC-Software und herkömmlichen Soundkarten wäre die Antischall-Erzeugung erfolglos: Die Zeitverzögerungen (Latenzzeiten) zwischen Schallaufnahme und -wiedergabe sind dabei viel zu lang und ungleichmäßig, um ein exakt phasengleiches Gegenschallsignal zu erzeugen. (ciw)

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