Abhängigkeiten reduzieren mit Echtzeitbetriebssystem RTEMS

Know-how  –  7 Kommentare

In den letzten Jahren haben viele Entwickler Open-Source-Software schätzen gelernt: Als Vorteile gelten geringe Kosten, offen gelegte Implementierung, Zertifizierbarkeit und Anpassbarkeit der Funktionen an die eigenen Bedürfnisse. Profitieren kann davon das freie Echtzeitbetriebssystem RTEMS, das nicht nur in Luft- und Raumfahrt, sondern auch bei industriellen und automobilen Anwendungen Marktanteile gewinnt.

Seit Jahren werden zunehmend mehr eingebettete Systeme mit speziellen Betriebssystemen ausgestattet. Neben den klassischen Grundfunktionen wie Multitasking und Intertask-Kommunikation gewinnen erweiterte Features wie Dateisysteme für Flash-Karten, aber auch USB- und Netzwerkanbindung an Bedeutung. Ein schlüsselfertiges Betriebssystem erleichtert hier die Entwicklung ungemein. Die Entwickler können sich stärker auf die produktspezifischen Herausforderungen konzentrieren und auf die fertigen Dienste und Funktionen des Betriebssystems stützen.

Allerdings gibt es ein böses Erwachen, wenn das Betriebssystem aus verschiedenen Gründen plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht: Sei es, weil der Hersteller einzelne Prozessorarchitekturen nicht mehr unterstützt, sich strategisch neu ausrichtet oder schlicht vom Markt verschwindet. Die Weiternutzung in bestehenden Produkten ist zwar meist noch sichergestellt, allerdings muss man dann ohne Bugfixes oder gar Funktionserweiterungen auskommen. Eine Nutzung desselben Betriebssystems in einem Nachfolgeprodukt ist jedoch unmöglich, das angeeignete Betriebssystem-Know-how und der produktspezifische Quellcode ist in weiten Teilen verloren.

Vielen Anwendern wurde diese Abhängigkeit bewusst, als 1999 Wind River die Firma Integrated Systems (ISI) übernahm und kurze Zeit später die Weiterentwicklung des populären Echtzeitbetriebssystems pSOS einstellte. RTEMS (Real-Time Executive for Multiprocessor Systems) entstand für Steuerungszwecke als Ersatz für pSOS. Es hat seine Wurzeln in der US Army. Schon relativ bald wurde sein Quellcode unter einer modifizierten GPL (General Public License) veröffentlicht. Seitdem orientiert sich die Weiterentwicklung einerseits an den Anforderungen der Anwender, andererseits aber an den Eckpfeilern Echtzeitfähigkeit, Quelloffenheit und kostenfreie Nutzbarkeit.

Das Open-Source-Prinzip in Verbindung mit einer freien Lizenz löst die Abhängigkeit vom Systemhersteller. Der offene Quellcode kann darüber hinaus ein tiefer gehendes Verständnis des Betriebssystems ermöglichen; neben großen Erleichterungen bei der Applikationsentwicklung wird dadurch der Wissensaustausch unter den Entwicklern gefördert. Die Anwender können zwar auf kommerziellen Support zurückgreifen, sind aber nicht abhängig davon. Hinzu kommt noch, dass viele Anpassungen, die Anwender für RTEMS entwickelt haben, in das System integriert wurden, damit sie allen Nutzern zur Verfügung stehen und mit dem Betriebssystem kontinuierlich weiter gepflegt werden

Der aktive Kern der Entwicklergemeinde umfasst derzeit etwa zehn Entwickler, jedoch ließen sich im letzten Jahr Beiträge von über 50 weiteren Entwicklern integrieren. Das zeigt, dass ein wertvoller Beitrag zur Codebasis auch aus dem Bereich der RTEMS-Anwender kommt.