SSD als Backup-Datenarchiv

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Taugt eine Solid-State Disk eigentlich für die Langzeitspeicherung? Ist sie als Backup-Medium eher besser oder schlechter geeignet als eine herkömmliche Festplatte?

Moderne SSDs sind nicht dafür ausgelegt, Daten möglichst lange zu speichern. Entwicklungsziele sind vielmehr höhere Kapazität, maximale Datentransferraten und kurze Latenzen. Dafür opfern einige SSD-Entwickler bewusst die Fähigkeit zur Langzeitspeicherung – siehe die Präsentationen, die Sie über den c’t-Link unten finden. Vermutlich speichern vorsichtig behandelte, kühl und trocken gelagerte Festplatten deshalb Daten zuverlässiger über längere Zeiträume als SSDs.

In SSDs stecken NAND-Flash-Speicherchips; in deren Datenblättern fanden sich früher Zeiträume von 10 Jahren für die „Data Retention Time“. Für die heute in USB-Speichern, SD-Karten und auch SSDs eingesetzten Multi-Level-Cell-(MLC-)NAND-Flashes mit der hundert- oder tausendfachen Kapazität und viel kleineren Strukturen finden sich keine öffentlichen Datenblätter mehr. Jede einzelne Flash-Zelle speichert ihre Informationen in Form elektrischer Ladungen, die im Laufe der Zeit durch verschiedene Effekte verloren gehen.

Je kleiner die Strukturen werden und je mehr Bits eine einzelne Flash-Zelle speichern muss, desto weniger Elektronen entfallen auf eine Zelle. Dieselben Mechanismen, die beim Beschreiben von Zellen zu deren allmählicher Schädigung führen, reduzieren auch die Datenhaltezeit – mehr Elektronen fließen ab. Eine sehr oft überschriebene SSD verliert ihre Daten also schneller als eine wenig benutzte. Auch die Lagertemperatur spielt eine wichtige Rolle.

Durch bessere Fehlerkorrektur und andere Maßnahmen könnten SSD-Entwickler die Datenerhaltungszeit wieder verlängern. Doch der JEDEC-Standard JESD218 verlangt von SSDs für Client-Rechner (Desktop-PCs und Notebooks) nur ein Jahr Datenerhaltung im stromlosen Zustand bei 30 °C. Server-SSDs müssen das lediglich 3 Monate lang schaffen, dafür bei 40 °C. Intel verweist in einigen SSD-Spezifikationen auf den JESD218. Toshiba nennt davon abweichend für SSDs „drei bis fünf Jahre“ Datenerhaltungszeit, also ebenso lange, wie „man es auch für Festplatten allgemein erwartet“. Spezielle SSDs mit längeren zugesicherten Speicherzeiten sind uns nicht bekannt. Auch die Hersteller von USB-Sticks und SD-Karten lassen sich bei den meisten Produkten nicht auf konkrete Angaben zur Datenerhaltung festnageln. Zu den Ausnahmen gehört der Memory Vault von Sandisk, der aber kaum noch erhältlich ist. (ciw)

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