Turbo Boost unter Linux

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Funktioniert das automatische und dynamische Hochtakten von Intels Core-i5/i7-Prozessoren auch mit Linux?
Bei vielen in den vergangenen Monaten vorgestellten Linux-Distributionen – etwa Fedora 11, Ubuntu 9.04 sowie Red Hat/CentOS 4.7 und 5.3 und deren Nachfolger – arbeitet Turbo Boost schon in der Standardkonfiguration. Es fehlen bislang aber Programme, mit denen man die korrekte Funktion auf die Schnelle verifizieren kann; das aber empfiehlt sich, denn schon kleine Konfigurationsfehler können das dynamische Hochtakten von Intels neuen Prozessoren verhindern.
Einige über Kommandozeilentricks auslesbare Werte lassen darauf schließen, dass Turbo Boost auf diesem System arbeitet.
Dies funktioniert nur, wenn auch bestimmte Stromsparfunktionen aktiv sind und einzelne Kerne in Tiefschlaf fallen können. Dazu wiederum müssen im BIOS-Setup mehrere Optionen freigeschaltet sein: nicht nur die (manchmal auch Turbo Mode genannte) Turbo-Boost-Funktion selbst, sondern auch die Enhanced Intel Speedstep Technology (EIST) und die tiefen CPU-Schlafmodi (Deep C-States, C3, C4 oder C6, mindestens C3). In den BIOS-Setup-Voreinstellungen von Mainboards ist das meistens, aber nicht immer der Fall.
Ferner sollte der eingesetzte Linux-Kernel möglichst aus dem Jahre 2009 stammen und ACPI, Cpufreq und Cpuidle nutzen. Um das Hoch- und Runtertakten des Prozessors muss sich ein Kernel-eigener Cpufreq-Governor kümmern – etwa „Ondemand“ oder „Performance“. Bei Mainstream-Distributionen ist all das und einiges Weitere meist der Fall. Einige Hardware-Monitoring-Programme oder Panel-Applets zur Anzeige oder Konfiguration der Prozessor-Taktstufen bringen dies fragile Gefüge aber durcheinander, daher lässt man von diesen im Zweifel besser die Finger.
Bei korrekter Konfiguration sollte sich unter den im Sys-Dateisystem abgelegten Cpufreq-Angaben zu den verfügbaren Taktstufen eine finden, die 1 MHz über der Normalfrequenz des Prozessors liegt. Ferner können Sie versuchen, bei einem ansonsten unbelasteten System zwei CPU-Kerne voll zu belasten (etwa mit md5sum) – wechselt dann die Taktfrequenz von zwei CPU-Kernen auf die höchste zuvor ausgelesene Stufe, während die anderen auf der niedrigsten Stufe bleiben, dann funktioniert Turbo Boost wahrscheinlich richtig.
Wer es genauer wissen will, muss einen CPU-lastigen Benchmark bemühen – möglichst einen, der nur einen oder zwei CPU-Kerne nutzt, denn dann bringt Turbo Boost besonders viel. Ein Testsystem mit Core i5-750 benötigte zum Kompilieren eines Kernels mit maximal zwei Jobs („make -j2 bzImage“) 115 Sekunden; nach dem Deaktivieren von Turbo Boost im BIOS-Setup waren es 122.

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