13. Deutscher Perl-Workshop

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Mitte Oktober fand inzwischen zum 13. Mal der Deutsche Perl-Workshop statt. In diesem Jahr trafen sich die Entwickler aus der deutschsprachigen Perl-Community in Frankfurt am Main und stellten das Web-Framework Dancer sowie neue nützliche Module von CPAN und GitHub in den Mittelpunkt ihrer Konferenz. Der familiäre Rahmen von maximal 150 Teilnehmern, nur eine Vortragslinie in deutscher Sprache und die geringe Teilnahmegebühr machen den Workshop zu einer interessanten Alternative zur YAPC.

Nach dem zweistündigen Eröffnungsvortrag erklärte Renée Bäcker, Herausgeber des $foo-Magazins, das Konzept von Rollen in der Softwareentwicklung, das noch mehr Möglichkeiten bietet als reine Objektorientierung. Anhand praktischer Beispiele zeigte er die daraus entstehenden Vorteile auf. Interessant auch der Vortrag von Herbert Breunung, in dem er die Darstellung von Datenstrukturen in Perl 5 und Perl 6 miteinander verglich.

Der Perl-Workshop trug auch dem Umstand Rechnung, dass Webseiten heute einen immer größeren Funktionsumfang bekommen. Vor dem Hintergrund beleuchtete Uwe Völker von der XING AG, unter anderem mit einer Live-Demo, die Risiken, die entstehen, wenn HTML in Webformularen gepostet werden kann. Anhand eines von ihm entwickelten, frei verfügbaren Sanitizer zeigte er, wie sich serverseitig problematischer Content wieder entfernen lässt. Den Abschluss des ersten Tages bildete Max Maischeins Session "Web Scraping mit Perl". Er zeigte mit einfachen Beispielen, wie Websites sich via Skript steuern lassen.

Der Tag Zwei des 13. Deutsche Perl-Workshops war von nur wenigen Lichtblicken gekrönt. Dazu zählte Gerhard Schwanz' Vortrag über die Verarbeitung von OpenStreetMap-Kartenmaterial, der sich an fortgeschrittene Perl-Anwender richtete und Mapweaver vorstellte, ein Tool, mit dem sich aus den Rohdaten von OpenStreetMap druckbare Karten erzeugen und mit Zusatzinformationen anreichern lassen. Dabei ist es möglich, im Zusammenspiel mit Tracking-Daten und zum Beispiel LaTeX komplette Wanderführer zu erstellen. Ebenso beachtenswert war der Talk von Denis Banovic aus Salzburg, der das Web-Framework Dancer vorstellte. Es kommt ohne großen Overhead an Modulen aus und ist, Dank seiner Einfachheit, schnell zu erlernen. Zum Ende des zweiten Tages folgten traditionsgemäß die Lightning Talks, unter anderem zur YAPC::Europe 2011 und dem 14. Deutschen Perl-Workshop in Erlangen.

Der dritte und letzte Tag startete mit dem Vortrag "Perl in der Wolke", ebenfalls von Denis Banovic. Am Beispiel einer mit Dancer erstellten Applikation zeigte er live, wie diese sich auf eine Cloud spielen lässt und anschließend sofort verfügbar ist. Auch am Nachmittag gab es interessante Vorträge, darunter den von Richard Lippmann von den Perl Mongers Erlangen, der darüber aufklärte, welche Schwierigkeiten die natürliche Sprache im Quellcode machen kann. So führe eine "sprechende" Benennung von Methoden, Variablen und dergleichen im internationalen Umfeld oft zu Missverständnissen. Lippmann ergänzte Tipps, wann Englisch eingesetzt werden sollte und wann es hilfreich sei, Spezialvokabeln in Landessprache zu verwenden, um Missverständnisse zu vermeiden. Und Herbert Breunung verglich in einem Talk über die Dokumentation von Software das Programmieren mit einem "Treppensturz" – man kommt unten an, egal wie. Anhand des Documentation-Driven Developments stellte er einen Ansatz vor, mit dessen Hilfe dennoch bessere Software entstehen kann.

Die gelungene Organisation und das interessierte Publikum vor Ort trugen dazu bei, dass der 13. Deutsche Perl-Workshop aus Sicht des Autors erneut als Erfolg verbucht werden durfte. Und der Termin für den 14. Perl-Workshop in Erlangen steht bereits fest: Hier darf man sich den 5. bis 7. März 2012 im Kalender vormerken. (rl)

Dipl.-Inf. Colin Hotzky
ist Configuration Manager bei der evosoft GmbH, arbeitet seit über 10 Jahren in großen Perl-Projekten und ist aktives Mitglied der Erlanger Perl-Mongers.

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