AUTOSAR: Chance der Softwareentwicklung im Automotive-Bereich

Einstiegsgründe

Wieso jetzt einsteigen

Um die Frage zu beantworten, empfiehlt es sich, Hype- und Softwarelebenszyklus in Verbindung zu bringen. Der Hype-Zyklus stellt dar, welche Phasen der öffentlichen Aufmerksamkeit eine neue Technik bei ihrer Einführung durchläuft. Den Begriff prägte die Gartner-Beraterin Jackie Fenn, weshalb er auch unter dem Namen Gartner's Hype-Cycle bekannt ist. Der Software-Lebenszyklus beschreibt Phasen, die eine Software durchläuft – von ihrer Planung über die Implementierung und Wartung bis hin zum Tag, an dem die Software eingestellt wird.

Bei AUTOSAR handelt es sich zwar nicht um eine Software, sondern um eine Spezifikation für Software, als Abbildungsgrundlage ist der Software-Lebenszyklus dennoch gut geeignet. Er besitzt beispielsweise gegenüber dem Produktlebenszyklus den Vorteil, dass er vor der Markteinführung beginnt. Des Weiteren gibt es keine "speziellen" Spezifikationslebenszyklen. Die Definitionen haben zumindest einen anderen Fokus. Sie gehen auf das Erstellen der Dokumente, das Durchführen von Reviews und ihre Freigabe ein. Die "internen Phasen" sind für die Beantwortung der Frage, ob man jetzt einsteigen soll, nicht von Bedeutung. Da AUTOSAR bereits in Version 3.1 vorliegt, lässt sich von einem ausgereiften Dokumentenerstellungsprozess ausgehen.

Die Abbildung der AUTOSAR-Spezifikationsphasen auf die Software-Lebenszyklusabschnitte erfolgt wie folgt:

  1. Planung: Festlegen der Ziele und Ableiten der Aufgaben, Akquise von Partnern, um die Ressourcen bereitzustellen,
  2. Design: Entwickeln der Architektur mit Modulen und Schnittstellenkonventionen,
  3. Implementierung: Spezifikation der einzelnen Module,
  4. Deployment: Anwendung der Spezifikation in Automotive-Softwareprojekten undMaintenance: Wartung (Fehlerbereinigung und Optimierung).

Die beiden Zyklusmodelle lassen sich in der Praxis dazu nutzen, Aussagen zur aktuellen Situation treffen zu können, um daraufhin die Planung für das weitere Vorgehen anzupassen. Der Hype-Zyklus zeigt an, wann der beste Einstiegszeitpunkt ist. Die Herausforderung besteht jedoch darin, zunächst festzustellen, an welcher Stelle des Zyklus man sich befindet. Ist sie eher Position 2 (Gipfel der überzogenen Erwartungen) oder schon Position 7 (Pfad der Erleuchtung, der in das Plateau der Produktivität führt)? Die aktuelle Position festzustellen erfolgt im Folgenden durch die Kombination von Hype- und Lebenszyklus sowie weiterer unten beschriebener Faktoren.

Wie der Titel des Artikels erahnen lässt, führt der Beitrag Fakten auf, die zeigen sollen, dass der Verlauf genau wie in 3 ist. Das würde somit bedeuten, das aktuell der ideale Zeitpunkt zum Einstieg für eigene AUTOSAR-Projekte ist (Position 7 – Anfang des "Slope of Enlightenment").

Die Indikatoren stellen sich wie folgt dar: Nachdem AUTOSAR eine längere Phase aus Planung, Design und Spezifikation (Implementierung) erster wichtiger Module durchlaufen hatte, veröffentlichte die Initiative 2005 die Version 1.0. Danach begann das Interesse an AUTOSAR stark zu wachsen. Während man die Spezifikation weiterentwickelte (AUTOSAR 2 und 3 in den Jahren 2006 und 2008), hatte sich das Thema zu einem Hype entwickelt. Überall sprach man von AUTOSAR und startete mit Hochdruck eigene Projekte. Der Einstieg in das Thema war zu diesem Zeitpunkt teilweise zu früh, sodass einige Unternehmen ihre hoch gesteckten Ziel wieder korrigieren mussten. Es gab damals noch keinen wirklichen Markt, auch wenn erste Prototypenprojekte den Beginn eines neuen großen Markts vermuten ließen.

Daraufhin fanden erste Marktbereinigungen statt. Einige Firmen stellten AUTOSAR-Produktlinien wieder ein oder Akquisitionen fanden statt. So übernahm Anfang 2006 Vector die 4m-Softwareabteilung der Micron Electronic Devices AG, die zu dieser Zeit die Software-Modulsammlung MICROSAR entwickelte. Dadurch vervollständigte Vector sein Angebot an AUTOSAR-Basissoftwaremodulen.

Andere Unternehmen versuchten, Kosten zu reduzieren, indem sie unterschiedlich geartete Kooperationen eingingen. Ein Beispiel ist die Partnerschaft zwischen der dSPACE GmbH in Paderborn und der Elektrobit (EB) Automotive GmbH in Erlangen. Die 2008 geschlossene Kooperation dient dazu, eine möglichst umfassende AUTOSAR-Basissoftware und -Toolkette aus einer Hand anzubieten. Dabei deckt Elektrobits tresos die Erstellung und Konfiguration der Basissoftware ab, dSPACEs SystemDesk ist für die Applikationsebene und den Systementwurf zuständig.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist Artop, die von einer User Group entwickelte Artop AUTOSAR Tool Platform. Sie eignet sich für die Erstellung eigener Tools. Die 2008 ins Leben gerufene Initiative ist für alle AUTOSAR-Mitglieder offen. Der Anstoß, sie zu nutzen, war die Einsicht vieler AUTOSAR-Tool-/Softwarehersteller, dass die Eigenentwicklung einer weitgehend vollständigen AUTOSAR Entwicklungsumgebung eine hohe finanzielle Herausforderung darstellt.