Welchen Speicher kaufen?

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c’t hat schon oft geschrieben, dass schnellerer Hauptspeicher nur wenig Vorteile bringt. Stimmt das immer noch, oder soll ich doch lieber Speichermodule vom Typ DDR3-1866 statt DDR3-1600 kaufen?

Die Taktfrequenz und die Latenzen des Hauptspeichers beeinflussen die Performance eines Desktop-Rechners oder Notebooks nur in Ausnahmefällen spürbar. Bei AMD-Prozessoren mit eingebauter Grafikeinheit liefert diese mit schnellerem RAM in manchen Spielen etwas höhere Bildraten.

Zurzeit – Stand: Dezember 2013 – liefert der Einzelhandel erst sehr wenige Speichermodule mit DDR3-1866-Chips, die mit der Standardspannung von 1,5 Volt laufen, sämtliche JEDEC-Parameter einhalten und ein sauber programmiertes Serial-Presence-Detect-(SPD-)EEPROM besitzen. Nur dann kann jedes Mainboard die hohe Frequenz auch sicher automatisch einstellen.

Derzeit sind Module mit DDR3-1600-Chips und 11 Taktzyklen Latenz eine gute Wahl; sie tragen die Bezeichnung PC3-12800-11-11-11, weil sie eine Datentransferrate von maximal rund 12,8 GByte/s erreichen. Absolut betrachtet sind die Latenzen übrigens nur rund 2 Prozent länger als bei PC3-10600-9-9-9, weil diese Zeiten relativ zur Taktzyklusdauer angegeben werden (siehe Tabelle).

Besonders misstrauisch sollten Sie bei Speichermodulen mit Blechdeckel sein: Viele der sogenannten Heatspreader verbessern die Wärmeabfuhr nicht oder verschlechtern sie sogar. Stattdessen dienen sie der Zierde und verbergen die Typbezeichnungen auf den darunter liegenden SDRAM-Chips.

Tückisch sind auch Riegel mit Extreme Memory Profile (XMP): Hier enthält das SPD-EEPROM Zusatzinformationen für schnellere Betriebsmodi. Einerseits funktioniert die automatische XMP-Konfiguration überhaupt nur bei wenigen Übertakter-Mainboards, zweitens gibt es dabei häufig Fehler und drittens schluckt das hochgetaktete RAM möglicherweise ordentlich Strom, sodass es nur mit starker Kühlung stabil läuft. Auf einem Mainboard ohne XMP-Unterstützung funktionieren nur die langsameren Frequenzen und Latenzen aus dem Standard-SPD-EEPROM. Anders ausgedrückt: Die erwartete Mehrleistung im Vergleich zu einem billigeren Standardmodul stellt sich oft genug erst nach manuellen Eingriffen ins BIOS-Setup ein.

Einige Systeme, die DDR3-1866-RAM grundsätzlich vertragen, schaffen das offiziell höchstens bis zur Hälfte des maximalen Speicherausbaus: also beim Einsatz von einem Dual-Rank-DIMM oder von einem oder zwei Single-Rank-DIMMs pro Speicherkanal. Hier lauert ein Fallstrick beim späteren Aufrüsten. Gibt es dabei Schwierigkeiten, sollte man die RAM-Frequenz im BIOS-Setup reduzieren und den Parameter „Command Rate“ von 1T auf 2T (zwei Takte) verlängern, falls möglich. DDR3L-Speicher mit 1,35 statt 1,5 Volt Betriebsspannung bringt in Desktop-Rechnern nur sehr geringe Vorteile, zumal sehr wenige Plattformen dafür spezifiziert sind. (ciw)

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