RAID-Festplatte im PC

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Ich möchte eine Server-taugliche Festplatte mit Time Limited Error Recovery (TLER) im PC beziehungsweise im USB-Gehäuse ohne RAID nutzen. Kann TLER dabei zu Datenverlust führen und wenn ja, kann man es auch abschalten?

Festplatten mit Time Limited Error Recovery – manchmal auch Error Recovery Control (ERC) oder Command Completion Time Limit (CCTL) genannt – sind normalerweise keine gute Wahl für den Einzelbetrieb. Diese Firmware-Funktionen begrenzen nämlich die Zeit, mit der eine Platte versucht, einen Lesefehler durch wiederholtes Lesen zu korrigieren. Bei einem RAID, welches Daten redundant speichert, beugt diese Funktion Pannen vor: Wenn eine Platte mehrere Sekunden lang nicht antwortet, weil sie einen Sektor einzulesen versucht, bewertet sie der RAID-Hostadapter möglicherweise als defekt. Besser ist es hier, wenn der Hostadapter stattdessen das gesuchte Datum von einem anderen Laufwerk wiederherstellt. Anders im Einzelbetrieb einer Festplatte, also ohne redundante Speicherung: Hier steigert TLER die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lesefehler zu Datenverlust führt.

Bei Bedarf lässt sich TLER aber abschalten. Verwenden Sie dazu die Linux-Version der smartmontools, die Sie beispielsweise auf einer Linux-Live-CD wie grml („Grummel“, siehe c’t-Link) finden. Mit dem Befehl

smartctl -l scterc,0,0 /dev/sda

deaktivieren Sie TLER für die erste Festplatte im System. Um andere Festplatten im System zu erreichen, müssen Sie /dev/sda durch sdb oder sdc und so weiter ersetzen. Als Bestätigung melden die smartmontools anschließend für SCT Error Recovery Control – so heißt das ATA-Kommando zur Konfiguration der TLER-Funktion – bei „Read“ und „Write“ den Wert „disable“.

Interessanterweise unterstützen auch manche nicht explizit als RAID-tauglich beworbene Festplatten das mit ATA-8 ACS eingeführte Kommando SCT Error Recovery Control (ERC), sodass Sie solche Platten auf umgekehrtem Wege nachträglich für den RAID-Betrieb optimieren können. Die Maximalzeit für Lese- und Schreibzugriffe stellen Sie mit den smartmontools in Zehntelsekundenschritten ein. Bei RAID-Festplatten ist dieser Wert normalerweise auf 70 gesetzt – nach sieben Sekunden gibt die Platte also auf, Fehler durch wiederholtes Lesen und Schreiben zu korrigieren. Sofern Ihre Platte SCT ERC unterstützt, nehmen Sie die entsprechende Einstellung mit dem Befehl

smartctl -l scterc,70,70 /dev/sda

vor. TLER alleine macht aus einer gewöhnlichen Festplatte für Desktop-Rechner aber kein richtiges Server- beziehungsweise „Enterprise“-Laufwerk. Letztere sind für Dauerbetrieb ausgelegt und oft auch für schnelle Zugriffe trotz stärkerer Vibrationen, die beim Betrieb vieler Platten in einem gemeinsamen Gehäuse oder Rack auftreten. Außerdem spezifizieren die Festplattenhersteller für typische Server-Platten niedrigere Wahrscheinlichkeiten für unkorrigierbare Lesefehler, was besonders beim Einsatz im RAID 5 die theoretische Zuverlässigkeit des Gesamtsystems steigert. (boi)

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