20 Jahre Visual Studio: Werkzeuge kamen und gingen – Vielfalt heute größer denn je

Microsoft feiert heute im Rahmen der Markteinführung von Visual Studio 2017 das 20-jährige Jubiläum seiner integrierten Entwicklungsumgebung. heise Developer blickt zurück auf die zahlreichen Veränderungen, die dieses Produkt durchwandert hat.

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20 Jahre Visual Studio: Werkzeuge kamen und gingen – Vielfalt heute größer denn je
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Visual Studio 97 erschien am 28. Januar 1997. Entwicklungsumgebungen von Microsoft gab es vorher schon, aber die neue IDE bildete eine Dachmarke über bisher eigenständige Produkte wie Visual C++, Visual Basic und Visual FoxPro, daher begann die interne Versionszählung von Visual Studio auch direkt mit der Nummer 5.0.

De erste Abbildung in der Bilderstrecke unten zeigt den Inhalt von Visual Studio 97. Die meisten dieser Produkte hatten ein eigenständiges Setup und auch eine eigene Benutzeroberfläche. Lediglich Visual J++ und InterDev teilten sich damals die Rahmenanwendung. Erst mit Visual Studio .NET 2002 bildete Visual Studio wirklich eine Rahmenanwendung um alle enthaltenen Programmsprachen. Auch Ende der 90er Jahre war es aber dank COM (Component Object Model) schon möglich, eine Anwendung aus in verschiedenen Programmiersprachen entwickelten Komponenten zusammenzusetzen.

Viele der frühen Produkte sind längst Geschichte: Visual InterDev war eine Entwicklungsumgebung für Webanwendung mit heute meist vergessenen Techniken wie IDC (Internet Database Connector) und ASP (Active Server Pages). Die zweite und letzte Version dieses Produkts erschien 1998 als "Version 6.0" im Rahmen von Visual Studio 98. Das Java-Derivat Visual J++ musste Microsoft nach Rechtsstreitigkeiten mit Sun Microsystems wieder einstellen. Der Microsoft Transaction Server (MTS) wanderte Ende 1997 in NT 4.0 Option Pack und dann später als COM+ in Windows 2000. FoxPro wurde nach Visual Studio 98 wieder ausgegliedert und 2007 nach der Version 9.0 eingestellt.

Der größte Umbruch in der Geschichte von Visual Studio ging 2002 mit der Einführung von .NET und Managed Code einher. Visual Studio .NET 2002 bot fünf Programmiersprachen: das von Delphi-Erfinder Anders Hejlsberg neu geschaffene C#, Visual Basic .NET (mit drastischen Syntaxänderungen im Vergleich zum früheren Visual Basic), J# (ein erneutes Java-Derivat, das aber nur noch Code für Microsofts CLR und nicht mehr für die JVM erzeugte), JScript.NET (ein mittlerweile in Vergessenheit geratenes JavaScript-Derivat) und C++, die einzige Programmiersprache in Visual Studio, die damals nicht nur Managed Code, sondern auch noch direkt Native Code erzeugen konnte. Die vier Programmiersprachen verwendeten zwar eine gemeinsame Rahmenanwendung, die Editoren waren jedoch damals noch getrennt implementiert.

Visual Studio 2002 bietet erstmals ein einheitliches Setup für alle Komponenten.

Zu der Zeit klebte Microsoft sein .NET-Logo auf alle Produkte und sprach von "Windows .NET Server" und ".NET Enterprise Servers" (damals ein Oberbegriff über Microsoft SQL Server, Exchange Server, Host Integration Server, Commerce Server, BizTalk Server u. a.), auch wenn keine Zeile dieser Produkte mit Managed Code geschrieben war. Die 2003er-Version von Visual Studio für .NET 1.1 hatte noch .NET im Namen, im Zuge der "Entdotnetifizierung" war damit aber bei Visual Studio 2005 (für .NET 2.0) Schluss.

