10. Auflage der JAX-Konferenz

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Ein Jubiläum feierte die JAX Anfang Mai, da sie zum zehnten Mal ihre Tore geöffnet hatte. Mit den Rheingoldhallen in Mainz scheint der Veranstalter endlich auch einen adäquaten Standort für die mittlerweile konstant auf hohem Niveau bleibende Teilnehmerzahl gefunden zu haben.

Angetreten als "Konferenz für Java, Apache und XML-Technologie" hat sich die JAX in den letzten neun Jahren als eine der wichtigsten Entwicklerkonferenzen in Europa etabliert, die in diesem Jahr wieder mehr als 1700 Teilnehmer zog. Das Themenspektrum geht mittlerweile über reine Java-Kernthemen hinaus: Agile Vorgehensmodelle, Fragen zu Softwarearchitekturen oder aber Domain Specific Languages (kurz: DSL) stehen ebenso im Fokus wie serviceorientierte Ansätze und die Modellierung von Business-Prozessen.

Um der Fülle an Themen Herr zu werden und den Teilnehmern eine Orientierung an die Hand zu geben, ist die JAX mittlerweile in zwei parallel laufende Themenkonferenzen unterteilt. Nach wie vor gibt es die klassische, Java-orientierte JAX-Hauptkonferenz, zusätzlich finden die Business Technology Days statt, deren Fokus auf Architekturen und Business-Prozessen liegt. Der Mehrwert für den Teilnehmer ergibt sich dadurch, dass er zwischen den beiden Veranstaltungen wechseln und sich somit seine persönliche Konferenz gestalten kann.

Innerhalb der beiden Themenkonferenzen helfen die sogenannten "Days" zur Orientierung der Teilnehmer. Das ist bei der Vielzahl an Vorträgen und Workshops auch unabdingbar. Getreu dem Motto "Ein Tag, ein Thema, ein Raum!" wurden aufeinander abgestimmte Sessions zusammengefasst, um den Teilnehmern einen roten Faden zu den unterschiedlichen Fachbereichen zu geben. Spring Day, JSF Day, Agile Day und BPM Day sind nur einige Beispiele für die präsentierten Pakete. Dass das Konzept bei den Teilnehmern auf Gegenliebe stieß, zeigte ihre rege Beteiligung an den "Days".

Die Mischung der Sessions und ihre Qualität waren gewohnt gut. Sicherlich gibt es bei der Fülle an Vorträgen immer mal wieder den einen oder anderen, der nicht ganz die Erwartungen erfüllt oder aber inhaltlich nicht zu 100 Prozent mit den Vorankündigungen übereinstimmt. Das wird aber spätestens wieder wettgemacht, wenn man einen begnadeten Sprecher wie Adam Bien über das Thema "Vernunft-driven Design" referieren hört oder aus erster Hand erfährt, wie es in Zukunft mit einer Java-Technik weitergeht, etwa von Ed Burns (JSF 2.0 Specification Lead) in seinem Vortrag "What's next for JSF".

Auf Interesse stieß auch die eine oder andere Keynote. Mike Piech, Enterprise Software Product Marketing Executive bei Oracle, betonte in der Eröffnungs-Keynote noch einmal die strategische Bedeutung von Java für Oracle und bekräftigte damit die gleich lautenden Aussagen seines Chefs Larry Ellison auf der letztjährigen JavaOne und Oracles OpenWorld. Auch die zukünftige Relevanz von JavaFX im UI-Umfeld und die in dem Zusammenhang geplanten Investitionen hob Piech noch einmal hervor. Eine Aussage, die die Java-Community im Kampf um die RIA-Krone mit Microsoft und Adobe weiter hoffen lässt.

Dass zumindest Adobe aktuell noch mehr als eine Nasenlänge voraus ist, verdeutlichte die Keynote von Michaël Chaize, Flash Platform Evangelist bei Adobe. Er demonstrierte eindrucksvoll, wie sich mit der neuen Flash-/Flex-Tool-Familie einfach ein Java-Backend-System mit einem interaktiven Flash- beziehungsweise Flex-Frontend verbinden lässt, und zwar bei perfekter Rollentrennung zwischen Designer und Entwickler.

Die JAX wird 10 - und die Teilnehmer feiern mit Torte.

Die 10. JAX in Folge – das darf und muss gefeiert werden. Sebastian Meyen, Programmverantwortlicher der Veranstaltung, nahm das Jubiläum zum Anlass und lud deshalb alle Teilnehmer zu einer besonderen Session ein. Er bat einige Sprecher der ersten Stunde auf die "Bühne" und konfrontierte sie mit Aufgaben und Fragen, und das von vielen Bildern und Geschichten untermauert. Michael Johann, zu Ruby on Rails konvertierter Java-Evangelist der ersten Stunde, bestach beispielsweise mit einer Tanzeinlage. Natürlich hatte der Veranstalter auch die eine oder andere "Peinlichkeit" über die Sprecher zu berichten, was beim Publikum zu großer Erheiterung beitrug.

Spontan gesellten sich am Ende einige Teilnehmer aus dem Publikum hinzu, die für sich ebenfalls in Anspruch nehmen konnten, auf der ersten JAX dabei gewesen zu sein. Als Dankeschön gab es zum Abschluss der Veranstaltung für alle Gäste ein Stück von der wohl größten JAX-Torte der Welt (siehe Bild).

Während es anderen Veranstaltungen der Größenordnung häufig an Organisation und/oder technischer Tiefe mangelt, ist es den Veranstaltern der JAX gelungen, dank eines "Konferenz in Konferenz"-Konzepts die hohe Qualität der ersten Jahre bei stark wachsender Anzahl an Teilnehmern, Sessions und Sprecher weiter zu gewährleisten.

Das garantieren das Konzept der Special Days und die sich dafür verantwortlich zeichnenden Moderatoren, die in der Regel zu den Experten des jeweiligen Fachgebiets im deutschsprachigen Raum zählen und einen wesentlichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Konferenzbeiträge haben. Mit circa 25 Special Days ist der Veranstalter eventuell ein wenig über das Ziel hinaus geschossen, aber hier lässt sich in der Zukunft sicherlich der eine oder andere Track zusammenfassen.

Die diesjährige JAX hat gezeigt, dass sie in ihrer zehn Auflage aktueller ist denn je. Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, die Lust auf die nächsten zehn Jahre macht.

Lars Röwekamp
ist Gründer des IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens OpenKnowledge GmbH und beschäftigt sich mit der eingehenden Analyse und Bewertung neuer Software- und Techniktrends.