Agile Unternehmen

Selbstorganisierte Teams bedeuten keine Anarchie. Vielmehr sind es Keimzellen agiler Tätigkeit. Richtig geführt werden sie im agilen Unternehmen zum Garant des Erfolgs.

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Agile Unternehmen

(Bild: pixabay)

Jürgen Hoffmann, Stefan Rook
Agile Unternehmen
Veränderungsprozesse gestalten, agile Prinzipien verankern, Selbstorganisation und neue Führungsstile etablieren

dpunkt 2018
VIII + 200 S., € 29,90
ISBN: 978-3-86490-399-1

(Bild: dpunkt)

Kaum einem Softwareentwickler ist heute das agile Manifest unbekannt. Wie aber lässt sich Software agil entwickeln? Im Laufe der Jahre haben sich diverse Vorgehensmodelle etabliert, unter anderem Scrum. Doch diese sind nur halb so viel wert wie sie sein könnte, wenn sie nicht richtig gelebt werden können, weil im Unternehmen eine eher traditionelle Denkweise vorherrscht. Um sich richtig zu entfalten, muss Agilität daher im gesamten Unternehmen verankert sein. Das Unternehmen selbst muss agil werden. Und hier setzen die Autoren mit ihrem Buch an.

Hoffmann und Rook fangen aber nicht gleich mit den agilen Methoden und Werten an. Sie betrachten für ihren Einstieg in das Thema zunächst die Werte aus Kundensicht. Der Kunde ist es, um den – vor allen dessen Bedürfnisse – sich das Geschäft dreht. Nicht nur das aktuelle, sondern auch das zukünftige. Die Autoren skizzieren daher drei unterschiedliche Zeithorizonte. Dabei handelt es sich um das aktuelle Geschäft, die Umsetzung von validierten Optionen und – mit größtem zeitlichen Forecast – die Sicherung künftiger Optionen. Diese verschiedenen Zeithorizonte zu bearbeiten erfordert unterschiedliche Herangehensweisen, und möglicherweise bis wahrscheinlich unterschiedliche Führungsstile. Während das aktuelle Geschäft auch mit althergebrachtem Order-and-Control-Stil erfolgreich geführt werden kann, ist aus Sicht der Autoren mindestens ab dem zweiten Horizont ein agiles Vorgehen, einhergehend mit Selbstorganisation, erforderlich, um den Erfolg sicherstellen zu können.

Wertschöpfung ist für die Autoren Teamaufgabe. Dazu zeigen die Autoren unterschiedliche Führungsformen auf. Die geringsten Reibungsverluste ergeben sich, wenn das Team direkt mit dem Kunden agiert, ohne dass Manager oder andere Personen dazwischen geschaltet sind, die Kundenbedürfnisse für das Team übersetzen oder die Software für das Team zum Kunden bringen. Der Ansatz erfordert aber ein angepasstes Management. Unter anderem gehen die Autoren auf "Management bei Objectives" ein, zeigen wie dies falsch oder richtig eingesetzt wird. Im Kapitel "Unterstützende Organisation" geht es auch um Feedback, neue Rollen für Führungskräfte, Veränderung der Unternehmenskultur – und mit Blick auf das große Ziel agiler Unternehmen schließlich um die Organisationsentwicklung.

Die Autoren pflegen einen lockeren Schreibstil, der ein flüssiges Lesen erlaubt, unterstützt von anschaulichen Grafiken und Fallbeispielen. Diese zeigen einprägsam einzelne Aspekte aus der Praxis, meist wie etwas funktioniert, manchmal wie etwas weniger gut läuft. So erhält der Leser schnell Informationen, ohne sich mühsam durch den Text arbeiten zu müssen. Ein Buch, das sich nicht nur für Menschen, die agil gestalten wollen eignet, sondern Anhängern herkömmlicher Führungsmethoden neue Horizonte öffnen kann. (map)

Michael Müller
ist als Bereichsleiter Softwareentwicklung der InEK GmbH verantwortlich für Projekte im Web-, Java- und .NET-Umfeld. Daneben betätigt er sich als freier Autor und verfasst Fachartikel zu diversen Entwicklungsthemen sowie Buchrezensionen.