Zickiges Server-Mainboard

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Einen Dell-Server vom Typ PowerEdge T410 wollten wir für andere Zwecke nutzen. Dazu wäre eine Grafikkarte mit HDMI-Ausgang nötig, während die Onboard-Grafik bloß VGA kann. Eigentlich dachte ich, das Nachrüsten einer PCI-Express-Karte sei kein Problem, doch keine funktionierte – und der Dell-Support findet das obendrein normal. Ist das bei Servern denn nicht vorgesehen? Und kann ich auch keine USB-3.0-Karte einstecken?

Dass eine Grafikkarte in einem bestimmten PCIe-Slot nicht funktioniert, kann technische Ursachen haben: Möglicherweise erwartet das Mainboard-BIOS in diesem Steckplatz kein VGA-BIOS und erkennt die Karte deshalb nicht richtig. Außerdem dürfen PCIe-Grafikkarten deutlich mehr als die bei PCI- und PCIe-Karten sonst maximal zulässigen 25 Watt Leistung ziehen, doch nur PEG-Slots (PCI Express for Graphics) stellen 75 Watt bereit. Vielleicht haben Sie ja mit einer der vergleichsweise teuren PCIe-x1-Grafikkarten mehr Glück, die speziell für das Nachrüsten älterer Rechner gedacht sind und mit 25 Watt auskommen. Wenn es nur um den digitalen Display-Anschluss geht und nicht um 3D-Beschleunigung, hilft möglicherweise ein USB-Grafikadapter mit DisplayLink-Chip.

Eine PCIe-USB-3.0-Adapterkarte sollte funktionieren. Nach unseren Erfahrungen sind Server- und Workstation-Mainboards in Bezug auf Erweiterungsbauteile aber sehr viel wählerischer als die Retail-Mainboards, die im Einzelhandel an Desktop-PC-Bastler verkauft werden. Für diese ATX-Platinen gibt es sehr viel häufiger BIOS-Updates, die Kompatibilitätsprobleme beseitigen. Server-Boards hingegen werden möglichst lange unverändert produziert, um identisch konfigurierte Systeme fertigen oder reparieren zu können.

Die Entwickler von Server- und Workstation-Mainboards optimieren Hardware und Firmware zudem nicht für den Einsatz beliebiger Komponenten, sondern nur für ausgewählte Bauteile, die dann oft in Kompatibilitätslisten zu finden sind. Hersteller von Server-Hardware wie RAID-Hostadapter oder Speichermodule kooperieren mit den Serverfirmen bei der Kompatibilitätsprüfung oder führen eigene Listen, an denen man sich orientieren kann. (ciw)

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