Auch Visual Basic .NET gibt es seitdem offiziell nicht mehr, die Sprache heißt wieder einfach Visual Basic, was aber die eindeutige Abgrenzung zum immer noch in vielen Unternehmen eingesetzten klassischen, COM-basierten Visual Basic 6.0 erschwert. Zu Visual Studio 2005 gab es erstmals mehrere kostenfreie Express-Varianten von Visual Studio mit einem abgespeckten Funktionsumfang.

C# und Visual Basic .NET in einer Projektmappe in Visual Studio 2002

Die größte Veränderung in Visual Studio 2005 war die Einführung des Team Foundation Server (TFS), der nicht nur die störanfällige Versionsverwaltung von Visual SourceSafe (VSS) ablöste, sondern erstmals aus dem Hause Microsoft ein ALM-Angebot mit Aufgabenverwaltung, Test- und Build-Werkzeugen bot. Zusammen mit den in Visual Studio integierten ALM-Client-Werkzeugen sprach Microsoft von "Visual Studio Team System" (VSTS). VSTS gab es als Name noch bis Visual Studio 2010 und seit kurzem wieder als Abkürzung für "Visual Studio Team Services", der Cloud-Variante des TFS. Das im Markt wenig akzeptierte Managed C++ löste Microsoft in Visual Studio 2005 durch den ECMA-Standard C++/CLI ab.

Immer mehr Designer, immer mehr Fenster. Spätestens mit Visual Studio 2005 brauchte ein Entwickler einen zweiten Monitor.

Zu .NET 3.0 gab es 2006 keine neue Version von Visual Studio; die Werkzeuge für die großen neuen Bibliotheken wie Windows Presentation Foundation (WPF), Windows Communication Foundation (WCF) und Windows Workflow (WF) waren nur als unfertige Add-ons verfügbar. Erst für .NET 3.5 gab es wieder ein Visual Studio. Bis man den WPF-Designer aber wirklich brauchen konnte, sollte es noch einige Versionen dauern.

Größte Neuerungen in Visual Studio 2008 war die Visual Studio Shell. Microsoft bietet seitdem anderen Entwicklern an, auf Basis des Visual-Studio-Kerns andere Entwicklungsumgebungen zu erstellen. Microsoft selbst nutzt die "Shell" für SQL Server Management Studio.

Mit Visual Studio 2010 (für .NET 4.0) hatte Microsoft begonnen, Teile der IDE in .NET zur realisieren: WPF für die Oberfläche und MEF (Managed Extensibility Framework) für Erweiterungen, die nun als VSIX-Dateien ausgeliefert wurden. Seitdem ist die Anzahl der verfügbaren Erweiterungen explodiert. Ein wichtiger Zusatz sind die Productivity Power Tools. Mit ihnen liefert das Unternehmen nun Funktionen als kostenfreies Add-on, die eigentlich ins Produkt gehören, aber zur Vermeidung von Support-Kosten ausgelagert wurden.

Zudem rückte F# in die Riege der Visual-Studio-Sprachen auf. Die Werkzeuge für das mittlerweile beerdigte Silverlight wurden erstmals in Visual Studio integriert. Visual Studio 2010 war aber auch die letzte Version, die einen schönen Codenamen einer Stadt (wie Aspen), eines Bergs (wie Rainier) oder einer Insel (wie Orcas) trug.

Datum Produktname Interne Versionsnummer Codename
28.01.1997 Visual Studio 97 5.0 Boston
01.06.1998 Visual Studio 98 6.0 Aspen
13.02.2002 Visual Studio .NET 2002 7.0 Rainier
24.04.2003 Visual Studio .NET 2003 7.1 Everett
07.11.2005 Visual Studio 2005 8.0 Whidbey
19.11.2007 Visual Studio 2008 9.0 Orcas
12.04.2010 Visual Studio 2010 10.0 Dev10/Rosario
12.09.2012 Visual Studio 2012 11.0 Dev11
17.10.2013 Visual Studio 2013 12.0 Dev12
20.07.2015 Visual Studio 2015 14.0 Dev14
07.03.2017 Visual Studio 2017 15.0 Dev15
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