15 Jahre UML

Standards Bernd Oestereich  –  6 Kommentare

Vor 15 Jahren entschied sich die OMG, die Unified Modeling Language als offiziellen Standard zu verabschieden. Zeit für eine Würdigung durch den UML-Kenner Bernd Oestereich.

Diese Woche jährt sich die Verabschiedung der Unified Modeling Language (UML) als offizieller Standard der Object Management Group (OMG) zum 15. Mal, denn am 25. September 1997 wurde die UML-Version 1.1 von der OMG OA&D Task Force zur Annahme empfohlen.

Die Entwicklung der UML war damals insofern ein bedeutender Schritt, als es zuvor Dutzende konkurrierende Notationen und Methoden im Bereich der objektorientierten Softwareentwicklung gab. Neben den drei Amigos Grady Booch, James Rumbaugh und Ivar Jacobson waren damals Rebecca Wirfs-Brock, Sally Shlaer, Stephen Mellor, Adele Goldberg, Ward Cunningham, Edward Yourdon und Peter Coad die bekanntesten Autoren. Mit der Akzeptanz durch die OMG wurde die Weiterentwicklung dann auch von den ursprünglichen Privatpersonen an eine Industrieorganisation übertragen. Was schließlich am 20. Oktober 2000 dazu führte, dass die UML ISO-Standard wurde.

Aus Anlass des Jubiläums hat der Autor in sein Bücherregal geblickt und sich die erste Auflage seines orangefarbenen Buches "Analyse und Design mit der UML" gegriffen. Einige erinnern sich vielleicht noch an so überaus belanglose Streitpunkte, ob Klassen nun als Wolken oder Rechtecke notiert werden sollten. Die erste Auflage von 1995 beruhte noch auf Boochs OOD-Methode (Object-Oriented Design) und war voller Wolken, ab der zweiten (1997) gab es dann die UML mit den Rechtecken.

Insgesamt war die damalige Notationsblüte hilfreich, um verschiedene Ideen zu erproben und zu vergleichen. Und der geschickte Schachzug von Booch, Rumbaugh und Jacobson, sich zusammenzutun und zu einigen, war dann ebenso hilfreich, um die Welt der inkompatiblen Modellierungsansätze wieder übersichtlicher und damit allgemein anwendbarer zu gestalten.

Der neue Standard war dann wiederum der Start für den Wettbewerb ungezählter Anbieter von Modellierungswerkzeugen. Die Liste der UML-Werkzeuge ist nach wie vor umfangreich: oose, die Firma des Autors, pflegt immer noch eine Werkzeugübersicht auf ihrer Internetseite. Hier war in den ersten Jahren Rational, dann von IBM gekauft, ein wichtiger Orientierungspunkt, da das Unternehmen die drei Amigos in ihre Nähe ziehen konnte.

Nachdem der Standard mit einem bereits großen Umfang an Diagrammtypen und Modellierungselementen gestartet ist, wuchs dieser dann in den darauf folgenden Jahren noch weiter an. Die Version 2.0 uferte aus, was nur einige wenige spezielle Anwender freute und alle anderen eher nervte, weil der Standard immer komplizierter wurde.

Die Version 2.0 führte 2004 das dreistufige Zertifizierungsprogramm "OMG Certified UML Professional" (OCUP) ein. oose, die Firma des Autors, konnte auf der OOP in München in Anwesenheit vom OMG-Chef Richard Soley den weltweit ersten Absolventen die Urkunden übergeben. OCUP war außerdem die Voraussetzung dafür, dass eine ganze Reihe Test-Vorbereitungsbücher verfasst wurden. So konnten der Autor und sein Kollege Tim Weilkins ihr Buch zur Fundamental-Stufe dank der Materialien aus den Vorbereitungskursen in nur vier Wochen schreiben. Was aber auch deutlich macht, dass es dabei um keine großartigen kreativen Leistungen ging, sondern schlicht darum, eine gegebene und standardisierte Portion trockenen Wissens zum Lernen bereitzustellen. Aktuell sind alle drei Stufen in einem Vorbereitungsbuch des dpunkt.verlag zusammengefasst.

Bis heute ist der Autor der Meinung, das über 80 Prozent der UML-Anwender mit weniger als 20 Prozent des Standardumfangs gut auskommen würden. Ein Systemkontextdiagramm zu Anfang zu entwickeln ist immer noch hilfreich. Den Kern bilden Klassen-und Aktivitätsdiagramme, um die statischen und dynamischen Aspekte zu beschreiben. Damit kommen die meisten ganz gut aus. Bedarfsweise ist vielleicht mal ein Sequenzdiagramm einzusetzen, um dynamische Aspekte besser zu durchdringen. Und für das Design im Großen, die Komponentenarchitektur, haben sich Kompositionsstrukturdiagramme bewährt.

Die Anwendungsfalldiagramme wiederum lenkten etwas von den eigentlichen Anwendungsfällen ab. Um diese zu beschreiben, braucht es weniger eine klare und strenge Notation als vielmehr eine einfache Schablone und vor allem sprachliche, kommunikative und soziale Befähigungen. Die Formalisierung der Use Cases speziell durch die Diagramme war hier etwas überbetont, weswegen sich die kleine Schwester des Anwendungsfalls, die Benutzergeschichte, mit ihrer einfachen Phrasenkomposition schnell auch großer Beliebtheit erfreute.

Die UML wurde schließlich im Laufe der Jahre auch Basis für andere Notationen und Methoden: Neben dem Rational Unified Process (RUP), dem Object Engineering Process (OEP) und anderen Vorgehensmodellen, von denen heute keiner mehr spricht, beispielsweise auch für die modellgetriebene Softwareentwicklung und die Systems Modeling Language (SysML).

Die UML wird heute kaum noch thematisiert, sie ist einfach ein weltweit etablierter und verbreiteter Standard und als solcher eine Selbstverständlichkeit geworden. Ein Handwerkszeug, dass man zumindest grundlegend kennen sollte und dann bedarfsweise anwendet.

Nach 15 Jahren ist die UML nunmehr bei Version 2.5 angekommen – in der letzten Woche erst ist die mittlerweile 10. Auflage von "Analyse und Design mit der UML – Objektorientierte Softwareentwicklung" erschienen. Die Version 2.5 stellt übrigens eine Vereinfachung der UML dar und ist das Ergebnis der UML Simplification Task Force. Vereinfacht wurde das Metamodell, sodass sich für UML-Anwender und für die neue Auflage des Buchs keine großen Veränderungen ergeben haben. (ane)

Bernd Oestereich
ist Gründer und Geschäftsführer der oose Innovative Informatik GmbH, Autor zahlreicher, teilweise international verlegter und prämierter Buch- und Zeitschriften­publi­kationen.

Literatur:
  • Bernd Oestereich; Analyse und Design mit der UML 2.5: Objektorientierte Softwareentwicklung; Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2012 (10. Aufl.)
  • Tim Weilkins, Bernd Oestereich; UML 2 – Zertifizierung: Fundamental, Intermediate und Advanced; dpunkt.verlag 2006
  • Tim Weilkins; Systems Engineering mit SysML/UML; dpunkt.verlag 2008 (2. Aufl.)
  • Martina Seidl, Marion Brandsteidl, Christian Huemer, Gerti Kappel; UML @ Classroom; Eine Einführung in die objektorientierte Modellierung; dpunkt.verlag 2012